Magistrat stimmt Standortentwicklungskonzept für Fraunhofer-Institut zu - Oberbürgermeister Bertram Hilgen: Neubau ist wichtiger Beitrag für Stadtentwicklung

27. Mai 2013. Der Magistrat der Stadt Kassel hat dem Standortentwicklungskonzept für das neue Fraunhofer-Institut am Hauptbahnhof zugestimmt. Das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) will an der Nordseite des Kasseler Hauptbahnhofes ein neues Institutsgebäude bauen. Bislang ist das Institut auf mehrere Standorte in der Stadt verteilt. Das neue Institutsgebäude soll mehr als 500 Mitarbeitern Platz bieten.

„Der Bau des Institutsgebäudes auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofes ist ein wichtiger Beitrag zur Stadtentwicklung und zur Stadterneuerung“, erklärte Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Bertram Hilgen. „Die großen forschungspolitischen Herausforderungen der Energiewende werden dann in Kassel bearbeitet. Unsere Stadt ist damit als Wissenschaftsstandort für Energiesystemtechnik erste Wahl.“ Für Kassel sei das Bekenntnis von IWES zum Standort Kassel von größter Bedeutung, sagte Hilgen. Denn dort entstünden zum einen neue, hochqualifizierte Arbeitsplätze. Zum anderen erfahre das Areal am Hauptbahnhof einen Entwicklungsschub.

Eine weitere Entwicklungsoption für den Standort ist laut Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel, ein Europäisches Smart Grid Labor anzusiedeln. Hierfür werde ein europäisches Forschungsnetzwerk entwickelt, das seinen Sitz in Kassel haben und vom Fraunhofer-Institut IWES gesteuert werden soll. Ziel sei es, Teile eines europäischen Instituts im direkten räumlichen Verbund mit dem IWES anzusiedeln. Smart Grids sind intelligente Stromnetze zur Energieübertragung und –verteilung.

In seiner Sitzung am heutigen Montag beschloss der Magistrat, der Stadtverordnetenversammlung zu empfehlen, dem „Standortentwicklungskonzept Energiesystemtechnik Kassel – Fraunhofer IWES Hauptbahnhof Nord“ zuzustimmen und mit der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. (München) eine entsprechende Absichtserklärung für die gemeinsame Entwicklung des Standortes abzuschließen. Das Projekt ist mit 100 Millionen Euro veranschlagt. Jeweils 50 Millionen Euro wollen das Land Hessen und die Bundesregierung finanzieren.

Stadtbaurat Christof Nolda sagte, bei der Realisierung des Institutsprojekts auf der nördlichen Seite des Hauptbahnhofs handele es sich um ein städtebaulich herausragendes Vorhaben. Mit dem Gelände des früheren Güterbahnhofes stehe eine Fläche bereit, die nahe zur Innenstadt und zum Campus der Universität Kassel liege, die mit dem Öffentlichen Personennahverkehr gut zu erreichen sei und die Entwicklungspotential habe.

Das IWES benötigt etwa die Hälfte der 60.000 Quadratmeter. Das neue Institut soll in mehreren Bauabschnitten realisiert werden. Ende 2016/Anfang 2017 sollen die ersten IWES-Mitarbeiter dort einziehen und arbeiten können. Integriert werden soll auch das Institut für Bauphysik (IBP). Auf den restlichen 28.000 Quadratmeter könne sich Firmen ansiedeln, die sich zum Beispiel mit regenerativen Energien beschäftigen.

Die zwischen der Stadt Kassel und der Fraunhofer-Gesellschaft zu schließende Absichtserklärung sieht vor, dass die Stadt Kassel das Grundstück von der Deutsche Bahn AG erwirbt, erschließt und es dem Fraunhofer-Institut als Bauland zur Verfügung stellt. Seit März 2012 wird an dem Gesamtkonzept gearbeitet. Stadtbaurat Nolda: „Dass das Projekt in so kurzer Zeit diesen hohen Grad an technischer Präzision und Sicherheit im Prozess erreicht hat, ist der guten Zusammenarbeit aller Beteiligter zu verdanken.“

Das Vorhaben soll als Projekt der Stadterneuerung in nationale und europäische Stadterneuerungsprogramme integriert werden, erklärte Stadtbaurat Nolda weiter. Dies mache auch eine finanzielle Beteiligung der Stadt Kassel erforderlich. Die Planungs- und Baukosten für die Erschließung des Grundstücks in den Jahren bis 2019 werden auf etwa neun Millionen Euro kalkuliert. Hinzu kommen Kosten für den Erwerb der Grundstücke. Geplant ist, eine Förderung aus dem europäischen Strukturfonds EFRE für das IWES-Projekt zu nutzen. Hierfür soll der ursprünglich für die Entwicklung des Salzmann-Areals vorgesehene Zuschuss in einen entsprechenden Förderantrag aufgenommen werden. Nolda: „Das Land hat seine Bereitschaft deutlich gemacht, dieses Geld weiterhin für Kassel zu verwenden“. Der Förderantrag soll kurzfristig gestellt werden.

Abzüglich einer europäischen Städtebauförderung und der zu erwartenden Erlöse aus den Grundstücksverkäufen sind von der Stadt unrentierliche Kosten in Höhe von etwa drei Millionen Euro zu tragen, erklärte Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel. „Die aus gesamtwirtschaftlicher Sicht für die Stadt Kasel zu erwartenden Vorteile übertreffen die bei der Stadt verbleibenden Kosten jedoch deutlich“.

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