22. Mai 2012. „Zeige mir die grüne Kiste unter dem Brett.“ lautet eine Aufgabe aus dem Hessischen Kindersprachscreening (KiSS). Auf einem Wimmelbild sucht das Kind die grüne Kiste unter dem Brett und zeigt sie der Erzieherin auf dem Bild. Den Kindern macht es viel Spaß, auch die anderen Aufgaben anhand des bunten Wimmelbildes mit vielen kleinen Alltagsszenen zu lösen. Mit KiSS kann der Sprachstand der Kinder im Alter von vier bis 4,5 Jahren überprüft und beobachtet werden. Schnell und zuverlässig können die sprachlichen Kompetenzen eines Kindes erfasst werden. Zu hören, zu sprechen, schließlich zu lesen und zu schreiben sind wichtige Fähigkeiten, die Kinder für eine erfolgreiche schulische Entwicklung brauchen. Störungen in der kindlichen Sprachentwicklung sollen möglichst frühzeitig erkannt und durch gezielte Hilfe rechtzeitig vor der Einschulung abgebaut werden.
Viele Kasseler Kindertagesstätten und aus dem Landkreis bieten schon KiSS an. Erzieherinnen und Erzieher qualifizieren sich in einer Fortbildung des Gesundheitsamtes Region Kassel und sind dann berechtigt, das Screening in der Kindertagesstätte durchzuführen. Das Ergebnis wird durch einen Sprachexperten am Gesundheitsamt kontrolliert und mit den Eltern in der Kindertagesstätte besprochen. Die statistische Auswertung aller Screenings erfolgt im Hessischen Kindervorsorgezentrum in Frankfurt.
Entspricht die Sprachentwicklung des Kindes nicht dem Alter, zeigt das Ergebnis im KiSS, ob eine sprachpädagogische Förderung durch Anregungen in der Kindertagesstätte und besonders durch die Eltern ausreichend ist. Oder es handelt sich um eine Störung der Sprache, wo eine medizinische Abklärung empfohlen wird und eine Sprachtherapie notwendig sein kann. Hier erfolgt die weitere Diagnostik und Betreuung durch die niedergelassenen Kinderärzte.
Seit 2008 schulten die Sprachexperten des Gesundheitsamtes schon 153 Erzieherinnen und Erzieher für KiSS, allein dieses Jahr hatten sich 80 Erzieherinnen und Erzieher zu den Qualifizierungen angemeldet. Damit können in zirka 70 Kindertagesstätten der Region Kassel die Erzieherinnen und Erzieher mit KiSS den Sprachstand der Kinder testen. Diese besondere Qualifikation können die Einrichtungen zukünftig mit dem KiSS Siegel gut sichtbar zeigen.
Stadträtin Anne Janz wird am Montag, 4.Juni, um 15 Uhr im „Kinderhaus Waldau“, Breslauer Straße 51 A, die Siegel feierlich an die Kindertagesstätten in Kassel übergeben.
Unterstützt wird sie von einer Vertreterin aus dem hessischen Sozialministerium und von Johannes Mertens (Projektmanager - Kindersprachscreening in Hessen) aus dem Hessischen Kindervorsorgezentrum in Frankfurt.
Janz sagt dazu: „Um die chancengleiche Entwicklung aller Kinder zu fördern, sind standardisierte Screenings wichtig, um wie in diesem Fall mit KiSS den Sprachstand des Kindes objektiv zu erfahren. So können gezielte Maßnahmen zur Abklärung und Förderung ergriffen werden. Ein gutes Sprachvermögen der Kinder ist eine der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Schulzeit. Ich danke allen Erzieherinnen und Erziehern, die sich qualifiziert haben und auch auf diesem Weg zeigen, wie wichtig ihnen eine fachlich fundierte Arbeit zur Förderung der Kinder ist.“
Dr. Gabriele Oefner vom Gesundheitsamt Region Kassel betont: „Die Sprache der Kinder muss frühzeitig, praktisch mit der Geburt angeregt werden. Säuglinge sollen die Sprachmelodie der Eltern hören, Eltern sollen mit ihren Säuglingen sprechen, wenn diese auch noch nicht alles verstehen können. Mit Kleinkindern sollen Eltern sich unterhalten über Alltagsdinge und besonders wichtig sind zuhören und erzählen. Sprache muss erlebt werden. Eine Erdbeere im Mund zu schmecken, den Geruch zu genießen, die Farbe zu sehen und die Erdbeere mit den Fingern zu fühlen, so prägen sich alle Sprachbegriffe gut in das Gedächtnis des Kindes ein. Wahr- und aufnehmen mit allen Sinnen!“
Dieses Erleben können die gern genutzten modernen Medien wie Fernsehen, PC-Spiele, Videos und CD-hören nicht geben. Denn da wird nur das Hören angeregt. Die anderen Sinne „erleben“ nichts. Deshalb sollen die modernen Medien nur wenig von kleinen Kindern genutzt werden und wenn, nur unter elterlicher Aufsicht.
Bei wesentlichen Sprachdefiziten im Kindergartenalter sind Unterstützungen in der Kindertagesstätte und besonders auch in der Familie erforderlich. In einigen Fällen ist zusätzlich eine Sprachbehandlung notwendig. Eine fördernde Lebenswelt bietet aber immer für das Kind die Chance, bis zur Einschulung eine altersentsprechend Sprache und Sprachverständnis aufzubauen.
(4624 Zeichen)
Stadt Kassel
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Rathaus / Obere Königsstraße 8
34112 Kassel
Telefon: 0561 / 787-1231 oder 0561 / 787-1232
Telefax: 0561 / 787-87
E-Mail: presse@stadt-kassel.de
Pressesprecher Hans-Jürgen Schweinsberg
Pressesprecherin Petra Bohnenkamp
Kassel und die Region im Internet:www.kassel.de
Die Stadtverwaltung im Internet: www.stadt-kassel.de
Die Pressestelle documenta-Stadt Kassel ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren.