06. April 2012. Anlässlich des sechsten Jahrestages der Bluttat hat Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen am Karfreitag in einer öffentlichen Gedenkveranstaltung, an der rund 400 Menschen teilnahmen, des von Neonazis in Kassel ermordeten Halit Yozgats gedacht. Im Beisein der Familie Yozgat und des türkischen Generalkonsuls Ilhan Saygili legte er am Ort des Geschehens in der Holländischen Straße Blumen zur Erinnerung an den Ermordeten nieder.
Halit Yozgat könne noch leben, wenn die Zusammenhänge früher erkannt worden wären, sagte der Oberbürgermeister nach einer Schweigeminute. Es sei beschämend, dass die Mordserie der Neonazis über zehn Jahre nicht erkannt worden sei. Stattdessen seien die Angehörigen zum Teil jahrelanger polizeilicher Ermittlungen ausgesetzt gewesen. „Können wir auch nur ansatzweise ermessen, was die falschen Verdächtigungen und die jahrelange Ungewissheit für die Familien bedeutet haben müssen?“, fragte der Oberbürgermeister.
Hilgen zog Parallelen zwischen der Neonazi-Mordserie und zwei anderen historischen Verbrechen in Kassel. Am Karfreitag 1945 seien zwölf Männer 1941 auf dem Friedhof in Kassel-Wehlheiden genauso Opfer faschistischer Gewalt geworden. Und 1922 wurde ein rechtsterroristischer Säure-Anschlag auf den früheren Reichskanzler und Kasseler Oberbürgermeister Philipp Scheidemann verübt, nach dem heute das ganz in der Nähe des Mordanschlags auf Halit Yozgat gelegene Scheidemann-Haus benannt ist. Das neue, demokratische Deutschland habe die Lehren aus der Nazi-Vergangenheit gezogen, sagte der Kasseler Oberbürgermeister: „Ein starker Staat widersteht rechtsradikaler Gewalt und wird mit aller Härte gegen diejenigen vorgehen, die unsere Demokratie infrage stellen. Ein starker Staat zeigt Mitgefühl mit den Opfern, mit denen, die wegen ihrer Herkunft oder ihres Glaubens bedroht werden.“
Auch der Generalkonsul der Republik Türkei, Ilhan Saygili verwies darauf, dass die öffentliche Behörden, Medien und Gesellschaft den Morden lange Zeit nicht die erforderliche Bedeutung beigemessen und sie als „Dönermorde“ bezeichnet hätten. Er sagte: „Der rassistische Terror hat die Absicht, zwischen den in Deutschland lebenden Menschen Hass zu säen. Die Schüsse auf Halit Yozgat und die anderen Opfer waren eigentlich gegen die türkisch-deutsche Freundschaft gerichtet. Diese Morde dürfen sich auf die Beziehungen unserer Landsleute sowohl zu ihren deutschen Nachbarn als auch zu den deutschen Behörden keineswegs negativ auswirken. Ganz im Gegenteil, es bedarf jetzt umso mehr der Solidarität, des gegenseitigen Verständnisses und Dialogs.“
Bezogen auf die Entscheidung, einen Platz statt der Holländischen Straße nach Halit Yozgat zu benennen, erklärte er: „Wir erkennen dies als einen wichtigen Schritt an.“
Ismail Yozgat, der Vater des Kasseler Opfers, bezeichnete die Benennung des Platzes und der Straßenbahnhaltestelle als einen wichtigen Schritt und äußerte den Wunsch, dass an jedem Jahrestag der Ermordung seines Sohnes auf dem Platz gedacht werde.
Halit Yozgat war am 6. April 2006 Opfer von Tätern aus der Neonazis-Szene erschossen worden. Er war einer von zehn Menschen, die Opfer der Rechtsterroristen wurden, darunter eine Polizistin und neun Männer, die mit ihren Familien in Deutschland eine neue Heimat gefunden hatten. Dass es sich bei den Taten in den Jahren 2000 bis 2006 um eine gezielte Mordserie handelte, war den Ermittlungsbehörden über lange Zeit verborgen geblieben und kam erst vor einigen Monaten ans Licht.
In allen sieben Städten, in denen die Morde verübt wurden, sollen in abgestimmter Form Gedenktafeln an die Opfer erinnern. In Kassel soll außerdem ein Platz in der Nähe des Tatorts Halit-Platz benannt werden und eine Straßenbahnhaltestelle seinen Namen tragen.
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