Pflege der städtischen Obstwiesen

16. Februar 2011. Auf mehreren Obstwiesen im Stadtgebiet - so auf dem Daspel in Harleshausen, dem Schenkelsberg in Oberzwehren und an der Mittelbinge in Kirchditmold - werden derzeit einzelne Obstbäume fachgerecht geschnitten. Ziel der Schnittmaßnahmen ist der Erhalt der Bäume in ihrer typischen Form. Totes Holz wird dabei nur entfernt, wenn es eine unmittelbare Gefahr darstellt, da es im Biotop Obstwiese auch eine Lebensgrundlage darstellt. Die Arbeiten werden von einer vom Umwelt- und Gartenamt beauftragten Fachfirma erledigt.

„Die dauerhafte Pflege von Obstwiesen ist ein Baustein der Stadt Kassel zur Einhaltung der Deklaration und Umsetzung des Stadtverordnetenbeschlusses“, teilt Stadtrat Dr. Joachim Lohse im städtischen Pressedienst mit und verweist damit auf die Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“, die von der Stadtverordnetenversammlung am 28. Juni 2010 beschlossen wurde. Die unterzeichnenden Kommunen sehen angesichts weltweit gefährdeter Ökosysteme die Notwendigkeit, die biologische Vielfalt vor Ort gezielt zu stärken. So sollen zum Beispiel Grün- und Freiflächen im Siedlungsbereich durch den Erhalt von naturnahen Flächen und die Nutzung bestehender Potentiale zur Schaffung von Naturerlebnisräumen dazu beitragen, den großen Verlust an genetischer Vielfalt zu reduzieren. Weitere geforderte Punkte sind die naturnahe Pflege öffentlicher Grünflächen sowie der Ausbau von Biotopverbundsystemen.

Obstbäume seien ein wesentlicher Bestandteil der Kulturlandschaft, aber auch seit jeher Teil der landeskulturellen Entwicklung, erklärte Stadtrat Dr. Lohse. Die Bemühungen um ihre Kultivierung zögen sich seit dem Mittelalter durch alle gesellschaftlichen Schichten. Neben der traditionellen Rolle der Obstbäume zur Erzeugung von Nahrungsmitteln haben sie eine hohe Bedeutung für den Naturschutz. Bis zu 2.000 verschiedene Tierarten haben in einem Streuobstbestand ihren Lebensraum. Alte Obstsorten werden mehr und mehr von wenigen ertragreichen Hochleistungssorten verdrängt, seien aber eine bedeutendes genetisches Potential.

Das Umwelt- und Gartenamt werde künftig jeden geschnittene Obstbaum in einem Obstbaumkataster erfassen und mit Sortennamen kennzeichnen, sagte Umweltdezernent Dr. Lohse weiter. Auf diese Weise werde es im Laufe der Zeit möglich sein, einen genauen Überblick über alle Obstbäume und Sorten im Stadtgebiet zu erhalten und damit eine wichtige Grundlage für die nachhaltige Nutzung des Obstes zu schaffen.

Ernten könne das Obst der städtischen Obstwiesen jedermann. Da die Bäume nicht mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelt bzw. künstlich gedüngt werden, liefern sie gesundes, wertvolles Obst für die Bürger, erklärte Stadtrat Dr. Lohse. Neben den Klassikern wie Äpfeln und Birnen wachsen auf vielen Flächen auch Süß- und Sauerkirschen, Zwetschgen, Pflaumen, Walnüsse und Haselnüsse. Sogar seltene Obstsorten wie Quitten, Mispeln oder Esskastanien gebe es. Neben dem Frischverzehr oder der Lagerung im Keller zu Hause biete sich zudem die Möglichkeit, das Obst gemeinsam mit Nachbarn zu sammeln und in der Mosterei zu Saft verarbeiten zu lassen.

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