
(pen) „Auf dem Weg zur inklusiven Bildung im Ennepe-Ruhr-Kreis“ so lautet der Titel der zweiten Bildungskonferenz, die am Mittwoch, 26. September in der Wittener Gesamtschule Hardenstein (An der Wabeck 4) stattfinden wird. Eingeladen hat der Lenkungskreis des regionalen Bildungsnetzwerkes Ennepe-Ruhr. „Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen ist eines der Themen, über das Pädagogen in Kindertagesstätten und Schulen, Eltern sowie Politiker auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene momentan besonders intensiv diskutieren. Folgerichtig rücken wir es mit unserer Veranstaltung auch hier bei uns in den Blickpunkt“, begründet Prof. Dr. Rainer Bovermann, Vorsitzender des Lenkungskreises, die Themenwahl.
Die Zahl der Anmeldungen bestätigt die Entscheidung, aktuell liegen im Schwelmer Kreishaus 150 Rückmeldungen vor. „Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden. Gleichzeitig hoffen wir natürlich, dass die Teilnehmer für ihre Arbeit einiges an Informationen und Motivation mitnehmen können.“, hofft Landrat Dr. Arnim Brux. Er wird die Teilnehmer in Witten nicht nur begrüßen, sondern hofft auch auf wichtige Impulse für den Kreis. „Schließlich“, so Brux, „zeigen zahlreiche Erfahrungen, dass das gemeinsame Lernen sowohl Vorteile für die Lernentwicklung der Kinder mit Behinderungen als auch der Schüler ohne Behinderungen hat.“
Die Suche nach Antworten auf die Fragen, wie die mit der Inklusion verbundenen Herausforderungen zwischen Breckerfeld und Hattingen, Herdecke und Witten bewältigt werden können, wie der Übergang zu einem inklusiven Schulsystem gestaltet werden könnte und wie weit Inklusion eigentlich geht und welche Ressourcen nötig sind, beginnt mit einem Vortrag des Erziehungswissenschaftlers Prof. em. Dr. Hans Wocken. Der Sonderpädagoge engagiert sich seit Jahren für gemeinsamen Unterricht aller Kinder und stuft Inklusion als Menschenrecht ein. In seinem Referat mit dem Titel „Inklusion umsetzen - aber wie?“ wird er auch über seine Erfahrungen berichten, die er in mehreren Schulversuchen sammeln konnte.
„Wockens Thesen werden anschließend mit Experten diskutiert und auf den Ennepe-Ruhr-Kreis übertragen. Zur Gesprächsrunde zählen unter anderem eine Vertreterin des NRW-Ministeriums für Schule und Weiterbildung, ein Vertreter des Landesverbandes Bildung und Erziehung sowie Mitarbeiter aus Stadtverwaltungen und der Agentur für Arbeit“, kündigt Michael Möller vom regionalen Bildungsbüro an.
Den zweiten Veranstaltungsschwerpunkt bilden vier Foren. Sie tragen die Überschriften „Vorschulische Bildung - Inklusion erst in der Schule?“, „Inklusion - Was verändert sich eigentlich im Unterricht?“, „Berufsvorbereitung/Berufsbildung“ und „Barrierefreie Lern- und Lebensräume“. Für praxisnahe Berichte konnten die Veranstalter eine Vielzahl von Referenten gewinnen. So berichten Erzieher aus Kindergärten, Grund- und Hauptschullehrer, Ausbilder und Gebäudemanager über ihre Erfahrungen. „Diese Vielfalt von guten Beispielen aus der Region zeigt quasi ganz nebenbei auch, dass wir hier vor Ort bei der Umsetzung der Inklusion an vielen Stellen schon mehr als den ersten Schritt auf einem langen Weg gemacht haben“, unterstreicht Brux. Weitere sollen folgen, die Ergebnisse der zweiten Bildungskonferenz sollen hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.
Stichwort „Inklusion“
Seit März 2009 ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft getreten. Zielsetzung der Konvention ist es, die volle und gleichberechtigte Ausübung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten. Sie verpflichtet alle Staaten zu einem inklusiven Schulsystem und fordert für Kinder mit Behinderungen den diskriminierungsfreien Zugang zu einem hochwertigen, inklusiven Bildungssystem. Die Zuständigkeit für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Schulbereich fällt in der innerstaatlichen Ordnung der Bundesrepublik in die Hoheit der Länder.