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Magdeburg, 19. Februar 2013
OB Dr. Lutz Trümper eröffnet Luther-Ausstellung

Ottostadt Magdeburg.

 

Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper eröffnete heute feierlich die Ausstellung „Die Reformation in Magdeburg – Luther und die Johanniskirche“ im Tonnengewölbe unter der Westvorhalle der Johanniskirche. Die Ausstellung ist ein Beitrag des Kuratoriums für den Wiederaufbau der Johanniskirche zu Magdeburg zur Luther-Dekade. Sie kann während der Öffnung der Johanniskirche besucht werden, der Eintritt ist frei.

 

In Form von Texten  und zeitgenössischen Abbildungen, die auf von der Decke hängenden Fahnen zu sehen sind, wird durch die Ausstellung ein Abriss vom Beginn der Reformation in Mitteleuropa bis zur Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 gezeigt. Die Frontseite des Raumes ist mit einem Lutherbild und einem Text gestaltet worden.

 

Die Ausstellungstexte und die Auswahl der Illustrationen wurden in Zusammenarbeit mit der vom Kuratorium berufenen Doktorandin der Otto-von-Guericke-Universität Mareike Säck erarbeitet. Der Magdeburger Designer Ernst Albrecht Fiedler entwickelte das Konzept und die Ausstellungsgestaltung. Zentraler Blickpunkt und Erkennungszeichen ist die Silhouette der Stadt vor der Zerstörung 1631 mit ihren typischen Doppeltürmen. Während die Ausführung in den Händen der Kroschke signpoint Magdeburg GmbH lag, wurden die technisch-baulichen Voraussetzungen durch den Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement geschaffen.

 

Anliegen des Projektes ist es, den Wiederaufbau der Johanniskirche weiterzuführen und einen Beitrag zur Lutherehrung zu leisten. Dazu wurde durch die Stadt der bisher ungenutzte Raum der Westvorhalle der Johanniskirche saniert. Vom Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche wurden aus Spendenmitteln das Treppenpodest farblich gestaltet, ein dort angebrachtes Stadtwappen der Neustadt aufgearbeitet und die Gestaltung der Ausstellung finanziert. Das Projekt leistet damit auch einen Beitrag zur qualitativen Erweiterung der Stadttouristik.

 

Zur Luther-Dekade, einer zehnjährigen Veranstaltungsreihe, die im Jahr 2008 begann und auf den 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther im Jahr 2017 hinzielt, leistet die Landeshauptstadt Magdeburg einen eigenen Beitrag. Hierfür wurde 2008 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit der Vorbereitung von Veranstaltungen beschäftigt, mit denen sich die Landeshauptstadt an der Reformationsdekade 2008-2017 beteiligt.

 

Größere Projekte der Landeshauptstadt werden in diesem Rahmen unter anderem die Herausgabeeiner umfassenden Darstellung „Magdeburg in der Reformationszeit“, die in zwei Bänden veröffentlicht werden soll, sowie die Sonderausstellung im Kulturhistorischen Museum „Herrgottskanzlei – Magdeburg und die Reformation“ sein.

 

 

 

Chronik des Wiederaufbaus der Johanniskirche

 

13. Dezember 1990

Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung zum Wiederaufbau der Johanniskirche und zur Gründung eines Kuratoriums (mit ausdrücklicher Unterstützung von Oberbürgermeister Dr. Willi Polte)

 

16. Januar 1991

Das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche zu Magdeburg nimmt seine Arbeit auf. Zum ersten Vorsitzenden wird Dipl.-Ing. Klaus Reipsch gewählt.

 

1992-1995

Sanierung der Kirchenschiff-Ruine (Außenwände, Fenstermaßwerke, Außenputz, Ringanker, Pfeiler der verbliebenden Nördlichen Arkadenreihe) für rund 8,4 Mio DM, davon allein 7,6 Mio DM Fördermittel des Landes Sachsen-Anhalt.

Erarbeitung verschiedener grundsätzlicher Planungsvarianten für den Wiederaufbau als Grundlage einer Entscheidung über das Nutzungskonzept.

 

1992 und 1993

Der Minister für Wirtschaft und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Horst Rehberger, übergibt Bescheide über Fördermittel in Höhe von 80% der Gesamtkosten des Wiederaufbaues an den Bauherren, die Landeshauptstadt Magdeburg. Der Wiederaufbau kostete 20,2 Mio. DM

 

9. Juni 1994

Die Stadtverordnetenversammlung bestätigt das erste Nutzungskonzept, das gemeinsam von Stadt und Kuratorium erarbeitet wurde.

 

1997

Die Stadt erarbeitet das grundlegende Nutzungskonzept unter Beteiligung des Kuratoriums.

 

1997

Spendenmittel ermöglichen erste Planungsentwürfe für mögliche Realisierungsvarianten zur Wiedererrichtung des Südturmes und für den Ersatz des alten, nicht mehr funktionstüchtigen Stahlglockenstuhles durch einen eichenen Glockenstuhl sowie für die Sanierung der beiden Glocken. Eine Realisierung des vorbereiteten Auftrages konnte wegen der fehlenden Finanzierung

(200 TDM) Ende 1999 nicht erfolgen.

 

Juni 1998

Beginn des Wiederaufbaus mit den Erd- und Fundamentarbeiten unter Verantwortung des Hochbauamtes als Bauherrenvertreter. Vorherige umfangreiche archäologische Grabungen innerhalb des Kirchenschiffes und an der Nordseite der Kirche, wo sich ein ehemaliger Friedhof befand, Dokumentation der Ergebnisse.

 

13. November 1998

Richtfest durch Aufsetzen des Turmhelmes auf den Nordostturm mit den am Bau beteiligten Firmen. Einschlagen des symbolischen „letzten Nagels“ durch Oberbürgermeister Dr. Polte.

 

2. Oktober 1999
Festakt zur Einweihung der wieder aufgebauten Kirche. Sie wird als Veranstaltungszentrum an die Bürger der Stadt übergeben, nach der sehr kurzen Bauzeit von nur 16 Monaten. Die Investitionssumme von rund 20,2 Mio. DM wurde mit 15,2 Mio. DM Fördermittel des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

 

1999

Mit Spenden werden Sitzbänke im Außenbereich installiert und die Vorhallenfenster erneuert. 

 

27. März 2002
Dipl.-Ing. Werner Kaleschky wird zum Vorsitzenden des Kuratoriums und Dipl.-Ing. Klaus Reipsch zum Ehrenmitglied gewählt.

 

Mai 2004:

Der eingeweihte Südturm der Johanniskirche vollendet den 1998 begonnenen

6-jährigen Wiederaufbau des Magdeburger Symbols.

 

September 2008:

Die Restaurierung der kleineren Glocke der Johanniskirche ist beendet. Am 2. September 2008 wird die Glocke mit einem Schwerlastkran in die Glockenstube gehoben.

 

31. Oktober 2008:

Inbetriebnahme des neuen Glockenstuhls und der sanierten Glocken der Johanniskirche

 

Oktober 2009:

Die größere der beiden Glocken – die Festtagsglocke – wird künftig als Tonsignal für einen Uhrschlag genutzt. Mit der dauerhaften Nutzung seit dem Reformationstag 2009 wird das Glockengeläut der Johanniskirche wieder täglich in das Gedächtnis der Magdeburger zurückgebracht. Zu jeder vollen Stunde wird die Festtagsglocke zweimal angeschlagen.

 

April 2010:

An eine kurze, aber wichtige Episode in der ereignisreichen Geschichte der Kirche St. Johannis erinnert nun eine Informationstafel am Anbau. Von 1832 bis 1850 befand sich am Ostende des Daches die Station 14 der Königlich-Preußischen Telegrafenlinie.

 

Oktober 2010:

Das Kuratorium hat auf der Aussichtsplattform Panoramatafeln installieren lassen, die in alle Himmelsrichtungen auf Sehenswürdigkeiten Magdeburgs und markante Punkte des Umlandes hinweisen. Finanziert wurden die Tafeln aus Spenden.

 

November 2010:

Die von der Firma Schuster aus der Kirchenruine geborgenen Sand- und Kalksteinplatten kommen in die Kirche zurück
- Epitaph: Benedikt David Carpzow, Theologe aus Leipzig (1637 - 1682); Südwand
- Epitaph: Name unbekannt, um 1674; Westwand
- Epitaph: Gottlieb Leberecht Immermann, Königlicher Preußischer Kriegs- und Domainenrat (1794 - 1814); Westwand
- eine Kalksteinplatte mit Ritzzeichnung, die aus einem Pfeiler der Kirche stammt, stellt die gekrönte Maria dar;

 

März 2011:

Das ca. 250 Jahre alte Sakristei-Schloss, das der letzte Pfarrer der Johanniskirche Alfred Frantz (1878 bis 1973) aus den Trümmern der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg gerettet hatte, wurde nach seiner Sanierung von Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und dem Vorsitzenden des Kuratoriums für den Wiederaufbau der Johanniskirche Werner Kaleschky entgegengenommen. Überreicht wurde das Schloss von Staatsanwalt i. R. Jürgen Frantz, dem in Hamburg lebenden Enkel von Pfarrer Alfred Frantz.

 

 

Hintergrund

Das Gotteshaus St. Johannis steht für rund 1.000 Jahre wechselvolle Geschichte Magdeburgs, wenn man die romanische Vorkirche einbezieht. St. Johannis war die Kirche der Kaufleute. 941 wird auf dem Plateau am Bürgermarkt eine Volkskirche erwähnt. Entsprechend den Sitten der Zeit wurde diese Kirche um 1170 dem Schutzheiligen Johannes dem Evangelisten anvertraut.

 

Fünfmal zerstört und fünfmal wiederaufgebaut, stieg die älteste Rats- und Pfarrkirche der ehemals großen und reichen Stadt Magdeburg zum Symbol des Lebenswillens ihrer Bürgerschaft auf.

 

Nach Bitten der zur Reformation geneigten Ratsmitglieder begab sich Dr. Martin Luther um 1524 nach Magdeburg. In der Johanniskirche hat er am 26. Juni 1524 gepredigt "Über die falsche und wahre Gerechtigkeit" - ein Schulbeispiel für die Kraft des Wortes, denn diese Predigt war Ausgangspunkt für den Übergang Magdeburgs zum Protestantismus. Die Türen und Fenster der Kirche mussten geöffnet werden, da nicht alle Gläubigen Einlass fanden. Hunderte Magdeburger standen vor dem Gebäude, um Luthers Predigt zu hören.

 

Schon 1530 trat Magdeburg in den Schmalkaldischen Bund zur Verteidigung der Reformation ein. Seit der Reichsacht von 1547 war die Stadt einer der Mittelpunkte der protestantischen Opposition, Magdeburg war "Unseres Herrgotts Kanzlei" – wie Wilhelm Raabe es später ausdrückte. Dafür zahlte die Stadt 1631 einen hohen Blutzoll: Als Tillys Truppen die Stadt in Schutt und Asche legten, fiel auch die Johanniskirche.

 

Der Wiederaufbau nach dem 30-jährigen Krieg wurde maßgeblich von einem bedeutenden Bürger mitgestaltet - dem Naturforscher und Diplomaten Otto von Guericke. Er war nicht nur über 50 Jahre Ratsmitglied der Stadt, sondern drei Jahrzehnte ihr Bürgermeister. Otto von Guericke heiratete mit Margarete Alemann in eine der ältesten Magdeburger Ratsfamilien ein und beide Familien erwarben ein Erbbegräbnis in der bedeutendsten Reformationskirche der Stadt.

 

Am 16. Januar 1945 teilte die Johanniskirche abermals das Schicksal ihrer Stadt. Sie fiel dem Bombenhagel zum Opfer. Nach dem Krieg retteten notdürftige Sanierungsmaßnahmen die Kirche, die eigentlich abgerissen werden sollte. Als Mahnmal ragte die Johanniskirche jedoch mit anderthalb Türmen und dem Kirchenschiff ohne Dach über 50 Jahre in die Stadtsilhouette - vergleichbar dem Schicksal der Dresdner Frauenkirche.

 

In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts übereignete die evangelische Kirche das Objekt dem Rat der Stadt Magdeburg. Ende der siebziger Jahre wurde die Westvorhalle nutzbar gemacht und die Aussichtsplattform auf dem Südturm errichtet, der Südturm war damit wieder für die Öffentlichkeit begehbar. Die Ruine selbst wurde notdürftig vor dem weiteren Verfall gesichert. Im Gewölbekeller war eine Ausstellung des damaligen Büros des Stadtarchitekten. Das Stadtmodell befand sich in der Westvorhalle neben dem Treppenabgang zum Gewölbe.

 

Am 13. Dezember 1990 wurde auf der 8. Sitzung der ersten frei gewählten Stadtverordnetenversammlung nach der Wiedervereinigung Deutschlands der Beschluss zum Wiederaufbau der Johanniskirche gefasst. Am 16. Januar 1991, am Tag des Gedenkens an die zweite Zerstörung Magdeburgs, gründete sich das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche. Am 2. Oktober 1999 konnte die wieder aufgebaute Johanniskirche feierlich eingeweiht werden. Der Wiederaufbau kostete 20,2 Mio. DM und wurde zu 80 % vom Land Sachsen-Anhalt gefördert. Die Kirche wird heute als Kulturhaus für Konzerte, Ausstellungen, Tagungen, Ehrungen und kirchliche Veranstaltungen genutzt.

 

Auch über die feierliche Einweihung der wieder aufgebauten Johanniskirche hinaus hat sich das Kuratorium für den Ausbau der Johanniskirche engagiert, z.B. für die Erneuerung des Südturmes, dessen Vollendung durch das Aufsetzen der Spitze am 27. Januar 2004 gekrönt wurde. Seit 2008 erklingen die Glocken im Nordturm wieder, das Kuratorium hatte die Erneuerung des Glockenstuhles und die Reparatur der Glocken durch Spenden ermöglicht.



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