(pen) „Die Vielfalt der Zuwanderer, die schon länger hier leben, als auch derjenigen, die gerade versuchen, hier heimisch zu werden, bringt zahlreiche Chancen mit sich. Wir sollten sie gemeinsam und entschieden nutzen.“ Landrat Dr. Arnim Brux warb auf der Bildungs- und Integrationskonferenz des Ennepe-Ruhr-Kreises in Gevelsberg eindringlich für ein kreatives, kooperatives und konfliktfreies Miteinander aller Bürger in den neun Städten des Kreises. Gleichzeitig warnte er davor, neue Mitbürger mit Blick auf den Fachkräftemangel auf ihre beruflichen Fähigkeiten zu reduzieren und sie mit der Aussage „Wir begrüßen den Facharbeiter in Ihnen“ willkommen zu heißen. „Dies greift zu kurz und blendet zu viele andere Lebensbereiche aus.“
Aktuell, so zeigt ein Blick in die Bevölkerungsstatistik, hat gut jeder fünfte Bürger an Ennepe und Ruhr einen Migrationshintergrund, knapp jeder zehnte gilt als Ausländer. Um auf die insgesamt mehr als 63.500 Menschen zuzugehen, gibt es in den Städten des Kreises bereits vielfältige und bewährte Aktivitäten und Initiativen. „Um diese zu verstärken, nicht um sie zu ersetzen, setzt das Land Nordrhein-Westfalen auf Kommunale Integrationszentren. Sie sind das Herzstück unserer Integrationspolitik, die für uns kein kurzfristiges Projekt sondern ein dauerhafter Prozess ist“, machte Zülfiye Kaykin, Staatssekretärin beim Minister für Arbeit, Integration und Soziales den 120 Teilnehmern der Konferenz deutlich. Sie sieht den Ennepe-Ruhr-Kreis auf einem guten Weg, denn „bei Ihnen wurde das Zentrum Anfang des Jahres eingerichtet und hat seine Arbeit als eines der ersten landesweit aufgenommen.“
Aktuelle Aufgabe: Bis Ende 2013 soll das Integrationskonzept für den Kreis vorliegen. „Das Papier ist natürlich kein alleiniger Entwurf der Kreisverwaltung, sondern wird ein Gemeinschaftswerk werden, das es regelmäßig fortzuschreiben gilt“, so Lale Arslanbenzer, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums. Um dies zu gewährleisten, hatten sich im Mai und Juni 160 Vertreter von Kreis- und Stadtverwaltungen, Integrationsräten, Wohlfahrtsverbänden, Migrantenselbstorganisationen, Unternehmen, Vereinen und Initiativen zu vier Workshops getroffen. Thematisiert wurden die Handlungsfelder „Bildung und Sprachförderung“, „Arbeit und Wirtschaft“, „Gesellschaftliche Teilhabe, Sport und Kultur“ sowie „Gesundheit und Pflege“. Dabei wurden auch erste Ziele formuliert. Als Beispiele nannte Arslanbenzer unter anderen ein Plus von höheren Bildungsabschlüssen für Migrantenkinder, die Förderung der interkulturellen Vielfalt in Vereinen, das Sensibilisieren für kulturelle Unterschiede in der Pflege und die berufliche Förderung von Migranten.
„Die Teilnehmer der Konferenz haben uns in den Diskussionsrunden viele weitere Anregungen und Ideen geliefert. Diese gilt es jetzt zu berücksichtigen und in das Konzept einfließen zu lassen“, zeigte sich Arslanbenzer mit den Beiträgen und Anmerkungen zufrieden. Damit der Kreistag das Papier Ende des Jahres verabschieden kann, sind jetzt die Mitarbeiter des Kommunalen Integrationszentrums gefragt. Ihre Aufgabe ist es, alle Beiträge schlüssig zusammenzuführen und aufzuzeigen, mit welchen Instrumenten die Ziele erreicht werden können.
„Doch schon heute“, so der Landrat abschließend, „sind wir alle Tag für Tag gefordert, Integration zu leben und Zeichen zu setzen, am Arbeitsplatz und in der Freizeit, im Elternbeirat des Kindergartens oder der Schule, in Sportverein oder Partei.“
Stichwort Bildungskonferenzen
Während die Integrationskonferenz in Gevelsberg ihre Premiere erlebte. war es für die Bildungskonferenz bereits die dritte Auflage. In den Veranstaltungen 2011 und 2012 waren die Themen Übergang Schule/Beruf bzw. Inklusion in den Fokus gerückt worden. In diesem Jahr hatten das Kommunale Integrationszentrum und das Regionale Bildungsbüro Ennepe-Ruhr zusammen eingeladen und eine gemeinsame Konferenz ausgerichtet. Hintergrund: Bildung spielt für die Integration eine entscheidende Rolle, die Arbeit der beiden bei der Kreisverwaltung angesiedelten Einrichtungen muss sich daher ergänzen, um Erfolge verzeichnen zu können.