(pen) Die untere Landschaftsbehörde des Ennepe-Ruhr-Kreises sieht sich gezwungen, eine seit 1974 als Naturdenkmal eingestufte Rosskastanie in Sprockhövel-Haßlinghausen (Wittener Straße) fällen zu lassen. Grund dafür ist der Befall des Baumes mit einem Bakterium und damit zu erwartende Gefahren für die Verkehrssicherheit.
Bereits Anfang der 70er Jahre wurde die heute rund 180 Jahre alte Kastanie als selten schön gewachsenes Exemplar beschrieben. Aufgrund des Erscheinungsbildes und der imposanten Größe erfüllte der Baum auch die Ansprüche, die nötig sind, um als Naturdenkmal ausgewiesen zu werden. In der Folge ließ die untere Landschaftsbehörde die Rosskastanie regelmäßig kontrollieren und pflegen sowie die Kronen sichern. „Noch in diesem Frühjahr“, heißt es aus dem Kreishaus, „gingen die von uns beauftragten Experten davon aus, den wunderschönen Baum noch einige Jahre erhalten zu können. Diese Einschätzung hat sich bedauerlicherweise nicht bewahrheitet.“
Wie an der Belaubung der Krone deutlich erkennbar ist, hat sich die Vitalität des Baumes vielmehr innerhalb kurzer Zeit erheblich verschlechtert. Ein Eindruck, der durch ein Gutachten bestätigt wurde: Die Rosskastanie ist durch ein Bakterium (Pseudomonas) befallen, ihr Abwehrverhalten bricht zusammen und Schadpilze breiten sich schnell aus. Holzfäule lässt den Baum mehr und mehr absterben, dies führt innerhalb weniger Monate zu statischen Problemen. Durch die unkalkulierbaren Kronenschäden und die nur noch geringe Lebenserwartung der geschädigten Rosskastanie empfiehlt der Gutachter, den Baum aus Gründen der Verkehrssicherheit zu fällen.
„Der Baum ist heute unwiderruflich so stark geschädigt, dass wir für die Sicherheit der Menschen nicht mehr garantieren können. Das Fällen ist damit bedauerlicherweise ohne Alternative“, heißt es aus dem Schwelmer Kreishaus. Fallen wird die Rosskastanie voraussichtlich bereits in der nächsten Woche.
Stichwort Naturdenkmal
Als Naturdenkmale können Einzelschöpfungen der Natur wie Bäume, Baumgruppen oder Findlinge geschützt werden, deren besonderer Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen oder erdgeschichtlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit erforderlich ist. Im Ennepe-Ruhr-Kreis sind zurzeit 120 Bäume als Naturdenkmale ausgewiesen. Dabei handelt es sich überwiegend um alte Bäume.
Der Ennepe-Ruhr-Kreis kontrolliert jährlich die geschützten Bäume, um Schäden rechtzeitig festzustellen und die erforderlichen Pflegemaßnahmen zu veranlassen. Hierzu gehören: Die Entfernung toter Äste, der Einbau von Sicherungsseilen bei ausladenden Baumkronen, Wundbehandlung von Schnittstellen sowie die Sanierung des Baumumfeldes, insbesondere die Belüftung oder Düngung. Ein wesentlicher Teil der Kontrolle ist die Überprüfung der Standsicherheit. Sollte diese nicht mehr gewährleistet sein und geht von dem Baum eine Gefährdung für Menschen aus, muss auch ein Naturdenkmal gefällt werden.