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Pressemitteilung vom
14. Juni 2013
Vier Kobolde in Kassel

Kassel. Vier Kobolde, ein kleines Mädchen und eine Handvoll Puppenspieler. Viel mehr brauchte es nicht, um heute im AOK-Gebäude am Kassler Friedrichsplatz viele Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. Was dahinter steckte? Die Augsburger Puppenkiste mit ihrem Stück „Paula und die Kistenkobolde“ und das vielfach bewährte Präventionsprogramm Papilio. Es wird von der AOK Hessen, der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) und den hessischen Fachstellen für Suchtprävention, die sich überwiegend in Trägerschaft der freien Wohlfahrtspflege befinden, umgesetzt. Landesweit steht Papilio unter der Schirmherrschaft von Sozialminister Stefan Grüttner.

 

Papilio richtet sich an Kinder im Kindergartenalter, vermindert – wissenschaftlich nachgewiesen – erste Verhaltensauffälligkeiten und stärkt sozial-emotionale Kompetenzen. So kann Sucht- und Gewalttendenzen in späteren Jahren frühzeitig vorgebeugt werden. Zu „Paula und die Kistenkobolde" gehören fünf Kobolde, die jeweils ein Gefühl repräsentieren: Bibberbold (Angst), Zornibold (Ärger), Heulibold (Traurigkeit) und Freudibold (Freude). Ergänzt wird das „Koboldangebot“ durch attraktives Bild- und Tonmaterial. Die Kinder lernen durch die Umsetzung des Theaterstücks im Kindergartenalltag, um welche Emotion es sich handelt und wie sie diese bei sich selbst wahrnehmen können. Außerdem wird vermittelt, wie  sie diese Emotionen auch bei anderen erkennen können und wie sie mit diesen Emotionen umgehen können. Als Identifikationsfigur fungiert das Kindergartenkind Paula. Die Kinder basteln außerdem einen Gruppenkobold, der jede Einheit von Paula und die Kistenkobolde mit einem Ruheritual beginnt. Der Gruppenkobold kann auch andere Elemente im Kindergartenalltag begleiten. Ein weiteres wichtiges Element, um die Geschichte in der Realität der Kinder zu verankern, ist eine Kiste, in der die Kobolde leben. Paula und die Kinder lernen die Kobolde durch diese Kiste kennen. Die Kiste weckt als spannendes Element die Neugier und das Interesse der Kinder, da sie Realität und Phantasie verbindet. In der Kiste finden die Kinder immer wieder Dinge der Kobolde.

 

24 Erzieherinnen in Stadt und Landkreis zertifiziert

Pat Sheldon von der Fachstelle für Suchtprävention begrüßt besonders den ganzheitlichen Ansatz des Programms: „Papilio ist mehr als ein Programm, es ist eine Haltung. Papilio wirkt nachhaltig, erreicht und stärkt auch und gerade benachteiligte Kinder und deren Eltern. Das beugt Verhaltensstörungen nachhaltig vor.“ Das Programm wird in der Stadt Kassel seit 2010, im Landkreis Kassel seit 2013 umgesetzt.

 

Insgesamt sind bereits 24 Erzieherinnen und vier Einrichtungen (Kitas Fasanenhof, Niederzwehren und Harleshausen 1 in Kassel und Kita Wolfhagen-Istha) zertifiziert, rund 460 Kinder wurden direkt erreicht. Aber dabei soll es nicht bleiben: „Mein Wunsch ist es, Papilio auch im Landkreis noch weiter zu verankern. Hier haben wir noch großen Bedarf. Von den 460 erreichten Kindern kommen nur 60 aus dem Kreis“, so Sheldon. Auch die Kommunalpolitik steht hinter Papilio. „Wir freuen uns sehr über die Initiative und das Engagement der Kooperationspartner“, betont Vizelandrätin Susanne Selbert. Aus Sicht des Kreises, der als „Schutzschirmkommune“ freiwillige Aufwendungen nicht mehr übernehmen dürfe, werde man das Projekt im Rahmen der Möglichkeiten des Fachbereichs Jugend unterstützen. Selbert: „Wir können hier insbesondere als Koordinator wirken und für Papilio bei den Kindergartenträgern werben“.

 

Hessisches Sozialministerium unterstützt die Präventionsstrukturen vor Ort

Nach der Modellphase in Bayern ab 2006 hat Hessen als erstes Bundesland Papilio eingeführt. Hessenweit wurden im Rahmen des Programms 1.500 Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet und über 26.000 Kinder erreicht. Dass dieses gute Ergebnis erzielt werden konnte, liegt an den bewährten Strukturen für Suchtprävention in Hessen. „In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt existiert eine Fachstelle für Suchtprävention, die zur Hälfte durch das Hessische Sozialministerium gefördert wird“, so der Hessische Sozialminister, Stefan Grüttner. Diese Struktur ist für das flächendeckende Angebot von Papilio eine wichtige Voraussetzung.

 

AOK zahlt fast eine Million für Papilio

Kirsten Arnold von der lokalen AOK freut sich über die guten Zahlen: „Gute Konzepte zahlen sich aus, das sieht man hier einmal mehr. Und das Team, das hinter Papilio steht, leistet seit Jahren exzellente Arbeit. Dafür möchte ich mich als Vertreterin des größten Geldgebers ausdrücklich bedanken.“ Die AOK Hessen hat bis 2013 fast eine Million Euro für Papilio in die Hand genommen. Alleine in diesem Jahr finanziert die Gesundheitskasse, die sich das Thema Prävention auf die Fahnen geschrieben hat, das Programm mit 150.000 Euro.

 

Erster Vollrausch mit 16

Für die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) setzt Papilio an der genau richtigen Stelle an: „Im Durchschnitt greifen hessische Jugendliche mit 14 Jahren zur Zigarette und haben ihren ersten Alkoholrausch mit 16 Jahren. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass man dieser Entwicklung entgegenwirken kann: und dies bereits im Kindergartenalter. Papilio-Kinder reduzieren nachweislich ihre Verhaltensauffälligkeiten stärker und entwickeln ihre sozialen Fähigkeiten ausgeprägter als andere Gleichaltrige“, so Regina Sahl von der HLS.

 

Entwickelt und wissenschaftlich überprüft wurde das Programm in Augsburg. Gemeinsam mit der Augsburger Puppenkiste veranstaltet das Sozialunternehmen Papilio e.V. jene bundesweite Aufklärungskampagne, die Papilio jetzt auch nach Kassel geführt hat. Heidrun Mayer, geschäftsführende Vorsitzende von Papilio, zu den bisherigen Erfahrungswerten: „In einer mehrjährigen Studie mit 100 Erzieherinnen, 700 Kindern und 1.200 Eltern wurde Papilio auf seine Wirksamkeit und Machbarkeit mit positivem Ergebnis untersucht.“ Die bundesweite Verbreitung von Papilio wird von der Robert-Bosch-Stiftung und der gemeinnützigen Auridis GmbH gefördert, Schirmherr ist der Publizist Ulrich Wickert.

 

Näheres zu Papilio und den Kistenkobolden gibt’s im Internet unter www.papilio.de. An Fortbildungen interessierte Erzieherinnen können sich außerdem an die Fachstelle für Suchtprävention wenden:

 

Pat Sheldon

Fachstelle für Suchtprävention im Landkreis Kassel

Bürgermeister-Laneus-Str. 1/2

34369 Hofgeismar

056 71 / 92 52 700



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn



Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien anbieten:


papilio1.jpg
Auf den Fotos sieht man die Augsburger Puppenkiste bei der Arbeit.


papilio2.jpg



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LANDKREIS KASSEL
Pressesprecher
Harald Kühlborn
Wilhelmshöher Allee 19 - 21
34117 Kassel
Tel.: 0561/1003-1506
Fax: 0561/1003-1530
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