28. Oktober 2011. Seine Publikation „Das große Ganze im Auge behalten“ über Philipp Scheidemann als Oberbürgermeister von Kassel (1920 – 1925) hat jetzt der Autor Dr. Walter Mühlhausen im gut besuchten Stadtverordnetensaal des Rathauses vorgestellt. In seinem Werk geht Dr. Mühlhausen, gleichzeitig Geschäftsführer der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg, speziell der Frage nach, wo die Verdienste und wo die Grenzen von Philipp Scheidemann als Stadtoberhaupt von Kassel liegen. Dabei wird dieser in seiner Funktion vor dem Hintergrund der eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten in dramatischer Zeit präsentiert. Die politische Szenerie war zerfasert und die Republik nicht von allen anerkannt, ja sogar von vielen bekämpft. Das Buch ist eine biografische Teilstudie und liefert zugleich einen Beitrag zu der bislang nur wenig beleuchteten Geschichte Kassels in der Weimarer Republik. Es bietet insgesamt einen exemplarischen Blick auf die Historie der Kommunalpolitik in der Zwischenkriegszeit.
„In Kassel dürfte das Werk nicht nur wegen der allgemeinen Bekanntheit Scheidemanns registriert werden, sondern auch, weil eine der interessantesten Personen der Stadtgeschichte dargestellt wird“, sagte Bürgermeister Jürgen Kaiser, der die Veranstaltung eröffnete. Im Anschluss führte der Leiter des Staatsarchivs Marburg, Dr. Andreas Hedwig - zudem Vorsitzender der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck sowie Mitglied der Landtagskommission für das Arbeitsvorhaben „Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen“ -, in das Werk ein. Auf seinen Vorschlag hin hat die Historische Kommission das Werk verlagstechnisch betreut, die Landtagskommission hat die Veröffentlichung in die Reihe aufgenommen sowie finanziell gefördert.
Das Buch „Das große Ganze im Auge behalten“. Philipp Scheidemann. Oberbürgermeister von Kassel (1920 – 1925) ist ab sofort im Buchhandel (ISBN: 978-3-942225-11-3) erhältlich.
Nähere Informationen zum Buch:
Nach seiner Wahl durch die sozialdemokratische Mehrheit in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung im Januar 1920 übernimmt Philipp Scheidemann - führender SPD-Politiker und Mitbegründer der Weimarer Republik - das Amt des Oberbürgermeisters seiner Heimatstadt. Doch bereits im Vorfeld seiner Wahl gab es erhebliche Widerstände gegen Scheidemann, es entflammte eine nicht immer fair ausgetragene Auseinandersetzung um seine Person, die das politische Klima in Kassel nachhaltig erschütterte und seine Amtszeit überschattete.
In den Anfangsjahren der Weimarer Republik leiden besonders Städte und Gemeinden unter den Folgelasten des mehr als vierjährigen, verlorenen Weltkrieges. Inflation, soziale und wirtschaftliche Zwangslagen prägen das Bild. Auch Kassel steht am Rande des Bankrotts, was eine planvolle Kommunalpolitik im Sinne sozialdemokratischer Reformen nahezu unmöglich macht. Trotz katastrophaler Ausgangssituation und belastbarer Rahmenbedingungen gelingt es in Scheidemanns Amtszeit, Wegbereitendes auch auf sozialem Gebiet zu realisieren. Doch nach dem Verlust der sozialdemokratischen Mehrheit im Stadtparlament im Mai 1924 gibt er zum 30. September 1925 sein Amt auf – angefeindet, verleumdet, amtsmüde und gesundheitlich angeschlagen.
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Buchvorstellung im Kasseler Rathaus
Im Bild von links: Dr. Andreas Hedwig, Kulturamtsleiterin Dorothée Rhiemeier, Bürgermeister Jürgen Kaiser und Autor Dr. Walter Mühlhausen. (c)Stadt Kassel; Bild: Soremski
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