Pressemeldung der Stadt Bocholt

Bocholt, 25. Januar 2013

Gedenken: Leopold Markus zählte zu ihnen...

Am 27. Januar ist Auschwitz-Gedenktag - Buch der Erinnerung erscheint am 17. März 2013

Bocholt (PID).

Am 27. Januar wird alljährlich der Befreiung des Vernichtungslagers von Ausschwitz im Jahre 1945 gedacht. Ursprünglich war vorgesehen, an diesem Tag das "Buch der Erinnerung - Juden in Bocholt von 1937 - 1945", das der Bocholter Josef Niebur im Auftrag von Bürgermeister Peter Nebelo erstellt hat, vorzustellen. Das ist aus technischen Gründen nicht möglich. "Das Buch wird nunmehr am 17. März 2013 erscheinen", berichtet Josef Niebur.

Ein Eintrag in der Bocholter Kriegschronik und eine Todesurkunde im Stadtarchiv Rhede. Das war bis vor zwei Jahren alles, was von dem Ehepaar Markus in Bocholt noch vorhanden war. Denn die Eheleute gehörten zu jenen Juden, die im Dezember 1941 noch in Bocholt lebten, als 26 von ihnen zur Deportation nach Riga am 10. Dezember 1941 aufgerufen wurden. Aus Verzweiflung über das zu erwartende  Schicksal beging Amalie Markus am 9. Dezember 1941 Selbstmord. Ihr Mann Leopold wurde dennoch deportiert. Wer waren Amalie und Leopold Markus, an die anlässlich des morgigen Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in diesem Jahr in Bocholt besonders erinnert wird?

 

Amalie und Leopold Markus, deren Biogramme - wie die der derzeit bekannten 176 weiteren ermordeten Juden aus Bocholt - im bald erscheinenden "Buch der Erinnerung - Juden in Bocholt 1937 – 1945" verzeichnet sind, waren 1937 bereits älter als fünfzig Jahre. Am 26. Februar 1937 zogen sie aus Duisburg zum Ostwall 70 in Bocholt. Zu ihnen, der Hausfrau Amalie und dem ehemaligen Postbeamten Leopold Markus, zog auch ihre Tochter Gertrud mit ihrer Familie. Diese entkamen 1938 durch Flucht nach Kolumbien. Aus dem so genannten Judenhaus Bahnhofstraße 16 sollten Amalie und Leopold Markus mit 24 weiteren BocholterInnen jüdischen Glaubens am 10. Dezember 1941 in das Ghetto in Riga deportiert werden. Am Vortag der angekündigten Deportation versuchte Amalie Markus, sich das Leben zu nehmen. Sie trank aus Angst vor dem Ungewissen Essigessenz. An den durch die Essigessenz hervorgerufenen Verätzungen in der Luftröhre erstickte Amalia Markus qualvoll  am 16. Dezember 1941 im Rheder Krankenhaus. Am 10. Dezember 1941 war ihr Mann  Leopold über Münster in das Ghetto Rigadeportiert worden. Vor 70 Jahren, im März 1943 starb Leopold Markus an den dort herrschenden unmenschlichen Verhältnissen und dem brutalen Terror der SS-Wachmannschaften.

Bereits durch einen Besuch der Nachkommen des Ehepaares Amalie und Leopold Markus im Mai 2011 bestehen Verbindungen der Familie zu Bocholt. Die von ihnen überreichten Fotos und Dokumente sowie Informationen aus intensiven Gesprächen sind in das „Buch der Erinnerung - Juden in Bocholt 1937 – 1945“ eingeflossen.

Zur Vorstellung des Erinnerungsbuches am 17. März 2013 werden auch zwei Großneffen von Amalie und Leopold Markus nach Bocholt kommen. Auch der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Münster, Sharon Fehr, hat sein Kommen zugesagt.

Pressekontakt: Stadt Bocholt - Fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands, Fachbereich Kultur und Bildung, Johannes Hüls, Telefon +49 2871 252242, E-Mail: johannes.huels@mail.bocholt.de