Komm-In: Projekt fördert Entwicklung von Kindern
06.09.2011 | Herten
Bestandsaufnahme zur Kindergesundheit in der Region
Hat das Kind ein Verständnis für Zahlen? Wie bewegt es sich und wie gut spricht es? Diese Punkte stehen unter anderem auf dem Plan der Schuleingangsuntersuchungen. Eine städteübergreifende Auswertung hat nun ergeben: Jedes dritte Kind hat bei den Eigenschaften, die für die Einschulung wichtig sind, einen besonderen Förderbedarf. Kinder mit Migrationshintergrund sind stärker betroffen, dort liegt die Quote bei über 40 Prozent.
Das kürzlich abgeschlossene Projekt ist Teil des landesweiten Förderkonzepts „Komm-In“. Grundlage der Untersuchung ist eine gemeinsame Bestandsaufnahme zur Kindergesundheit in der Region, insbesondere mit Blick auf die Kinder mit Zuwanderungsgeschichte. Daran beteiligt waren die Stadt Herten, stellvertretend für den Kreis Recklinghausen, die Städte Bochum, Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit NRW. Zwischen Juni 2010 und Mai 2011 wurden die Untersuchungsergebnisse von 11.000 Kindern erhoben.
Das Projektteam stellte zu Anfang der Untersuchung die These auf, dass soziale Einflüsse sich auf die körperliche und seelische Gesundheit auswirken. Und die Ergebnisse bestätigen die These: Förderbedürftige Kinder kommen zumeist aus bildungsarmen Familien. Oft spielt Arbeitslosigkeit bei den Eltern eine Rolle, häufig auch eine Zuwanderungsgeschichte. Diese Kinder leiden in vielen Fällen an Übergewicht und liegen in ihrer visuellen, sprachlichen und motorischen Entwicklung zurück. Außerdem nehmen ihre Eltern seltener mit ihnen an den empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen teil.
Die konkreten Zahlen für Herten liegen bislang noch nicht vor, sollen aber zeitnah im Ausschuss für Schule und Jugend vorgestellt werden. Ausgewertet wird die Statistik durch das Kreisgesundheitsamt. Delia Temmler, Leiterin des Bereiches Bildungsplanung bei der Stadt Herten, kann schon vorweggreifen: „Von den rund 1500 Hertener Kindergartenkindern haben 20 Prozent einen erhöhten Sprachförderbedarf. In Herten gibt es bereits seit 2001 in allen Kindergärten Sprachförderunterricht.“ Diese Ergebnisse seien messbar. „Unser Sprachförderkonzept hat sehr gute Erfolge. Die Studie belegt noch einmal, dass die sprachlich geförderten Kinder bei der Einschulung eine höhere Sprachkompetenz besitzen.“
Mit dem Entwicklungskonzept „Arbeit, Bildung, Teilhabe“ stellt die Stadt den Anspruch an sich, jedes Kind von Geburt an bis hin zum Berufseinstieg zu fördern. Zum einen geschieht das durch das landesweite Programm „Delfin 4“, mit dem auf spielerische Art und Weise die Sprachkompetenz von Vierjährigen untersucht wird. Zum anderen gibt es spezielle Förderkräfte, die in den Grundschulen Sprachmängel beheben sollen.
Vorzeigecharakter hat auch das Projekt „Ein Quadratkilometer Bildung“ im Hertener Süden. Um die Gemeinschaftsgrundschule In der Feige wurde ein Netzwerk geschaffen, das am Bildungserfolg der Kinder im Stadtteil arbeitet. Dazu gehören unter anderem sogenannte „Förderscouts“ für die persönliche Begleitung, Kinderkurse, die das oft fehlende Grundlagenwissen vermitteln, Kochkurse für eine gesunde Ernährung und auch Deutschunterricht für Eltern.
Dieses und weitere Projekte haben die teilnehmenden Städte in mehreren Sitzungen besprochen. Dabei wurden an vielen Stellen schon erste Verbesserungsvorschläge deutlich, gemeinsam konnten erste Beobachtungs- und Handlungsansätze entwickelt werden. Alle Daten und Ergebnisse wurden in Form einer Broschüre („Schritte zur Verbesserung der Gesundheit und Entwicklung von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte“) zusammengefasst.
Das Projekt lief von Juni 2010 bis Mai 2011 und wurde vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Landesprogramms zur innovativen kommunalen Integrationsarbeit „Komm-In NRW“ gefördert. Die beteiligten Städte wollen auch in der Zukunft diesen Weg gemeinsam weitergehen.
Weiterführende Informationen:
http://www.integration.nrw.de/projekte_konzepte/Integration_Allgemein/KOMM-IN_NRW/index.php
Pressekontakt: Pressestelle, Ramona Hoffmann (Volontärin) Telefon (0 23 66) 30 32 27 E-Mail: r.hoffmann@herten.de



