Aufsuchende Sozialarbeit in der Daimlerstraße
Stadt Hanau will mit dem Internationalen Bund kooperieren
Vertrauen zu den Familien aufbauen, sie auf die Bedeutung der sozialen Infrastruktur mit Kindergarten, Schule und Gesundheitsversorgung aufmerksam machen - das gehört zu den zentralen Aufgaben des Internationalen Bundes (IB), mit dem der Kommunale Soziale Dienst (KSD) der Stadt Hanau in einem Projekt der aufsuchenden Sozialarbeit im Bereich der Daimlerstraße kooperieren will. In den Wohnblocks leben rund 350 Menschen mit rumänischer Staatsangehörigkeit. Der Magistrat hat dem Vorhaben bereits zugestimmt, das Parlament hat am 1. Juli das letzte Wort.
Wie andere deutsche Städte und Kommunen auch erlebt Hanau seit Anfang 2012 einen starken Zuzug von Menschen aus Südosteuropa, die sich im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland aufhalten. In der Brüder-Grimm-Stadt haben sich vor allem rumänische Familien in der Daimlerstraße angesiedelt. Obwohl ein Großteil der Erwachsenen nach Erkenntnissen der Stadt Hanau offensichtlich einer Beschäftigung nachgeht und die meisten Kinder die örtlichen Schulen besuchen, kommt es nach Einschätzung von Stadtrat Axel Weiss-Thiel „immer wieder zu Problemen, da uns die Lebensweise der zugewanderten Menschen nicht selten fremd ist“. Die Mitglieder der von ihm eingerichteten Arbeitgruppe aus Ausländerbehörde, Ordnungsamt, Polizei und dem Fachbereich Bildung, Soziale Dienste und Integration beobachten wiederholt soziale Auffälligkeiten und Defizite bei der Gesundheitsversorgung und das nicht Einhalten der Schulpflicht. Hinzu kommt, wie Stadtrat Weiss-Thiel aus eigener Anschauung und auch aus Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern weiß, dass die Bereiche rund um die Daimlerstraße immer wieder negativ durch Vermüllung auffallen. Er hatte bereits Ende April im Ausschuss für Frauen, Jugend und Soziales angekündigt, Freie Träger für eine aufsuchende Sozialarbeit in Kooperation mit dem Kommunalen Sozialen Dienst mit ins Boot zu holen, um Kräfte zu bündeln. Auf Bundes- oder Landesebene gebe es leider keine entsprechenden Projekte oder Förderprogramme, kritisiert Weiss-Thiel. Es obliege den Kommunen, sich individuell den Herausforderungen zu stellen.
Ziel des Kooperationsprojektes zwischen dem KSD und dem Internationalen Bund ist es, verstärkt den direkten Kontakt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern in der Daimlerstraße zu suchen. Aufgrund der Haushaltssituation ist das Projekt mit dem Einsatz einer Fachkraft mit 19,5 Wochenstunden bis zum 31. Dezember 2013 begrenzt. „Wir hoffen, dass es uns gelingt, das immer noch große Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen abzubauen“, betont der Sozialdezernent. Das Projekt solle dazu beitragen, die Sozialarbeiter des KSD zu entlasten, die einen zunehmenden Beratungsbedarf in der Daimlerstraße wahrnehmen und einen solchen auch von anderen Institutionen gemeldet bekommen.
„Wir wollen die Menschen möglichst niedrigschwellig informieren“, so Weiss-Thiel, „welche rechtlichen Rahmenbedingungen es gibt und sie dabei unterstützen, sich an die soziale Infrastruktur anzubinden“. Wichtig ist ihm dabei vor allem, dass die Kinder regelmäßig die Schule besuchen und die Eltern auf das gesundheitliche Wohlergehen ihrer Familie achten.
„Unabhängig von diesem Kooperationsprojekt ist es unabdingbar, dass die bestehende gute Vernetzung mit anderen Institutionen optimiert wird, um Synergieeffekte zu fördern“, so Weiss-Thiel. Es bestehen bereits Kontakte der Stadt Hanau mit dem Kommunalen Center für Arbeit, dem Sozialdienst Katholischer Frauen, dem Klinikum Hanau, der Polizeidirektion Südosthessen, dem Staatlichen Schulamt, der Anne-Frank-Schule, der Elisabeth-Schmitz-Schule, dem Schulzentrum Hessen-Homburg, dem Eigenbetrieb Kindertagesbetreuung und dem Stadtteilzentrum Süd-Ost.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Andrea Freund, Telefon 06181/295-488
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