Bocholt, 10. Februar 2011
Wenn zwei sich streiten …
… vermittelt der Dritte: Mediationsnetzwerk für Bocholt und Umgebung gegründet
Bocholt (pd).
Wenn zwei sich streiten … freut sich im Sprichwort zuweilen der Dritte. Oft aber gibt es nur Verlierer: Die Streithähne verkeilen sich und haben den eigenen Überblick für eine gütliche Beilegung des Konfliktes längst verloren. Ist der Respekt voreinander erst einmal geschwunden, prägen Beleidigungen den Umgang, bis hin zur völligen Funkstille. Eine Sackgasse. Hier kann eine sog. Mediation einen Ausweg bieten
Mediation bedeutet, eine konstruktive Konfliktlösung mit Hilfe einer dritten neutralen Person zu finden. Für Bocholt und Umgebung hat sich jetzt ein Netzwerk gegründet, das professionelle Mediation für Privatpersonen, Firmen, Schulen und andere interessierte Institutionen anbietet.
Auslöser für Streitigkeiten lauern überall: Zoff am Arbeitsplatz, Ärger in der Schule, in der Familie oder im Freundeskreis, mit den Nachbarn, dem Mieter oder Vermieter usw. Auch eine Scheidung ist oft die Wurzel für manchen „Rosenkrieg“, der neben Zwist um materielle Güter vor allem persönliche Wunden hinterlässt. Die zerstrittenen Personen haben häufig den Boden der sachlichen Auseinandersetzung verlassen. „Oft geht es um persönliche und zwischenmenschliche Probleme. Die Konfliktparteien sehen weder nach rechts noch nach links und werden taub für die Argumente des anderen. Das kostet alle Beteiligten Kraft und Energie – und Unternehmen nicht selten auch bares Geld“, so Pia Zimmermeyer. Die diplomierte Sozialarbeiterin und ausgebildete Mediatorin arbeitet für die Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft der Stadt Bocholt mbH (EWIBO) und kennt im Rahmen ihrer Tätigkeit etliche Fälle aus der Praxis.
Jetzt hat Zimmermeyer zusammen mit den zwei ebenfalls ausgebildeten Mediatoren Nikola Bourdoux-Klofat (Rechtsanwältin der Kanzlei Lühl & Partner, Wesel) und Stefan Bockting ein Netzwerk gegründet. Dabei geht es um weit mehr als die reine Schlichtung des Streites. Die Mediatoren versuchen, im Gespräch mit den Streitenden den Kern des Konfliktes auszumachen und am Ende eine für alle akzeptable Lösung zu finden. Zimmermeyer: „So besteht die Chance, den Streit so auszuräumen, dass jeder sein Gesicht wahren kann.“ Und nicht unerheblich: Eine frühzeitige Mediation ist laut Zimmermeyer oft deutlich kostengünstiger, unkomplizierter und schneller umzusetzen als ein langwieriger Gang vors Gericht.
Grundvoraussetzung für die Durchführung einer Mediation ist, dass die zerstrittenen Parteien sich freiwillig zur Teilnahme bereit erklären. „Der Mediator ist dabei kein Schiedsrichter, der Entscheidungen trifft“, stellt Pia Zimmermeyer klar. So wie für die Streitenden gelten auch für Mediatoren feste Regeln: Neben Vertraulichkeit zählt dazu vor allem Überparteilichkeit, sich unvoreingenommen mit den jeweiligen Interessen der Streitenden zu befassen. Das neue Netzwerk bietet in schwierigen Fällen die Möglichkeit der Co-Mediation, so dass bei Bedarf ein zweiter Mediator hinzugezogen werden kann. Am Ende einer gelungenen Mediation stehen schriftlich fixierte, von den Beteiligten unterzeichnete Vereinbarungen. „Dadurch, dass beide an der Lösung mitgearbeitet haben, wirken diese verbindlich“, so Zimmermeyer.
Das Netzwerk bietet für Firmen eine spezielle Wirtschaftsmediation an. Besonders in Unternehmen kann ein schwelender oder offener Streit unter Mitarbeitern oder mit dem Chef zur Belastung werden, die schlimmstenfalls auf Kosten der Gesundheit beteiligter Personen und letztlich zu Lasten der Produktivität geht. „Oft spielen hier verschiedene Hierarchiestrukturen eine Rolle“, so Zimmermeyer. Auch hier biete Mediation eine gute Möglichkeit, ein beschädigtes Betriebsklima wieder herzustellen.
Übrigens: Auch wer einfach nur eine Beziehung zum Freund oder zum Geschäftspartner qualitativ verbessern will, kann den Rat der Mediatoren in Anspruch nehmen.
Zu erreichen ist das Netzwerk unter Tel. 02871-21765-618, E-Mail pzimmermeyer@ewibo.de und im Internet unter http://www.ewibo.de/index.php/mediation