Partnerschaft mit Harbin soll weiter ausgebaut werden
Ständiges Büro der Landeshauptstadt in China geplant
Der Beigeordnete für Kommunales, Umwelt und allgemeine Verwaltung, Holger Platz, hat die Ergebnisse der jüngsten Reise einer Magdeburger Delegation in die chinesische Partnerstadt vorgelegt. Unter seiner Leitung waren Vertreter des Stadtrates und der Stadtverwaltung Anfang Januar auf Einladung der Stadtregierung Harbin zum Internationalen Eis- und Schneefestival gereist. Die Veranstaltung mit tausenden frostig leuchtenden Skulpturen und Bauwerken zieht jährlich Besucher aus aller Welt an.
Teilnehmer der Delegation waren die Stadträte Dr. Helmut Hörold (FDP), Bernd Heynemann (CDU), Jens Hitzeroth (SPD) und Frank Theile (Linke) sowie Ralf Steinmann von der Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH (MMKT) und Melanie Diedrich vom städtischen Wirtschaftsdezernat. Zu den offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten des Eisfestivals waren neben der Delegation aus Magdeburg auch Vertreter der anderen insgesamt über 30 Partnerstädte Harbins anwesend.
Anlass für die Einladung nach Harbin war diesmal neben dem weltberühmten Eisfestival auch eine Vorbereitungskonferenz zur Gründung einer „World Ice and Snow Organisation“. Dort waren alle Partnerstädte Harbins vertreten. Die Organisation soll den Mitgliedern künftig die Vermarktung, den Austausch und die Förderung von Tourismusprojekten erleichtern, speziell – aber nicht ausschließlich – im Bereich Wintertourismus.
In Anwesenheit der zahlreichen ausländischen Gäste wurde außerdem die „Harbin International Business Platform“ feierlich eröffnet. Das moderne Bürogebäude steht auf dem Gelände der Harbin High Tech Zone in unmittelbarer Nähe zum Harbiner Rathaus. Den Partnerstädten wird hier die Besetzung eines ständigen Büros zur Bündelung ihrer internationalen Kontakte sowie zur eigenen Interessenvertretung in allen Bereichen des bilateralen Austausches ermöglicht. In den ersten drei Jahren können die Partner das Büro mietfrei nutzen, hieß es dazu aus dem Außenamt in Harbin.
Den mehrtägigen Aufenthalt in Harbin nutzen die Magdeburger Delegationsmitglieder für Gespräche mit Vertretern der Harbiner Stadtregierung über künftige städtepartnerschaftliche Aktivitäten. Delegationsleiter Holger Platz sagte zu, dass die Landeshauptstadt Magdeburg sowohl ein ständiges Büro in Harbin besetzen wolle als auch die Gründung der World Ice and Snow Organisation unterstütze. Genaue Bedingungen hierfür müssten allerdings erst noch geklärt werden.
Ralf Steinmann von der MMKT sprach mit Jiang Houyu, dem stellvertretenden Leiter des Harbiner Tourismusbüros, über Kooperationsmöglichkeiten im Bereich Tourismus. Hierzu war bereits während der ersten Harbiner Unternehmertage in Magdeburg im April 2011 ein Rahmenabkommen vereinbart worden.
Gemeinsam möchte man den Magdeburgern in Zukunft die Möglichkeit für Reisen nach Harbin anbieten. Die Detailplanung hierfür wird wahrscheinlich ein Magdeburger Reisebüro übernehmen. Auch wird in Kürze ein Imagefilm über Harbin unter www.magdeburg-tourist.de zu sehen sein. Im Gegenzug darf sich die Landeshauptstadt ebenfalls mit einem Imagetrailer auf den Harbiner Webseiten vorstellen.
Auch die Zusammenarbeit auf akademischer Ebene könnte bald Gestalt annehmen. Vertreter der Technischen Universität in Harbin haben in einem Gespräch mit Delegationsmitgliedern großes Interesse an Kooperationen mit der Otto-von-Guericke-Universität sowie der Hochschule Magdeburg – Stendal im Bereich Lehrer- und Studentenaustausch signalisiert.
Ein Treffen mit Yang Zhe vom Harbiner internationalen Kooperationszentrum für Wissenschaft und Technologie ergab, dass hier vor allem Kooperationspartner in Magdeburg und Umgebung in den Bereichen Förderanlagen und Automobilzulieferung gesucht werden.
Insgesamt zeigte sich die chinesische Seite angetan von den zahlreichen Aktivitäten und dem großen Engagement der Magdeburger. So unterstützte das Internationale Büro für Wirtschaftsförderung dieses Jahr auch die vierfache Weltmeisterin im Eisklettern, Ines Papert, bei ihrem spektakulären Kletterprojekt in der Eiswelt Harbins.
Harbins Vizebürgermeister Jiao Yuanchao sprach auch über bevorstehende Aktivitäten: Im März wird abermals eine hochkarätige Delegation aus der Partnerprovinz Heilonggjiang in Magdeburg erwartet. Mit dabei sind Vertreter der Provinzregierung sowie der wichtigsten Städte der Region.
Unter der Leitung des Wirtschaftsbeigeordneten Rainer Nitsche wird die Landeshauptstadt Magdeburg im Rahmen der im Juni 2012 stattfindenden Harbin Fair die Schirmherrschaft für das Forum „Grüne Stadt-Modelle. Beispiele grüner Stadtplanung, grüne Bau- und Sanierungsarbeiten, grüne kommunale Energieversorgung“ übernehmen. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zahlreicher deutscher Städte werden hier die jüngsten Entwicklungen und Projekte im Bereich „grüne Stadtentwicklung“ vorstellen. Magdeburg plant die Präsentation seines bundesweit anerkannten Projektes „Landeshauptstadt Magdeburg – energieeffiziente Modellstadt für erneuerbare Energien“ und wird hierzu Vertreter beteiligter Wissenschafts- und Hochschuleinrichtungen sowie Unternehmen einladen.
Hintergrund
Die Städtepartnerschaft mit Harbin hat 2011 einmal mehr an Dynamik und Intensität gewonnen. Neben Wirtschaftsaktivitäten sind inzwischen auch andere Bereiche Gegenstand des Austauschs. So besuchten erst im Dezember des vergangenen Jahres Vertreter für Grundstücks- und Liegenschaftsangelegenheiten der Harbiner Stadtverwaltung Magdeburg und besichtigten u. a. das Technikmuseum. In Harbin wie auch in Magdeburg stehen die Stadtverwaltungen vor ähnlichen Fragen in Bezug auf ihr Industrieerbe und die Nachnutzung industrieller Altstandorte. Hier erwartete sich die chinesische Delegation nützliche und interessante Anregungen von der Deutschlandreise. Anfang Dezember informierten sich dann Stadtplaner aus der Partner-Provinz Heilongjiang und verschiedenen Kommunen wie Harbin, über die jüngsten städtebaulichen und stadtplanerischen Entwicklungen der Stadt.
Im November 2011 wurde im Rahmen einer Delegationsreise des Landes Sachsen-Anhalt eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem 1. Krankenhaus in Harbin (First Hospital in Harbin) und dem Neurologischen Rehabilitationszentrum (NRZ) der Median Klinik in Magdeburg unterzeichnet. Angestrebt wird ein Erfahrungsaustausch zu Fragen der Behandlung von Schlaganfällen, Rehabilitationsmethoden und den damit verbundenen neurowissenschaftlichen Themen. In regelmäßigen Kontakten wollen sich die Mediziner gegenseitig über westliche und traditionelle chinesische Methoden informieren. Diese Übereinkunft ist ein Grundstein für eine medizinische Informationsplattform, die in den nächsten Jahren ausgebaut werden soll.
Des Weiteren nahmen Vertreter des Außenamtes der Stadt Harbin am 1. Städtepartnerschaftskongress der Landeshauptstadt im Oktober 2011 teil, auf dem auch 16 junge Magdeburger von ihren Erlebnissen und Eindrücken während eines Aufenthaltes in Harbin im September dieses Jahres berichteten. Im Juli dieses Jahres erwarten sie ihre chinesischen Freunde nun zum Gegenbesuch in Magdeburg.
Im April 2011 weilte eine große Delegation von Stadtvertretern und Unternehmern unter Leitung des Vize-Bürgermeisters von Harbin Jiao Yuanchao für drei Tage in Magdeburg. Sie startete konkrete Kooperationen in den Bereichen Berufsausbildung und Weiterbildung, Gesundheitswirtschaft, Tourismus, Logistik usw. Im Juni 2011 wurden in Harbin Kooperationsmöglichkeiten zwischen dem hiesigen Fraunhofer Institut und dem dortigen Logistikpark Longyun im Bereich Logistik besprochen, die bei einem Besuch hier in Magdeburg in diesem Jahr weiter konkretisiert werden sollen.
Hinweis für die Medien: Nachfolgend finden Sie einen Bericht über die vierfache Weltmeisterin im Eisklettern, Ines Papert, bei ihrem spektakulären Kletterprojekt in der Eiswelt Harbins. Das städtische Wirtschaftsdezernat hatte die Kontakte zwischen der Sportlerin der Stadt Harbin vermittelt.
Eiskalte Leidenschaft
Ines Papert klettert beim Ice – and Snowfestival in Harbin, China
8 Uhr morgens. Minus 30 Grad. Keine Menschenseele ist in der Eiswelt. Laut knirscht der Schnee unter ihren Füßen während sie sich aufwärmt. Schließlich legt sie Hand ans Eis. Das erste Eisgerät sitzt. Es folgt das zweite. Es zischt, wenn sie ihre Steigeisen ins Eis setzt und kleine Risse an der Oberflächliche entstehen. Beim Eindrehen der Eisschrauben hört man ein lautes Surren. Das Eis ist hart wie Beton. Man kann es hören.
Bergsteigerin Ines Papert aus Bayerisch Gmain reiste Anfang Januar nach Harbin, China, der Partnerstadt Magdeburgs, um in der Stadt aus Eis zu klettern. Nördlicher als Wladiwostok gelegen, fällt in der chinesischen Millionenstadt das Thermometer in den Wintermonaten konstant auf unter minus 25 Grad. Anstelle sich von der Kälte lahm legen zu lassen, zelebriert man in der Hauptstadt der Provinz Heilongjiang (dt.: Mandschurei) die tiefen Temperaturen. Seit 1985 findet in Harbin jährlich das internationale Eis- und Schneefestival statt. Auf einem Areal so groß wie 16 Fußballfelder lassen mehr als 12.000 Arbeiter innerhalb von drei Wochen eine Wunderwelt aus Eis entstehen. Die gigantischen Türme, beeindruckenden Paläste, Brücken, Eisrutschen und spektakulären Kathedralen werden aus einzelnen Eisblöcken bzw. -ziegeln gebaut. Gewonnen werden diese aus dem zugefrorenen Songhua Fluss, der die Stadt in ein Nord- und Südufer teilt. Auch Sun-Island, Harbins Sommer-Erholungspark, transformiert in den Wintermonaten und verwandelt sich anlässlich des Festivals in die so genannte Snow-World, in der internationale Schneekünstler gigantische Skulpturen aus Schnee kreieren.
„Als mich vor einem Jahr eine befreundete Journalistin fragte, ob ich mir vorstellen könnte, an den gigantischen Gebäuden aus Eis zu klettern, fand ich die Idee vorerst verwegen“ so Papert. Allerdings hätten sie die fantastischen Bilder aus der Eiswelt auch extrem neugierig gemacht. Als sie schließlich aus Harbin erfuhr, dass es noch nie eine derartige Anfrage gab, machte das die Sache zwar reizvoller, aber zugleich auch schwierig.
Die Veranstalter nämlich fanden die Idee zwar grundsätzlich gut, meldeten aber zugleich große Bedenken an. Würden die Eisgeräte Schaden an den Gebäuden anrichten? Ist die Sicherheit der Athletin auch gewährleistet? Nach einem Jahr mühsamer Vorbereitung und Überzeugungsarbeit waren alle Zweifel beseitigt und Ines Papert erhielt die offizielle Genehmigung als erste Sportlerin an den Eisgebäuden Harbins zu klettern.
Nicht zuletzt deshalb, weil Frau Dr. Gundula Henkel aus dem internationalen Büro für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Magdeburg das Projekt von Anfang an unterstützte und erste Kontakte nach Harbin herstellte. Anlässlich der Eröffnung des Ice-and Snowfestivals 2012 in Harbin traf Ines Papert schließlich bei einem Bankett sogar auf eine Delegation aus Magdeburg und zeigte sich begeistert: „Nach der etwas zähen Kommunikation vorab, bin ich mit relativ geringen Erwartungen nach Harbin gefahren bzw. wusste nicht genau, was auf mich zukommt. Insofern war ich natürlich sehr glücklich über die positiven Reaktionen. Sowohl beim Veranstalter als auch den Festivalbesuchern kam meine Eiskletteraktion sehr gut an. Vor allem die Night-Sessions waren richtig gut besucht. Mein Dank geht nach Magdeburg für die tolle Unterstützung.“
Für die viermalige Weltmeisterin im Eisklettern war das Projekt natürlich keine besonders anspruchsvolle sportliche Herausforderung. Die Reise nach Harbin war eher ein sportkulturelles und vor allem urbanes Projekt: „Eisklettern mitten in einer 9-Millionenstadt im hohen Norden Chinas? Das war verrückt und sehr spannend. Es gab viele tolle Erlebnisse und intensive, zum Teil richtig rührende Begegnungen. Die chinesische Gastfreundschaft hat mich enorm beeindruckt. Das hatte ich so nicht erwartet. Man ist uns mit offenen Armen und einer großen Neugierde begegnet.“
Das Ergebnis der ungewöhnlichen Städtereise sind wunderschöne Kletterimpressionen aus der Kälte, spannende Begegnungen und eine Freundschaft mit Zukunft. „Andes“, Kang Hua, Bergführer aus Peking, war nicht nur Paperts Sicherungspartner, sondern in der Planung vorab ein wichtiges Teammitglied. Über ihn lief die finale Kommunikation zwischen Deutschland und China: „Andes und ich haben uns von Anfang an super verstanden und planen in naher Zukunft ein gemeinsames Projekt in China anzugehen. China hat, was Bergsteigen und Eisklettern betrifft, noch großes, unentdecktes Potential. Meine erste Reise nach China war spannend, überraschend und intensiv.“
Beim nächsten Mal, so die 37-jährige Sportlerin, möchte sie allerdings gemeinsam mit Andes auf einem richtigen Gipfel stehen.
Text: Johanna Stöckl
Fotos dazu liefert gerne: Franz Walter, visualimpact.ch
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