Leer. Wirtschaftsförderung ist längst mehr als Straßen zu bauen oder Gewerbegebiete zu erschließen. Hinter einer modernen Wirtschaftsförderung verbergen sich gleichrangig Familienstützpunkte, Ferienbetreuung, Tagesmütter, Fachkräfte-Service, Demographie-Lotsen, gute Schulen, Theater oder Konzerte. Landrat Bernhard Bramlage sagt im Jahresrückblick 2011: „Wir brauchen einen bunten Strauß aus den so genannten harten und weichen Faktoren. Nur so bleibt unser Landkreis konkurrenzfähig und wird noch attraktiver, nur so binden wir den qualifizierten Nachwuchs und locken Fachkräfte von außen.“
Leer arbeitet weiter daran, seinen Ruf als familienfreundlicher Landkreis zu polieren. Ein großer Schritt sind die Familienstützpunkte. Städte, Gemeinden und Landkreis arbeiten Hand in Hand, um in jeder Kommune eine solche Dienstleistungs-Drehscheibe in Schwung zu bringen. Drehscheibe deshalb, weil sie Anbieter und Nachfragende zueinander bringt. Weil dies nur dezentral klappt, verstreuen sich die Familienstützpunkte über das gesamte Kreisgebiet, immer gut erreichbar, meistens in den Rathäusern, mindestens in unmittelbarer Nachbarschaft.
Die Mitarbeiter in den Familienstützpunkten ähneln Lotsen, die Ratsuchenden den Weg zu den passenden Unterstützungsangeboten zeigen – persönlich oder am Telefon. Immer mehr Frauen und Männer müssen oder wollen Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Landkreis und Kommunen bauen deshalb mit Hochdruck die Kindergärten und Schulen zu Ganztags-Einrichtungen aus und richten Krippen ein. Viele Eltern brauchen aber auch Betreuungs-Fachkräfte für ihre Kinder oder für pflegebedürftige ältere Familienangehörige. Landrat Bramlage: „Wir knüpfen für diese Fälle unser Angebotsnetz immer enger. Die Familienstützpunkte gehören dazu. Ergänzt um eine familienfreundliche Unternehmenskultur ist der Landkreis auf gutem Weg.“
- Kindertagespflege ein Dreh- und Angelpunkt
Der Landkreis setzt weiter auf die Kindertagespflege, die sich vorwiegend an Kinder unter drei richtet. Dreh- und Angelpunkte sind Tagesmütter mit hoher pädagogischer Qualität. Diese Qualität hat ihren Preis. Deshalb hat der Kreistag den Förderbeitrag des Landkreises für Kindertagesbetreuung auf 3,60 Euro pro Tag angehoben, was im Haushalt des Landkreises eine Mehrausgabe von 80.000 Euro bedeutet. Davon profitieren 110 Kinder und mehr als 70 Tagesmütter. Eltern müssen nicht mehr als bisher bezahlen.
Tagesmütter mit einer besonderen Ausbildung nach Richtlinien des Deutschen Kinderinstituts erhalten mehr Geld. Und wer zwischen 18 und 23 Uhr und zwischen fünf und acht Kinder unter seine Obhut nimmt, bekommt zusätzlich einen Bonus. Bramlage: „Das ist ein deutliches Zeichen, dass wir es mit einer qualifizierten Kinderbetreuung ernst meinen.“
Gesichert ist auch die Ferienbetreuung im Jahr 2012. Sie wird sich nicht nur wie bisher auf die Sommerferien beschränken, sondern auf Oster- und Herbstferien ausgeweitet. „Dieser Sommer hat gezeigt, dass der Bedarf wächst“, sagt Jutta Fröse, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Leer. Eltern zahlen für einen Vormittags- oder Nachmittagsplatz zwischen 20 und 40 Euro pro Kind und Woche, ganztägig kostet es zwischen 30 und 80 Euro. Wer 2012 in den Ferien einen Betreuungsplatz für sein Kind sucht, sollte sich schon jetzt bei einem Familienstützpunkt anmelden.
- Mit Stipendien gegen Ärztemangel
Ein Stück Wirtschaftsförderung sind auch die 2011 erstmals ausgeschriebenen Stipendien für junge Menschen, die Arzt werden möchten. Damit leistet der Landkreis langfristig einen Beitrag gegen den sich abzeichnenden Ärztemangel. Bis zunächst 2014 zahlt der Landkreis für jeweils fünf Medizin-Studenten ein Stipendium. Deren Gegenleistung: Nach dem Examen müssen sie mindestens drei Jahre im Landkreis als Arzt arbeiten.
- „Junge Karrieren im Landkreis Leer“
Der Kampf um kluge Köpfe zwischen den Regionen ist längst entbrannt. Gemeinsam mit der Wachstumsregion Ems-Achse e.V. unterstützt der Landkreis Unternehmen und junge Menschen, Fachkräfte bzw. interessante Arbeitsplätze zu finden. Als Medium dient der Newsletter „Junge Karrieren im Landkreis Leer“. Zusätzlich unterstützt der Landkreis diese Initiative mit seiner Fachkräfte-Servicestelle, die im Amt für Wirtschaftsförderung angesiedelt ist. Ihre Aufgabe: Fragen zu beantworten nach Wohnungsmarkt, Freizeit, Kinderbetreuung oder Jobs für den Partner. Ein weiterer Service des Landkreises sind elf Demographie-Lotsen mit verschiedenem beruflichen Hintergrund. Sie beraten Unternehmen über Auswirkungen und Chancen des demographischen Wandels.
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