Ulrich Holbein erhält den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

30. August 2011.

Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“, vergeben von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel, geht im Jahr 2012 an den Schriftsteller Ulrich Holbein. Dies gab Oberbürgermeister Bertram Hilgen jetzt bekannt. „Der Preis bleibt erstmals in seiner Geschichte in der nordhessischen Region, in der mit Ulrich Holbein einer der originellsten deutschen Schriftsteller beheimatet ist“, erklärte OB Hilgen.

 

Der mit 10.000 Euro dotierte Kasseler Literaturpreis wird seit 1985 jährlich vergeben und zeichnet Autoren aus, deren Werk auf hohem künstlerischem Niveau von Komik und Groteske geprägt ist. Der erste Preisträger war Loriot; nach ihm wurden unter anderem Irmtraud Morgner, Robert Gernhardt, Gerhard Polt und Herbert Achternbuch sowie zuletzt Thomas Kapielski ausgezeichnet.

 

Wer diesmal den zugehörigen „Förderpreis Komische Literatur“ erhält, den die Kasseler Sparkasse unterstützt, wird demnächst bekannt gegeben.

 

Die Preisverleihung findet am 25. Februar 2012 im Kasseler Rathaus statt.

 

Begründung des Stiftungsrates

„Der Preis ehrt mit Ulrich Holbein einen „Wolkenkuckuck“, „Zuspätromantiker“, „Müsli-Mysticus“, „Öko-Dandy“, „Knüll-Idylliker“, „Metachemiker“, „Waldbold“, „Polysophen“ etc., etc. – kurz: eine höchst geistesgegenwärtige Inkarnation des Grotesk-Komischen in Literatur und Leben. Im Spektrum zwischen Bildungszitat und Medienjargon, subtilstem Gedankenspiel und krassem Kalauer entfaltet Holbein eine Poesie assoziativer Freiheit. Seine Belustigungen unter der Gehirnschale führen bis in die aberwitzigsten Verästelungen der Sprache und des Wissens. Damit verwirklicht der Autor spielend eine ebenso grenzenlose wie radikal selbstbezogene Kunst und eröffnet seinen Lesern eine neue Verzauberung der Welt.“

 

Über Ulrich Holbein

Ulrich Holbein wurde 1953 in Erfurt geboren und lebt im nordhessischen Knüllgebirge. Einen Großteil seiner Jugend verbrachte er in Kassel, wo er freie Malerei studierte. Bekannt wurde er durch seine Kolumnen in der ZEIT, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung sowie in der Zeitschrift »konkret«. Holbein ist Autor von 950 Publikationen, davon 24 in Buchform, nebenher sind unzählige Fotomontagen entstanden. Seine Leser lässt er an seiner geradezu beängstigenden Belesenheit teilhaben, deren Zeugnis auch radikale Formen gewinnt wie der komplett aus Zitaten montierte ‚Roman’ „Isis entschleiert“ (2000). Ein Kaleidoskop grotesk-komischer Miniaturen bietet der Kurzprosaband „Januskopfweg. Glossen, Quickes und Grotesken“ (2003). Sein „Narratorium“ (2008) stellt eine höchst subjektive Art enzyklopädischer Erzählkunst dar, in der auf über tausend Seiten skurrile Figuren aus der Kulturgeschichte der Menschheit porträtiert werden. Hierfür wurde Holbein 2009 mit dem Ben-Witter-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Buch „Bitte umblättern“ (2010), das in immer wieder neuen Ansätzen eine poetische und menschliche Elementarfrage umspielt: „wie anfangen?“.

 

„Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ und „Förderpreis Komische Literatur“

Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wurde 1984 der Stadt Kassel von der Stiftung Brückner-Kühner zum Geschenk gemacht. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wird Schriftstellern (im ersten Jahrzehnt des Preises auch Literaturwissenschaftlern) zugesprochen, deren Werk sich auf hohem künstlerischem Niveau durch Humor, Komik und Groteske auszeichnet. Seit 1985 erhielten folgende Personen die Kasseler Auszeichnung: Loriot, Eike Christian Hirsch, Ernst Jandl, Wolfgang Preisendanz, Irmtraud Morgner, Ernst Kretschmer, Robert Gernhardt, Walter Hinck, Christoph Meckel, Volker Klotz, Hanns Dieter Hüsch, Karl Riha, Max Goldt, Franzobel, Ingomar von Kieseritzky, Peter Bichsel, George Tabori, Franz Hohler, Eugen Egner, Ror Wolf, Katja Lange-Müller, Gerhard Polt, F.W. Bernstein, Peter Rühmkorf, Herbert Achternbusch und Thomas Kapielski.

 

Den gleichzeitig vergebenen „Förderpreis Komische Literatur“ in Höhe von 3000 Euro, gefördert von der Kasseler Sparkasse, erhielten bislang Frank Schulz, Jochen Schmidt, Tilman Rammstedt, Jess Jochimsen, Philipp Tingler, Michael Stauffer, Rebekka Kricheldorf und Jan Neumann. Die Entscheidung, wer 2012 ausgezeichnet wird, wird in Kürze bekannt gegeben.

 

Die Stiftung Brückner-Kühner

wurde von den Schriftstellern Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner ins Leben gerufen, die 30 Jahre zusammen in Kassel lebten und dort 1996 kurz nacheinander verstarben. Die Stiftung wirkt heute als Literaturzentrum auf den Gebieten des Komischen und der international avancierten Poesie, und sie unterhält das Dichterhaus Brückner-Kühner als Literaturmuseum, um von hier aus die Erinnerung an das Stifterpaar wach zu halten.

Dem Stiftungsrat gehören folgende Personen an: der Literaturprofessor Dr. Walter Pape (Vorsitzender, Köln), die Literaturkritikerin Dr. Ina Hartwig (Frankfurt am Main), die Lektorin Dr. Renate Jakobson (Berlin), der Autor Ingomar von Kieseritzky (Berlin), der Literaturwissenschaftler und Autor Christian Maintz (Hamburg), der Übersetzer Harry Rowohlt (Hamburg) sowie Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter der literaturWERKstatt Berlin. Geschäftsführender Kurator der Stiftung ist der Literaturwissenschaftler Dr. Friedrich W. Block.

 

Näheres zum Engagement der Literaturstiftung unter www.brueckner-kuehner.de.

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