(pen) „Auch für Menschen mit Behinderung gehört das Erwachsenwerden, das Loslösen von Eltern und Familie, das Gewinnen eigener Freunde und das Wissen darum, eine eigenständige Persönlichkeit zu sein, zur Selbstentfaltung. Ein Ort, wo diese Erkenntnis seit fast 15 Jahren Tag für Tag gelebt werden kann, ist das Christian-Ehlhardt-Haus hier in Schwelm. Das dies so ist, verdanken die 36 Bewohner vor allem Dieter Ehlhardt.“ Mit diesen Worten überreichte Landrat Dr. Arnim Brux das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an den Schwelmer.
Ausgangspunkt für das soziale Engagement des 73-jährigen war die Geburt seines Sohnes Christian. Er kam 1972 mit dem Down-Syndrom zur Welt. „Zu dieser Zeit standen Menschen mit Behinderungen noch im gesellschaftlichen Abseits, wurden häufig versteckt und bevormundet. Eine Behinderung galt eher als privates Schicksal, weniger als gesellschaftliche Herausforderung. Der heute von vielen im Mund geführte Begriff ´Inklusion´ war nicht mal mit dem Fernglas am Horizont erkennbar“, erinnerte Brux an die Rahmenbedingungen.
Ehlhardt habe dies nicht akzeptieren wollen. Gemeinsam mit seiner Frau Heidemarie kümmert er sich nicht nur liebevoll um Christian. Er arbeitet auch nachhaltig daran, die Lebenssituation für Betroffene spürbar zu verbessern, ihre Entfaltungsmöglichkeiten zu steigern. Sein Ziel, Menschen mit Behinderung ein wirkliches zu Hause und nicht nur ein Heim zu bieten, erreicht er 1998 mit der Eröffnung des Christian-Ehlhardt-Hauses.
„Damit waren zwei Effekte verbunden. Zum einen können Eltern beobachten, wie viel eigenständiger ihre Kinder werden. Zum anderen liegt das Haus mitten in Schwelm. Damit kamen auch die Bewohner in der Mitte des Stadtlebens an. Sie gehören dazu, man trifft sie in der Fußgängerzone, beim Bäcker oder im Hallenbad“, berichtete der Landrat.
Mit der Kontakt- und Beratungsstelle in der ehemaligen Villa „Falkenroth und Kleine“ an der Hauptstraße 116 und einer Stiftung realisierte Ehlhardt, der seit 1991 als Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen besondere Verantwortung übernimmt, für den Verein zwei weitere Großprojekte. „Wir haben aus der Tatkraft dieses Mannes viel gelernt. Unser Blick auf Menschen mit einer geistigen Behinderung ist ein anderer geworden. Andere mögen reden, Dieter Ehlhardt handelt. Viele sehen in ihm zu recht einen Impulsgeber für die Lebenshilfe im Kreis, in der Region und in Nordrhein-Westfalen“, würdigte Brux in seiner Laudatio.
Neben dem jahrzehntelangen Einsatz für Menschen mit Behinderungen fand der diplomierte Verkehrsingenieur, der 1966 in Wuppertal eine Firma für Tief- und Straßenbau gründete, auch noch die Zeit, sich in führenden Positionen in berufsständischen Verbänden ehrenamtlich einzubringen. Dazu zählte zwischen 1972 und 2010 beispielsweise die Straßen- und Tiefbau-Innung Wuppertal, der er von 1975 bis 2010 als Obermeister vorstand. In der Kreishandwerkerschaft Wuppertal engagierte er sich ab 1978 dreißig Jahre im Vorstand, 21 Jahre davon als stellvertretender Kreishandwerksmeister. Als Mitglied der Vollversammlung der Handwerkskammer Düsseldorf brachte er sich und seine Ideen zwischen 1975 und 2011 ein, ab 1999 als Mitglied des Vorstandes. Für seine Verdienste war er 1985 mit der silbernen Medaille der Handwerkskammer Düsseldorf und 1994 mit dem goldenen Ehrenzeichen der Handwerkskammer Düsseldorf ausgezeichnet worden.
„Es ist auch Dieter Ehlhardt zur verdanken, dass das Handwerk in unserem Raum zu dem wurde, was es heute ist - eine zentrale Säule des Wirtschaftslebens“, machte Brux abschließend deutlich.
Stichwort Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland
Der Verdienstorden ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Er wird an Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen sowie für Verdienste aus dem sozialen, karitativen und mitmenschlichen Bereich verliehen. Seit seiner Stiftung durch Bundespräsident Theodor Heuss 1951 wurden etwa 243.000 Menschen auf diese Weise für ihre Leistungen gewürdigt. Jeder kann die Verleihung des Verdienstordens an einen anderen anregen. Das Schreiben ist formlos an die Staatskanzlei des Bundeslandes zu richten, in dem der Vorgeschlagene wohnt. Die Anregung sollte neben Namen und Anschrift des möglichen Ordensempfängers auch Art und Umfang der Verdienste darstellen und Personen oder Organisationen nennen, die zu dem Vorschlag Stellung nehmen können. Übrigens: Wer seine eigene Auszeichnung anregt, kann nicht mit einer Verleihung des Verdienstordens rechnen.