Die Kommunale Ferienbetreuung im Landkreis Leer ist offensichtlich auf einem guten Weg. Das Bundes-Familienministerium ist von dem Konzept so angetan, dass es den Landkreis Leer als vorbildliches Beispiel („Best-Practice-Beispiel“) in einer Broschüre aufführen will. Außerdem lässt sich der Deutsche Landkreistag zeigen, wie man hier Kinder in den Oster-, Sommer- und Herbstferien sinnvoll betreut. Landrat Bernhard Bramlage: „Darauf können wir stolz sein.“
Alle Gemeinden im Landkreis halten in Zusammenarbeit mit dem Landkreis eine Betreuung in den Ferien vor. Sie bauten im abgelaufenen Jahr das Angebot aus, ausgenommen die Rheiderland-Gemeinden, in denen bisher kaum Eltern ein Kind anmelden.
Die Betreuung begann 2010 in den Sommerferien an fünf Standorten mit 90 Kindern. In 2011 waren es im Sommer165 Kinder an acht und im Herbst 21 Kinder an zwei Standorten. In diesem Jahr kamen Ostern 35 Kinder an zwei Standorten hinzu. Im Sommer stieg die Kinderzahl an elf Standorten auf 228 und im Herbst an sechs Standorten auf 55.
Die positive Entwicklung inspiriert den Landkreis, gemeinsam mit den Gemeinden die Kinderbetreuung systematisch zu verbessern. Sie ist ein wesentlicher Beitrag, dass mehrheitlich Frauen, aber vereinzelt auch Männer Beruf und Familie besser unter einen Hut bekommen. Im Landkreis Leer arbeiten nur gut 40 Prozent der Frauen, in Niedersachsen ist es knapp die Hälfte. Hintergründe dieses Missverhältnisses und Lösungsmöglichkeiten sollen demnächst in einer wissenschaftlich begleiteten Studie erforscht und aufgezeigt werden.
> Kleine Kinder in guten Händen
Der Landkreis Leer geht mit gutem Beispiel voran: Er richtete in Zusammenarbeit mit seinem Klinikum eine so genannte betriebliche Großtagespflegestelle mit 15 Plätzen ein. Mit dieser Krippe will er die Vereinbarkeit von Beruf und Familien für Mitarbeiter des Klinikums und der Kreisverwaltung erleichtern. Landrat Bernhard Bramlage in seinem Jahresrückblick: „Eltern können beruhigt zur Arbeit gehen, wenn sie ihre kleinen Kinder in sicherer Obhut wissen.“
Der Familienservice Weser-Ems e.V. organisiert die Pflegestelle und führt die pädagogischen Fachkräfte sozialversicherungspflichtig auf seiner Gehaltsliste. Betreut werden Kinder bis zu drei Jahren. Die Krippe ist von sechs bis 20 Uhr ganzjährig geöffnet. Wenn Plätze frei sind, werden auch Kinder aufgenommen, deren Eltern nicht im Klinikum oder in der Kreisverwaltung arbeiten.
> Integration durch Sport-Picknicks und Radfahrkurse
Landkreis Leer bietet praktische Hilfen für Mitbürger ausländischer Herkunft an
Integration ist für den Landkreis Leer kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis. Beispiele dafür sind die Sport-Picknicks, ein Radfahrkursus in Weener und Übungen für Eltern, wie sie ihre Kinder fördern können. Die Angebote richten sich vor allem an Familien ausländischer Herkunft, denen es schwer fällt, sich am sportlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben zu beteiligen.
Geschulte Integrationslotsen haben während des ganzen Jahres in Weener und gelegentlich in Leer Sport-Picknicks angeboten. Sie schaffen durch sportliche Bewegung positive Erlebnisse für Familien und bauen so kulturelle Vorbehalte ab. Eingeborene Ostfriesen und zugewanderte Menschen lernen sich besser kennen und verstehen.
Besonders junge Familien mit kleinen Kindern nehmen gern an Sport-Picknicks teil. Bis zu 120 Kinder und Erwachsene, davon 70 Prozent Einwanderer, trafen sich zu den Veranstaltungen. Der Erfolg ist sogar messbar: Im Anschluss an die Sport-Picknicks meldeten sich zahlreiche Teilnehmer bei Sprachkursen an, besuchten das Elterncafé oder schickten ihre Kinder in einen Kindergarten oder eine Krippe. Das Sport-Picknick wird 2013 in Weener fortgesetzt, kündigt der Landkreis in seinem Jahresrückblick an.
Ebenfalls in Weener richtete der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) einen Kursus zum Radfahrenlernen für Frauen aus. Fünf Frauen haben den Lehrgang bestanden. Sie sind jetzt bedeutend mobiler als vorher. Für Ostfriesen klingt es eher fremd, aber in vielen Ländern sind Fahrräder für Frauen nicht angesagt. In 2013 sind Radfahrkurse in Leer und Moormerland geplant.
Speziell Eltern ausländischer Abstammung sind die Zielgruppe des Projekts „KomMit“ des Landkreises und der Volkshochschule. Diese Frauen und Männer sollen ausgebildet werden, wie sie ihre Kinder in Bildung und Erziehung stärken und aktivieren. Zum Angebot des abgelaufenen Jahres gehörten: Sport für Mutter und Kind; Computerkurs für Mütter; Theater macht Schule – Stärkung der Erziehungsfähigkeit; Vorträge über Kindergesundheit; Multiplikatorenschulungen: Kultursensible Pflege; Elternarbeit durch interkulturelle Spiel- und Theaterpädagogik; Lehrgang „Kultursensible Elternlotsen“. Bis Ende 2014 läuft das Projekt.
Zu den so genannten niederschwelligen Angeboten zählen drei Elterncafés für Familien mit ausländischem Hintergrund in Leer, Rhauderfehn und Moormerland. Sie wurden 2011 eingerichtet, in diesem Jahr weiter betrieben und im nächsten Jahr fortgeführt. Auch hier arbeitet der Landkreis mit der Volkshochschule zusammen. Die Partner möchten Familien ermuntern, bei Bedarf die Angebote der Frühen Hilfen in Anspruch zu nehmen. In den Elterncafés sind viele Mitbürger aufgeschlossen für aufklärende Gespräche über Frühe Hilfen.
Als niederschwellig gilt auch der Willkommenskurs „Gebrauchsanweisung Leben Deutschland“ für Migranten, der in Moormerland erfolgreich zu Ende gegangen ist und in diesen Wochen in Weener begonnen hat. Hier geht es um die deutsche Sprache, gelegentlich auch um die Alphabetisierung. In Moormerland nahmen 16 Frauen teil. Ein Großteil meldete sich anschließend beim Integrationskurs an.
Die 2011 ausgebildeten Gesundheitsmediatoren haben in mehreren Vorträgen über das deutsche Gesundheitssystem, Zuckerkrankheit und Brustkrebsfrüherkennung informiert – neben deutsch in Kurdisch, Arabisch, Russisch und Farsi (persisch). Damit sollen Hemmschwellen vor einem Arztbesuch und Verständnis für Vorbeugung und Früherkennung geweckt werden. Das Projekt wird fortgesetzt.
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