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Brückenbauer nach frühem Exil
Herbert Klaber ist gestorben
Borken / Chicago. - 13. März 2013. Seine Jugend und sein junges Erwachsenenleben war bestimmt von Diskriminierung, Verfolgung und vom Überleben im niederländischen Versteck. Bei Kriegsende erst 25 Jahre alt, wanderte er in die USA aus und zählte seit 1988 zu den großherzigen Brückenbauern jüdischer Exil-Überlebender zu ihren Heimatorten Borken und Gemen. Vor dreieinhalb Wochen, am 16. Februar, ist Herbert Klaber nun im Alter von 92 Jahren in Chicago verstorben, wie die Familie mitteilte. Er war der letzte Lebende der ehemals in Gemen wohnhaften jüdischen Menschen.
Herbert Klaber kam 1920 als jüngstes von sechs Kindern der Eheleute Max und Regina Klaber in Borken zur Welt. Im Jahr 1922 zog die Familie mit ihrem Handelsgeschäft für Mineralöl und technische Betriebsstoffe in ein neu errichtetes Firmengebäude und Wohnhaus an der Ahauser Straße, dem heutigen Standort der Tankstelle AVIA-Süd und der Firma Klöcker.
Eingebunden in eine große Familie mit den mütterlichen Wurzeln in Raesfeld, in die jüdische Gemeinde Gemen, in die Nachbarschaft und das öffentliche Leben Gemens, wo die Familie großes Ansehen genoss, verlebte Herbert hier bis zur Machtübertragung an Hitler eine recht unbeschwerte Kindheit. Jäh erschüttert wurde diese, als der Dreizehnjährige bereits 1933 wegen der erstarkenden antisemitischen Kräfte das Gymnasium verlassen musste. Es folgten einige Jahre der Mitarbeit in der elterlichen Firma, bis die Übergriffe in der Pogromnacht im November 1938 die existentielle Perspektivlosigkeit für jüdische Jugendliche unübersehbar machte. Herbert Klaber zog in die niederländische Grenzstadt Winterswijk und begann dort eine Ausbildung als Mechaniker.
Als nach der deutschen Besetzung 1940 auch in den Niederlanden die Verfolgung der Juden eingeleitet wurde, fand Herbert Klaber vorläufig noch Schutz durch einheimische Unterstützer, die ihm das Leben mit einer falschen Identität ermöglichten, bis er 1943 bei einem hilfsbereiten und im niederländischen Widerstand tätigen Bauern untertauchen konnte. Die Erlebnisse dieser Zeit, wozu auch die schmerzhafte Ohnmacht gegenüber dem Schicksal der aus Borken deportierten Eltern gehört, hat Herbert Klaber in dem sehr eindrücklichen Bericht „Leben in der Dunkelheit“ zusammengefasst und für die Nachwelt erhalten. Nach der Befreiung der Niederlande und dem Verlust seiner Eltern und zweier Geschwister in den NS-Vernichtungslagern emigrierte Herbert wie auch zwei seiner Brüder in die USA, um dort eine neues Leben aufzubauen. Hier lernte er seine Frau Marcia kennen, mit der er über 60 Jahre verheiratet war. Gemeinsam bekamen sie vier Kinder und zahlreiche Enkel.
Die Kindheitserinnerungen, die tragenden Beziehungen zu seinen Eltern, deren Vertrauen in ihre Mitmenschen in Gemen bis 1933 und das Trauma von dem abrupten Ende all dessen veranlassten Herbert Klaber, Zeit seines Lebens den Kontakt nach Borken zu suchen und zu halten. Im Jahr 1988 war er auf Einladung der Stadt Borken mit einer größeren Gruppe ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger zu Gast, die durch Flucht ins Exil überlebt hatten.
Im Herbst 2008 ermunterte er seine Kinder Neil, Rena und Larry, anlässlich des 70. Jahrestags der Novemberpogrome Borken zu besuchen, um sie mit ihrer frühen Familiengeschichte zu verbinden. Hierhin sollten im symbolischen Sinn auch seine im KZ ermordeten Eltern Max und Regina Klaber „zurückkehren“, als für sie im Februar 2011 im Beisein ihres Urenkels Max Stolpersteine verlegt wurden.
Herbert Klaber ging es bei seinen Kontakten nach Borken aber nicht nur um die Weitergabe seiner Familiengeschichte und seiner Verfolgungserfahrungen. So fasste er bereits in den 1980er Jahren Vertrauen in die Arbeit des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Borken und Gemen“ und wirkte mit seinem Wissen und der Bereitstellung eigener Unterlagen an der überfälligen Aufarbeitung dieses Teils der Stadtgeschichte mit. Während vieler Jahre stand er auch mit Schülerinnen und Schülern im E-Mail-Schriftverkehr, beantwortete deren Fragen und trug damit auch zu einer Veröffentlichung der Jüdischen Geschichte in Borken und Gemen im Internet bei.
Am 18. Februar 2013 ist Herbert Klaber gemäß jüdischer Tradition unter großer Anteilnahme in Chicago beigesetzt worden. In den Trauerreden wurde die große Leistung Herbert Klabers, auf der Geschichte und dem Schicksal dieser Familie ein in die Zukunft gerichtetes Leben aufzubauen und für Verständigung einzutreten, quer durch die Generationen gewürdigt worden. Die Stadt Borken hat einen großherzigen Sohn verloren.
Weitere Informationen unter:
- http://www.steinebach.tv/stolpersteine_engl.html
- http://www.youtube.com/watch?v=JrUCtawPM84&feature=youtu.be
- http://www.gegen-vergessen-borken.de
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