Kreis Steinfurt. Die Anhänger der anthroposophischen Medizin möchten zwischen der Naturheilkunde, der Homöopathie und anderen alternativen Behandlungsformen eine Brücke bilden. Daher raten sie häufig auch vom Impfen ab. Die Kinderkrankheiten werden als wichtige Meilensteine in der Entwicklung einer Persönlichkeit betrachtet. Sie glauben, dass durch den Impfverzicht die Widerstandskräfte der Kinder gegenüber späteren Krankheiten, inklusive Krebs, erhöht würden.
Das Gesundheitsamt des Kreises Steinfurt hält dies für falsch. Amtsleiter Dr. Detlef Schmeer weist darauf hin, dass keine wissenschaftliche Studie Entwicklungsunterschiede zwischen geimpften und nicht geimpften Kindern belegen konnte. „Kinderkrankheit bedeutet nicht, dass die Krankheit harmlos ist, sondern nur, dass sie bevorzugt im Kindesalter auftritt“, so Schmeer. Er erinnert daran, dass gerade die Masern häufig eine schwer verlaufende Krankheit sind, die zum Teil schwere Komplikationen wie Lungenentzündung, Mittelohrentzündung und Gehirnentzündung mit sich bringen. In Einzelfällen könne es zu bleibenden geistigen und körperlichen Behinderungen führen.
Leider kommt es zum Beispiel in anthroposophischen Einrichtungen mit geringen Impfraten immer wieder zu Masern-Ausbrüchen mit zum Teil über 100 und mehr Erkrankten. Im Jahr 2010 erkrankten in Deutschland insgesamt 406 Patienten an Masern. Die meisten dieser Patienten waren nicht geimpft.
Schmeer weist auch darauf hin, dass selbst Erwachsene, die als Kinder nicht geimpft worden sind, später die Krankheit übertragen und damit ungeschützte Personen anstecken können.
Er empfiehlt deshalb allen Eltern, ihre Kinder umfassend im Rahmen der üblichen Vorsorgeuntersuchungen impfen zu lassen.
Pressekontakt: Silke Wesselmann, Tel.: 02551/ 69-2167