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Pressemitteilung vom
29. Mai 2013
Supermärkte auf dem Weg zu mehr sozialer Barrierefreiheit – erster Supermarkt im Landkreis Kassel zertifiziert

Oberweser. Wenn es um das Thema Barrierefreiheit geht, stehen häufig allein bauliche Veränderungen an und in Gebäuden im Mittelpunkt. „Eine umfassende Teilhabe in allen Lebensbereichen betrifft allerdings alle Arten von Behinderungen“, betont Harald Kühlborn, der beim Landkreis Kassel für Internationale Kooperationen zuständig ist. Deshalb habe man sich entschieden, deutscher Partner in einem europäischen Projekt namens „SuperMAN“ zu werden. Hinter der Bezeichnung „SuperMAN“ verbirgt sich die englische Beschreibung „Supermarkets Meet Accessibilty Needs“, was auf Deutsch „Supermärkte erfüllen Barrierefreiheits-Bedürfnisse“ bedeutet. Kühlborn: „Die Bezeichnungen europäischer Projekte funktionieren vielleicht nicht in allen Sprachen – was allerdings funktioniert ist der Wissenstransfer von Frankreich nach Italien und Deutschland“.

 

Um was geht es bei „SuperMAN“? „Im Kern geht es darum, Menschen mit psychischen Behinderungen zu ermöglichen, eigenständig und selbstbestimmt Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen zu können“, berichtet Kühlborn. Die Idee der Barrierefreiheit für Menschen mit psychischen Behinderungen stammt aus Frankreich. Dort hat die Supermarktkette E.Leclerc zusammen mit UNAPEI, einer Dachorganisation von Selbsthilfegruppen von Eltern psychisch behinderter Kinder, diese Barrierefreiheit in mehr als 200 Märkten umgesetzt. Kühlborn: „Die Idee ist, die Mitarbeiter von Supermärkten so zu schulen, dass sie im Bedarfsfall als Beratung und Unterstützung zur Verfügung stehen und gleichzeitig die Gestaltung der Abläufe im Markt besser auf die Bedürfnisse dieser Kundengruppe ausrichten“.

 

Bei der Umsetzung des von der EU geförderten Projekts wurde relativ schnell klar, dass die Bedürfnisse von psychisch behinderten Menschen in einem Supermarkt sich in vielen Fällen mit den Bedürfnissen aller Kunden überschneiden. Ob es mehr Zeit für den einzelnen Kunden sei oder eine klare und übersichtliche Gestaltung der Verkaufsflächen – davon können behinderte und nichtbehinderte Menschen gleichermaßen profitieren.

 

Eine solche Schulung, die vom Göttinger Schulungs- und Beratungsunternehmen bupnet für die deutschen und italienischen Projektpartner konzipiert und in Deutschland durchgeführt wurde, hat Denis Jaene vom tegut „Lädchen für alles“ in Oberweser-Gieselwerder absolviert. „Für mich waren die Schulungsinhalte sehr hilfreich – man konnte eigene Erfahrungen einbringen und sein Verhalten überprüfen“, berichtet Jaene. Die Schulungsangebote für die Supermarktmitarbeiter sind besonders für die Mitarbeiter gedacht, die direkten Kundenkontakt haben. Dabei geht es nicht darum, Fachkenntnisse einzelner Behinderungsarten zu vermitteln, sondern eher  darum, bereits erprobte Verhaltensweisen in der Praxis zu überprüfen, zu bestätigen und im Einzelfall zu verändern. Kühlborn: „Das Ganze dient mehr der Sensibilisierung, als einer klassischen Betreuung -  dabei spielt auch die Kommunikation mit den nichtbehinderten Kunden eine wichtige Rolle“.

 

Damit die Kunden der Supermärkte auch wissen, welche Beratungskompetenz ein Markt aufweist, erhalten die teilnehmenden Märkte ein spezielles Symbol als Zertifikat. Kühlborn: „Durch das Anbringen des UNAPEI-Symbols wird für alle Marktkunden sichtbar, dass sich der jeweilige Supermarkt für Barrierefreiheit für psychisch behinderte Menschen engagiert – die geschulten Mitarbeiter sind an einem Button mit dem Symbol erkennbar“.

 

In Deutschland ist der Supermarktpartner des EU-Projekts die Lebensmittelkette tegut aus Fulda, in Italien nimmt die Supermarktkette CONAD teil. „Wir freuen uns über die Mitarbeit von tegut, die über ihre „Lädchen für alles“ bereits jetzt eine hohe Kompetenz im Bereich Inklusion besitzen“, begründet Kühlborn die Auswahl. Im Landkreis Kassel betreibt die Baunataler Diakonie Kassel das inklusive „Lädchen für alles“ in Oberweser-Gieselwerder.

Gewünscht und vorgesehen ist eine Ausweitung des Angebots auf weitere Supermarktbetreiber sowie andere private und öffentliche Institutionen nach Ende des EU-Projekts.

 

Hintergrund:

Weitere Partner von „SuperMAN“ sind die italienische Behindertenorganisation „Kara Bobowski“ aus Modigliana in der Emilia-Romagna, die Stadt Forli (Emilia-Romagna) und die französische Behinderteneinrichtung „Les Papillons Blanc“ aus Bergerac (Perigord) sowie bupnet aus Göttingen

 

Das Projekt „SuperMAN“ ist auf zwei Jahre angelegt und wird aus dem EU-Progamm „Leonardo da Vinci“ (Lebenslanges Lernen) finanziert. Die bisherige Projektphase diente hauptsächlich dazu, die Übertragbarkeit des französischen Modells nach Italien und Deutschland zu prüfen, die Schulungsmodule anzupassen und die teilnehmenden Supermärkte auszuwählen. In Italien wurden die Schulungsmaßnahmen im März 2013 abgeschlossen – in Deutschland wird dies im Juni 2013 der Fall sein. Insgesamt machen über 50 tegut-Märkte in Hessen, Thüringen und Bayern bei den Schulungen mit. In Nordhessen nehmen Märkte aus Kassel, Bad Wildungen, Baunatal, Edertal, Eschwege, Frankenberg, Fritzlar, Haina, Korbach, Körle, Ludwigsau, Oberweser und Wolfhagen teil.

 

Weitere Informationen zum Projekt gibt es auf der Internetseite www.supermanproject.eu.



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn



Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgendes Medium anbieten:


supermanoberweser.jpg
Auf dem Foto sieht man von links nach rechts Denis Jaene (Lädchen für alles Oberweser), Ortsvorsteherin Hildegard Gunkel-Becker und Burkhard Finke (Projektleiter Baunataler Diakonie Kassel).


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LANDKREIS KASSEL
Pressesprecher
Harald Kühlborn
Wilhelmshöher Allee 19 - 21
34117 Kassel
Tel.: 0561/1003-1506
Fax: 0561/1003-1530
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