Hans-Georg Moldenhauer trug sich in das Goldene Buch der Landeshauptstadt Magdeburg ein
„Mann des Fußballs“ zu Gast im Alten Rathaus
Dr. Hans-Georg Moldenhauer, im vergangenen November 70 Jahre alt geworden, verewigte sich heute im Goldenen Buch der Landeshauptstadt Magdeburg. Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper begrüßte den ehemaligen Torhüter und Torwarttrainer des 1. FC Magdeburg und heutigen Ehrenvizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes und würdigte seine Verdienste um den Sport.
„Mit der heutigen Eintragung verewigte sich ein überaus erfolgreicher Sportler und Sportfunktionär im Goldenen Buch unserer Stadt“, betonte Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper im Rahmen der Ehrung. „Das ist selbst für eine ausgesprochene Sportstadt wie Magdeburg etwas Besonderes.“
Dr. Hans-Georg Moldenhauer hat als Torhüter und Torwarttrainer beim 1. FC Magdeburg über viele Jahre die Magdeburger Sportgeschichte mitgeprägt. Nach der politischen Wende engagierte er sich im Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes sowie als Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes. In diesen Funktionen gestaltete er in den vergangenen zwei Jahrzehnten viele historische Momente des organisierten Fußballs in Deutschland mit. Dazu zählt unter anderem der schnelle Zusammenschluss mit dem DFB, den er maßgeblich vorangetrieben hat. In Anerkennung seiner herausragenden Verdienste wurde er bereits im Oktober 2010 zum Ehrenvizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes ernannt.
Der am 25. November 1941 in Senst bei Wittenberg geborene Moldenhauer begann seine sportliche Laufbahn 1954 bei der Betriebssportgemeinschaft Motor Mitte Magdeburg, aus deren Fußballmannschaften noch während seiner aktiven Zeit erst eine Sektion des SC Aufbau Magdeburg und später der 1. FC Magdeburg entstand. Mit zwölf Jahren spielte er in der Schülermannschaft, zunächst als Mittelfeldspieler. Erst, als Handballspieler versuchten, ihn in ihre eigenen Reihen abzuwerben, überredete ihn sein damaliger Trainer, es als Fußballtorwart zu versuchen. Dort bewies er seine tatsächliche Begabung.
In die Juniorenmannschaft des SC Aufbau aufgerückt, zeigte er schnell so zuverlässige Leistungen, dass die Verantwortlichen für die Junioren-Nationalmannschaft der DDR auf ihn aufmerksam wurden. Am 27. März 1960 wurde er zum ersten Mal in einem Länderspiel der Juniorenauswahl eingesetzt und stand auch in den folgenden vier Länderspielen im Tor der DDR-Junioren. Insgesamt bestritt er sechs Junioren-Länderspiele.
Nach einigen Jahren als Reservetorwart hinter Nationaltorhüter Wolfgang Blochwitz rückte er nach dessen Wechsel zum FC Carl Zeiss Jena mit der Saison 1966/67 in die Stammelf der Magdeburger auf. In den Spielzeiten 1969/70 und 1970/71 verlor er jedoch seine Position als Stammtorhüter an den jungen Ulrich Schulze.
Mit inzwischen fast 30 Jahren und aufgrund anderer beruflicher Perspektiven trat er zum Ende der Saison 1970/71 aus der Oberligamannschaft des 1. FCM zurück.
Neben seiner fußballerischen Betätigung studierte Moldenhauer an der Technischen Universität Magdeburg Maschinenbau und promovierte später sogar als Dr.-Ing. im Bereich Schwermaschinen- und Anlagenbau. Nach seiner Spielerlaufbahn arbeitete er als Maschinenbauingenieur in verantwortlicher Stellung im Magdeburger Schwermaschinenbaukombinat (SKET). Moldenhauer blieb jedoch Mitglied des 1. FC Magdeburg und wurde dort 1975 nebenberuflich Torwarttrainer. Später wurde er in den Vorstand des Klubs gewählt.
Als es nach der politischen Wende von 1989 um die Frage der Zukunft des DDR-Fußballs ging, stellte sich Moldenhauer an die Spitze der Befürworter eines schnellen Anschlusses an den bundesdeutschen Fußballbund. In einer Kampfabstimmung wurde er am 31. März 1990 zum letzten Präsidenten des DDR-Fußballverbandes gewählt. In dieser Funktion leitete er den Zusammenschluss mit dem DFB ein, der am 20. November 1990 vollzogen wurde.
Moldenhauer wurde zum Vizepräsidenten des DFB gewählt und übernahm die Verantwortung für die Trainerausbildung und Talenteförderung. In diesem Zusammenhang wurde er auch Vorsitzender des Trägervereins für das Bundesleistungszentrum in Kienbaum. Zugleich wurde er als Präsident des neu gegründeten Nordostdeutschen Fußballverbandes gewählt. Von 1994 bis 2006 war er Vizepräsident des Deutschen Sportbundes. Im Oktober 2010 wurde er zum Ehrenvizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes ernannt.
Hintergrundinfos zum Goldenen Buch der Landeshauptstadt Magdeburg
Das Goldene Buch der Stadt gibt es seit 1931. Eingerichtet wurde es während der Amtszeit von Oberbürgermeister Hermann Beims. Mitglieder des Magistrats trugen sich am 10. Mai 1931 als Erste in das Buch ein.
Die Einträge aus der Zeit zwischen 1931 und 1949 sind nicht mehr auffindbar. Von 1949 bis 1985 gab es ein Erinnerungsbuch, in das sich Gäste der Stadt eintrugen. Seit 1985 wird das Goldene Buch in der Tradition von 1931 weitergeführt. Der Eintrag ist eine besondere Ehrung für Personen, die die Stadt besuchen oder sich in besonderer Weise um Magdeburg verdient gemacht haben.
Zu den Persönlichkeiten, die sich im Goldenen Buch eingetragen haben, gehören Politiker wie die früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Johannes Rau, die langjährigen Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl und Gerhard Schröder, die ehemaligen Präsidenten des Deutschen Bundestages Prof. Dr. Rita Süßmuth und Wolfgang Thierse, frühere oder heutige Bundesminister wie Hans-Dietrich Genscher, Theo Waigel und Wolfgang Tiefensee, ehemalige Ministerpräsidenten wie Gerhard Glogowski, Oskar Lafontaine und Wolfgang Böhmer sowie zahlreiche Botschafter aus der ganzen Welt.
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