Zweite Chance für Schulverweigerer: Projekt in Kassel sehr erfolgreich

29. Januar 2013. Markus (Name geändert) kam in der 7. Hauptschulklasse gar nicht mehr mit seinen Klassenkameraden zurecht. Es nervte ihn alles. Entsprechend lustlos ging er in die Schule. Bei Konflikten fühlte er sich von den Lehrern ungerecht behandelt und verweigerte den Unterricht. Manchmal ging er dann auch einfach nach Hause. Das war vor zwei Jahren, heute ist Schulverweigerung für Markus kein Thema mehr. Geholfen haben ihm die Mitarbeiter des Kasseler Jugendamtes, Abteilung Erziehungshilfe Auguste Förster, und das Programm „Schulverweigerer – Die 2. Chance“.

123 Kinder und Jugendliche aus Kassel nutzten seit Januar 2009 die 2. Chance, etwa je zur Hälfte Jungen und Mädchen. Ihr Schulversagen überwinden und wieder eine Perspektive haben in der Regelschule – das ist das Ziel des Projektes, das vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird.

Und das Projekt ist erfolgreich. 94 Fälle wurden bislang abgeschlossen, berichtet Detlev Barth vom Kasseler Jugendamt im städtischen Pressedienst. 59 Jungen und Mädchen wurden erfolgreich in die Schule reintegriert, 29 weitere haben eine Perspektive in einer anderen Bildungsmaßnahme gefunden. Nur sechs Projektteilnehmer haben die Teilnahme abgebrochen.

Die Gründe für eine schulverweigernde Haltung bei Kinder und Jugendlichen können sehr vielfältig sein, erläutert Thomas Keßler, Projektmitarbeiter des Jugendamtes. Familiäre Belastungen, schwierige Konfliktsituationen in der Schule (z.B. Mobbing), Über- oder Unterforderung, Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes, Schwierigkeiten durch einen Migrationshintergrund. Diese Merkmale sind jeweils individuell unterschiedlich stark ausgeprägt und treten häufig in Mischformen auf. „Schulverweigerung hat aber immer Auswirkungen auf die Familie“, berichtet Keßler. Die betroffenen Eltern versuchen in der Regel ihr Bestes, damit ihre Kinder regelmäßig in die Schule gehen. Wenn ihre Bemühungen nicht zum Erfolg führen, ist das Familienleben meist stark belastet. Sprachlosigkeit und gegenseitiges Unverständnis ist dann in den betroffenen Familien ein häufiges Problem. In dieser Situation versucht die 2. Chance sowohl den Eltern als auch den Kindern beziehungsweise Jugendlichen, Hilfe anzubieten. Manchmal wenden sich Eltern direkt an das Jugendamt. Der erste Kontakt zu dem Schüler oder der Schülerin sowie deren Eltern kommt aber meist über die jeweilige Schule zustande. So auch im Fall von Markus: So konnte es nicht weitergehen, sagte sich der Klassenlehrer und trat an die Mitarbeiter des Projekts „2. Chance“ heran. Zusammen mit Thomas, seinen Eltern und dem Klassenlehrer suchten diese nach einer Lösung. Deutlich wurde, dass die Klassensituation für Thomas sehr verfahren war. Außerdem wollte Thomas mehr praktisch arbeiten und nicht nur im Unterricht sitzen müssen.

Das Projekt „2.Chance“ bietet eine Reihe unterschiedlicher Unterstützungsmaßnahmen, die flexibel eingesetzt werden: Erziehungsberatung, schulische Förderung, Einzelberatung, Praktika bei JAFKA, Freizeitaktivitäten und anderes mehr. Zentrales Merkmal der Hilfe ist aber immer eine möglichst enge Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Klassenlehrer, der Klassenlehrerin. Die Hilfe dauert bis zu anderthalb Jahren. Danach ist eine Nachbetreuung möglich

Für Markus fanden die Mitarbeiter des Jugendamtes schließlich eine andere Schule, die ihm mehr praktisches Lernen bieten konnte. Im 8. Schuljahr versuchte Markus dort einen Neustart, der ihm gut bekam. Er wurde dabei weiterhin von den Mitarbeitern der „2. Chance“ unterstützt. Über das Projekt erhielt er Nachhilfe, um die durch die Verweigerung entstandenen Defizite auszugleichen. Er absolvierte beim Jugendhilfeverein für Aus und Fortbildung in Kassel (Jafka) ein Praktikum und bei Konflikten in der neuen Schule wurde der zuständige Projektmitarbeiter hinzugezogen. So lebte sich Markus an seiner neuen Schule gut ein. Und Detlev Barth vom Jugendamt stellt zufrieden fest: „Die Schulverweigerung ist kein Thema mehr für ihn.“

Das Projekt „Schulverweigerung – Die 2. Chance“

• Laufzeit: Januar 2009 bis Dezember 2013

• Teilnehmer bis Dezember 2012: 123, davon 58 Mädchen, 65 Jungen. 55 Teilnehmer mit Migrationshintergrund.

• Bilanz: 94 abgeschlossene Fälle. 59 Teilnehmer in Regelschule reintegriert, 29 Teilnehmer in andere Bildungsmaßnahmen vermittelt, sechs Abbrüche.

• Personal: ein Dilpom-Handelslehrer, zwei Diplom-SozialpädagogInnen

• Plätze: 30 Teilnehmerplätze für je zwölf Monate (plus sechs Monate Nachbetreuung)

• Finanzierung: 55 % Stadt Kassel, 45 % Europäischer Sozialfonds

• Zielgruppe: Schüler und Schülerinnen, die mindestens zwölf Jahre alt sind und maximal Jahrgangsstufe 9 beziehungsweise das erste Berufsschuljahr absolvieren und ihren Schulabschluss durch aktive oder passive Verweigerung des Unterrichts gefährden.

• Vier Kooperationsschulen im Stadtgebiet Kassel: Carl-Schomberg-Schule, Joseph-von-Eichendorff-Schule, Johann-Amos-Comenius-Schule, Schule am Hegelsberg. Einzelkooperationen mit: OSW-Waldau, Astrid-Lindgren-Schule, Pestalozzi-Schule, Reformschule, Fasanenhofschule, Valentin-Traudt-Schule, Luisenschule, Georg-August-Zinn-Schule, Heinrich-Schutz-Schule, Wilhelm-Lückert-Schule, Johann Hinrich Wichern Schule (Freie Chistliche Schule), Willy- Brandt-Schule, Mönchebergschule

Kontakt:

Zweite Chance Stadt Kassel Jugendamt

34112 Kassel Tel.: 0561 / 787-0 E-Mail: Zweite.Chance@kassel.de

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