Echte Typen sind gefragt
20.11.2012 | Herten
Mehr Männer in Schule und Kindergarten
Männer sind im Erziehungsberufen immer noch Mangelware – sehr zum Leidwesen von Fachleuten, die bestätigen, dass gerade den Jungen in wichtigen Entwicklungsstufen oft männliche Bezugspersonen fehlen. Doch warum ist das so und vor allem: Wie kann man diesen Zustand verändern? Zu diesem Thema haben vier Fachleute im Rahmen der Hertener Männertage diskutiert.
In den Redaktionsräumen der Vestischen Mediengruppe Welke (VMW) haben sich Peter Brautmeier (Fachbereichsleiter Wirtschaft und Arbeit der Stadt Herten), Wolfgang Unger (Rektor der Comeniusschule Herten), Katharina Klein (AWO, Modellprojekt "Mehr Männer in Kitas") und Gregor Rüter (Schulleiter des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs Recklinghausen) auf Initiative des Hertener Kulturbüros zusammengesetzt und die Situation sowie Lösungsmöglichkeiten erörtert.
Der Anteil männlicher Pädagogen in Kindergärten (weniger als 3%) und Schulen (hier insbesondere an Grundschulen) fällt sehr gering aus. Selbst bei den Lehramtsanwärtern verringert sich der Anteil männlicher Studenten stetig. Ein gewichtiges gesellschaftliches Problem, denn in heutigen Familien sind viele Väter im Leben ihrer Kinder, insbesondere der Söhne, nicht mehr präsent – sei es durch Trennung, Scheidung oder besondere berufliche Anforderungen. Um diese Defizite aufzufangen, brauchen die Erziehungsberufe mehr männlichen "Nachwuchs".
Katharina Klein hat in ihrer Tätigkeit als Projektleiterin für "Mehr Männer in Kitas" festgestellt, dass bei jungen Leuten in der Berufswahl häufig Barrieren im sozialen Umfeld eine Rolle spielen: "Für einen 16-Jährigen ist es schwierig, sich gegen seinen Freundeskreis zu behaupten, wenn er Erzieher werden möchte. Doch je mehr Männer als Erzieher arbeiten, umso normaler wird es. Leider findet die Berufsvorbereitung in Schulen im Bereich der pädagogischen Berufe meist nur unzureichend statt."
Wolfgang Unger hat das Glück, an seiner Comeniusschule drei männliche Lehrkräfte zu haben. Repräsentativ sei das sicher nicht, betont der Rektor. Häufig sehe man sich mit heiklen Vorurteilen konfrontiert: "Männer in pädagogischen Berufen müssen ständig um ihr Image kämpfen, sich verteidigen. Sie stehen schnell unter dem Verdacht der Pädophilie", so Wolfgang Unger.
Auch Peter Brautmeier, Fachbereichsleiter Wirtschaft und Arbeit bei der Stadt Herten, macht deutlich, dass pädagogischen Berufe ein besseres Image benötigen. Um mehr junge Männer zu motivieren, sollten Verbesserungen im Bereich der Tarifverträge vorgenommen werden.
Das Grundproblem: "Leider gibt Deutschland im europäischen Vergleich das wenigste Geld für Bildung aus und und gesteht Pädagogen in einer der wichtigsten Phasen der kindlichen Entwicklung das geringste Gehalt zu."
Gregor Rüter weist darauf hin, dass Männer in pädagogischen Berufen auch als "Modelle" eine wichtige Rolle spielen, von denen die Kinder lernen können. Dafür werden "echte Typen" gebraucht, so Rüter, die vor allem für Jungen eine Vorbildfunktion ausüben können. Außerdem seien Erzieher eine Bereicherung in der Zusammenarbeit mit den Eltern, insbesondere mit den Vätern.
"Das Fachgespräch sollte ein Auftakt sein, um auf die Problematik des ‚Erziehermangels‘ aufmerksam zu machen", so Bernd Uppena vom Hertener Kulturbüro. "Unser unser Wunsch ist es, weitere Initiativen zu diesem Thema anzustoßen und langfristig einen Diskurs auf breiter Ebene herbeizuführen."
Hintergrund zum Projekt „Mehr Männer in Kitas“
Das Projekt "Mehr Männer in Kitas" wird gefördert mit Mitteln des europäischen Sozialfonds und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und ist bei der AWO Münsterland-Recklinghausen verortet.
Pressekontakt: Pressestelle, Nele Däubler (Pressesprecherin), Tel: 02366/303-357, Mail: n.daeubler@herten.de, www.herten.de, www.facebook.com/stadtherten



