Bildung, Erziehung und Betreuung noch enger verzahnen
Ganztagsangebot und Bevölkerungswachstum prägen Grundschulentwicklung
Am Bildungsstandort Hanau wird auch künftig Erziehung, Bildung und Betreuung systematisch und vernetzt entwickelt. Ein Beleg dafür ist der Schulentwicklungsplan für die Grundschulen für die Jahre 2013 bis 2017, dessen Entwurf der Magistrat beschlossen hat. In einer Stadt wie Hanau mit einer entgegen des allgemeinen Trends deutlichen Bevölkerungszunahme, vor allem von Familien, hängt die Zukunftsfähigkeit einer Kommune nach den Worten von Schuldezernent Axel Weiss-Thiel maßgeblich davon ab, dass in Bildung investiert wird. „Als familien- und kinderfreundliche Stadt stellen wir auch in Zeiten knapper Kassen ausreichend bauliche, finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung.“
Ein großes Anliegen von Axel Weiss-Thiel ist es, die 15 Hanauer Grundschulen bei der Entwicklung zur Grundschule mit Ganztagsangebot zu unterstützen. „Das verbessert die Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder in Hanau und erhöht die Chance gerade für Mütter, wieder arbeiten zu gehen. Denn das funktioniert nur, wenn sie ihre Kinder gut betreut wissen.“ Und nicht nur das. Ebenso wichtig sei es, das im Rahmen von Ganztagsbetreuung die individuelle Förderung der Grundschülerinnen und Grundschüler Kinder möglich ist. „Uns muss es gelingen, dass auch Kinder nichtdeutscher Herkunft und aus einkommensschwachen Schichten nachhaltig Bildungserfolge erzielen.“ Viele Mütter und Väter würden sich nach Kräften bemühen, dass ihre Kinder so wenig wie möglich unter der familiären Armut leiden, doch ihre Bemühungen reichten nicht immer aus. „Hier sind wir als Stadt und Schulträger in der Verantwortung“, so Weiss-Thiel. „Denn kein Kind darf verloren gehen, so lautet eine unserer Maxime.“
Bildungsprozesse beginnen früh. Sie bestimmen ganz entscheidend die Teilhabechancen. „Wir verfügen bereits über eine gute Infrastruktur“, ist sich der Stadtrat sicher. „Nahezu 100 Prozent unserer Drei- bis Sechsjährigen besuchen durch die Gebührenfreistellung für einen Halbtagsplatz eine Kindertagesstätte und haben dadurch Zugang zu früher Bildung. Sind Wissensdurst und Neugier auf die Welt erst einmal geweckt, dürfen wir nicht locker lassen.“ Ein qualitatives Ziel des Schulentwicklungsplans für die nächsten fünf Jahre sei deshalb die engere Verzahnung von Hort und Schule.
Erfahrungen sammeln wird die Stadt als Schul- und Jugendhilfeträgerin mit einem Referenzprojekt an der Brüder-Grimm-Schule in der Innenstadt, das nach den Sommerferien startet. „Unser Ziel ist eine an den heutigen Bedürfnissen angepasste Infrastruktur in der Schulkinderbetreuung, die die Elemente Bildung, Betreuung und Erziehung zusammenführen“. Ein Lebens- und Lernort der kurzen Wege mit bekannten Gesichtern, an dem sich Kinder und Lehrer wohlfühlen und an dem Eltern nicht nur kompetente Ansprechpartner aus den Bereichen Bildung, Beratung und Freizeitgestaltung finden, sondern auch mit ihren Kompetenzen in den Alltag einer Schule mit Ganztagsangebot einbringen können. Schon jetzt zeichnet sich in der Brüder-Grimm-Schule nach Einschätzung Weiss-Thiels ab, wie fruchtbar die enge Zusammenarbeit zwischen Hort und Grundschule ist. Die Erfahrungen in der Referenzschulen sollen nach zwei Jahren Erprobung schrittweise auch auf andere Grundschulen übertragen werden.
Die Brüder-Grimm-Schule ist nicht die einzige Grundschule, die der Schuldezernent in den kommenden Jahren im Fokus hat. Handlungsbedarf sieht er vor allem in Wolfgang. In diesem Stadtteil hat der beachtliche Bevölkerungszuwachs durch die Entwicklung der Konversionsflächen zu Wohngebieten die Robinsonschule an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht. Das Schulgebäude mit seinen vier Unterrichts- und Gruppenräumen und zwei Werkräumen könne an seinem bisherigen Standort nicht sinnvoll erweitert werden, so Weiss-Thiel. Freie Raumkapazitäten gibt es laut Weiss-Thiel am Förderschulzentrum Elisabeth-Schmitz-Schule auf dem ehemaligen Old-Argonner Areal, die in die weiteren Überlegungen – abhängig auch von der Entwicklung der Pioneer-Kaserne – einbezogen werden. Und auch für die Tümpelgartenschule Im Stadtteil Lamboy Tümpelgarten müsse eine Lösung gefunden werden. In diesen Stadtteil sind im Zuge der Konversion ebenfalls vor allem Familien gezogen und es werden noch mehr. Sie leben im sich entwickelnden neuen Wohnpark am Kinzigbogen, im Brüder-Grimm-Wohnpark der Deutschen Reihenhaus AG, in der Cardwell-Wohnsiedlung und in den Yorckhof-Stadtvillen.
Auch an der Anne-Frank-Schule im Südosten der Kernstadt wird durch die Zuwanderung der vergangenen Jahre eine Aufstockung der Kapazitäten erforderlich. Ziel des Stadtrats ist es, dies möglichst effektiv mit dem erforderlichen Ersatzneubau der Schulturnhalle zu verbinden. Auch mögliche Synergieeffekte mit dem notwendigen Ausbau des Kinderhauses Saalburgstraße werden von den städtischen Fachleuten derzeit geprüft.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Andrea Freund, Telefon 06181/295-488
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