
(pen) Allein in den letzten 21 Monaten hat die Kinder- und Jugendschutzambulanz der ProFamila im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis 215 Kinder und Jugendliche unterstützt, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind. Diese Zahl und die damit verbundene sehr konkrete Hilfe für die Betroffenen haben die Mitglieder des Kreistages bewogen, die finanzielle Förderung des Beratungsangebotes für die nächsten drei Jahre sicherzustellen. Die Kreisverwaltung erhielt den Auftrag, eine entsprechende Vereinbarung mit der ProFamilia abzuschließen.
In dieser sichert der Kreis bis 2015 eine jährliche Förderung von 105.000 Euro zu. Zusammen mit weiteren 50.000 Euro, die die Städte Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg, Schwelm und Sprockhövel übernehmen, werden damit die Ausgaben für Fach- und Verwaltungskräfte (1,75 Stellen/0,48 Stelle) sowie Sachkosten (25.000 Euro) gedeckt. Die ProFamilia sichert im Gegenzug zu, Jahr für Jahr mindestens 2.275 so genannte klientenbezogene Fachleistungsstunden zu erbringen und nachzuweisen.
Rückblende: Bereits vor zwölf Jahren hatten die Kreisverwaltung und die Pro Familia EN-Süd im Ennepe-Ruhr-Kreis eine Umfrage durchgeführt. Kliniken, Ärzte, Beratungsstellen, Jugend- und Sozialämter dokumentierten seinerzeit nicht nur die Zahl der Fälle, sondern machten auch eine ganz besondere Problematik aus: Missbrauchsopfer im Kindes- und Jugendalter hatten häufig Schwierigkeiten, die richtigen Ansprechpartner zu finden. Konsequenz: Alle Akteure, darunter insbesondere Kreisverwaltung und Kreispolitik, richteten für den südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis bei der ProFamilia in Gevelsberg eine Anlaufstelle ein und legten damit der Grundstein, um das Thema aus der Tabuzone zu holen. Als Ansprechpartner für Jugendhilfe, Schulen und andere Institutionen bieten die Mitarbeiter seither fachliche Unterstützung in Verdachtsfällen sowie Beratung und Therapie für Betroffene.
„Diese Arbeit ist überaus erfolgreich. Durch die intensive Fallbetreuung konnten immer wieder Folgeschäden verhindert oder zumindest gemildert werden. Parallel dazu ist in Kindertagesstätten und Schulen eine deutlich gestiegene Sensibilität und Arbeitsqualität festzustellen. Die Kooperation zwischen der Vielzahl von Akteuren aus den Bereichen Jugendschutz, Gesundheitswesen, Betreuung, Beratung und Strafverfolgung hat sich deutlich verbessert und es stehen mehr (wenn auch immer noch zu wenig) Möglichkeiten für die Opfertherapie zur Verfügung“, würdigt die Beschlussvorlage, die den Mitgliedern des Kreistages vorlegt wurde, sinngemäß die Arbeit der ProFamilia.