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Pressemitteilung vom
01. Juni 2011
Landkreis kümmert sich um Naturdenkmale – 186 Bäume im Kreis ausgewiesen
Kreis Kassel.

Das Hessische Naturschutzgesetz umschreibt es klar und deutlich: „Naturdenkmale sind rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur, deren besonderer Schutz erforderlich ist“, heißt es im Paragraph 14. Der Begriff „Einzelschöpfung der Natur“ wirft beim Naturschutz-Laien allerdings eine Reihe von Fragen auf. „Der Begriff soll verdeutlichen, dass es sich zur Abgrenzung von einem Landschaftsschutz- oder einem Naturschutzgebiet, bei einem Naturdenkmal entweder um einen einzelnen Baum oder einen Lebensraum handelt, der schlicht zu klein für die Ausweisung als Naturschutzgebiet ist“, erläutert Rüdiger Germeroth vom Fachbereich Bauen und Umwelt des Landkreises Kassel.

Als Abteilung des Fachbereichs Bauen und Umwelt ist die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises mit Sitz in Wolfhagen dafür verantwortlich, Naturschutzdenkmale auszuweisen und dann auch die Pflege der natürlichen Denkmale zu übernehmen.

„Ausschlaggebend für die Ausweisung sind die Seltenheit oder Besonderheit eines Baumes - aber auch seine geschichtliche Bedeutung“, so Germeroth weiter. Deshalb sind Grenzbäume, Gerichtbäume und dorfprägende Bäume häufig Naturdenkmale. Germeroth: „Aufgrund der spezifischen Geschichte des Landkreises Kassel spielen bei uns auch Hutebäume eine wichtige Rolle – besonders im Reinhardswald“. Nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges 1870/71 wurden deutschlandweit viele „Friedenseichen“ gepflanzt, von denen es auch einige zu Naturdenkmalen gebracht haben, wie zum Beispiel die „Sedans-Eiche“ bei Oberlistingen.

Ein Besuch bei den als Naturdenkmal gekennzeichneten Bäumen zeige immer wieder, wie sich Natur und Landschaft in den letzten Jahren verändert haben. Germeroth: „Eine im Osten Lohfeldens als Naturdenkmal deklarierte Eiche war sicherlich lange Zeit ein solitärer Baum am Ortsrand – jetzt ist er von der A 7 und der A 49, einem Baumarkt und zwei Möbelhäusern umgeben.“ Der Baum habe damit zwar seine beherrschende Rolle in der Landschaft verloren, seine Bedeutung als Symbol für Beständigkeit habe er jedoch behalten.

Ein Symbol für Beständigkeit ist auch das „jüngste“ Naturdenkmal im Landkreis Kassel: Die Rohrbacheiche. „Die Eiche mit einem Stammumfang von mehr als 4,60 Meter ist mehr als 130 Jahre alt – allerdings wurde sie erst im Jahr 2007 Naturdenkmal“, erklärt Germeroth. Dieser Baum sei das Wahrzeichen der Rohrbacher Bruderschaft und habe aufgrund seines ortsbildprägenden Charakters und seiner Größe die Ausweisung verdient. In Zierenberg gibt es insgesamt acht Baum-Naturdenkmale, die 20 Bäume umfassen. Außerdem sind noch neun flächenhafte Naturdenkmale wie zum Beispiel der Helfenstein am Hohen Dörnberg in der Gemarkung ausgewiesen. Germeroth: „Damit liegt Zierenberg an der Spitze bei den flächenhaften Naturdenkmalen im Kreis – bei den Bäumen gibt es die meisten in Wolfhagen mit 29.“

Einen umfassenden Überblick über die Naturdenkmale im Landkreis Kassel gibt das vom Landkreis Kassel herausgegebene Buch „Natürliches Kulturgut – Vergangenheit und Zukunft der Naturdenkmale im Landkreis Kassel“ (ISBN 3-932583-17-5; Preis 19,80 Euro) aus dem cognitio-Verlag.

 

Hintergrund:

Die heutige Wüstung Rohrbach gehört zu den vielen Wüstungen rund um Zierenberg im Warmetal. Hintergrund dieser wie auch der anderen Wüstung war die Gründung der Stadt Zierenberg im frühen 14. Jahrhundert: Heinrich I. vereinnahmte für die Stadtgründung die Bürger der bisherigen eigenständigen Dörfer wie zum Beispiel Rohrbach, die bis dahin Eigentum des Klosters Hasungen waren. Da das Stadtleben mehr Rechte und mehr Schutz versprach, folgten die Bewohner Rohrbachs dem Angebot des ersten hessischen Landgrafen. Rohrbach fiel in der Folge wüst. In Zierenberg wurden die Bewohner der ehemaligen Dörfer in zusammenhängenden Straßenzügen angesiedelt.

Es bildeten sich Brüderschaften, die Pflichten im neuen Gemeinwesen übernahmen und per Satzung von Landgraf Hermann anerkannt wurden. Durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges verschwanden auch die Brüderschaften – ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden sie jedoch wieder neu gegründet: Die Rohrbacher Brüderschaft begann ihre Arbeit neu im Jahr 1696. Das Wiesengrundstück direkt unterhalb der Rohrbacheiche gehört noch heute der Rohrbacher Brüderschaft. Der Baum ist heute Treffpunkt der Brüderschaft bei ihren Zusammenkünften im Freien im Sommer.



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn



Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien anbieten:


Rohrbacheiche 001
Die Rohrbacheiche


Rohrbacheiche 002
Die Rohrbacheiche im Hochformat.


Rohrbacheiche 004
Rüdiger Germeroth am Naturdenkmal


Rohrbacheiche 005
Rüdiger Germeroth am Naturdenkmal.


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LANDKREIS KASSEL
Pressesprecher
Harald Kühlborn
Wilhelmshöher Allee 19 - 21
34117 Kassel
Tel.: 0561/1003-1506
Fax: 0561/1003-1530
Handy: 0173/4663794
E-Mail: pressestelle@landkreiskassel.de
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