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Pressemitteilung vom
01. Oktober 2013
Zahl der Asylbewerber im Landkreis steigt weiter

Kreis Kassel. Die Zahl der im Landkreis Kassel zu betreuenden Asylbewerber wird weiter steigen. „Wir haben bereits jetzt so viele neue Asylbewerberinnen und Asylbewerber zugewiesen bekommen, wie im gesamten Jahr 2012“, informiert Vizelandrätin Susanne Selbert. Von Januar bis Mitte September diesen Jahres wurden vom zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt 236 Menschen in den Landkreis Kassel zugewiesen – 2012 waren es insgesamt 237 Neuzuweisungen. Selbert: „Wir rechnen damit, dass in  diesem Jahr noch mindestens 200 weitere Asylbewerberinnen und  Asylbewerber im Landkreis Kassel aufgenommen werden müssen“.

 

Aktuell leben 524 Asylbewerberinnen und Asylbewerber im Landkreis Kassel. Insgesamt erhielten jedoch in 2013 717 Menschen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. „Die unterschiedlichen Zahlen belegen die Fluktuation bei den Asylsuchenden“, so Selbert weiter. Asylbewerberinnen und Asylbewerber können einen anderen Aufenthaltsstatus erhalten, sie reisen freiwillig zurück in die jeweiligen Herkunftsländer, werden abgeschoben oder sie wechseln zum Beispiel im Rahmen einer Familienzusammenführung ihren Wohnort in Deutschland, berichtet die Vizelandrätin.

Etwas weniger als die Hälfte der Asylbewerberinnen und Asylbewerber (218) leben in Privatwohnungen im Landkreis – 306 leben in Gemeinschaftsunterkünften. Selbert: „Unser Ziel ist es, möglichst viele Mietverhältnisse in Wohnungen zu realisieren, da diese Unterbringungsform die Integration und die Teilhabe am Leben in Deutschland am besten ermöglicht“.

 

„Ich würde mich freuen, wenn alle Vermieter, die noch freie Wohnungen zur Verfügung haben, sich mit unserem Fachbereich Soziales in Verbindung setzen und uns so helfen, den hilfesuchenden Menschen den Einstieg in ein geregeltes Leben in Deutschland zu erleichtern”, so die Vizelandrätin weiter. Bei der Unterbringung in Privatwohnungen werden die Mietverträge mit den Asylsuchenden geschlossen – der Landkreis übernimmt jedoch die Unterkunftskosten für die Asylbewerber. Gesucht werden insbesondere günstige größere Wohnungen ab 3-Zimmer aufwärts.

 

Da der Wohnungsmarkt im Landkreis jedoch nicht so flexibel auf die wachsende Zahl von asylsuchenden Menschen reagieren kann, werde der Landkreis die Kapazitäten in Gemeinschaftsunterkünften erhöhen müssen. Aktuell betreibt der Kreis eigene Gemeinschaftsunterkünfte in der Pommernanlage in Wolfhagen (95 Plätze belegt), im „Rosengarten“ in Vellmar (48 Plätze belegt) und in der „Rotten Breite“ bei Nieste (34 Plätze belegt). Außerdem gibt es noch von Privaten betriebene Gemeinschaftsunterkünfte in Fuldatal (105 Plätze belegt) und Helsa (24 Plätze belegt). In der Pommernanlage in Wolfhagen wird der Landkreis bis Ende des Jahres weitere 95 Plätze in einer selbst betriebenen Gemeinschaftsunterkunft schaffen. In allen Gemeinschaftsunterkünften werden die Asylbewerber durch Sozialpädagogen und Hausleiter betreut.

 

Die Asylbewerberinnen und Asylbewerber, die aktuell im Landkreis Kassel leben, kommen aus 36 verschiedenen Herkunftsländern. Die meisten Menschen stammen aus Afghanistan (77), Somalia (65), Serbien und Iran (jeweils 48) und dem Irak (33). Weitere häufiger vertretene  Herkunftsländer sind Armenien, Syrien, die Russische Föderation, das Kosovo und Eritrea.

 

Mit Sorge blickt Vizelandrätin Selbert auf die steigenden Kosten der Asylbewerberbetreuung für den Landkreis, die durch das Land Hessen nicht in voller Höhe erstattet werden. Da der Kreis nach dem Landesaufnahmegesetz nicht die tatsächlichen Kosten der Betreuung sondern nur eine Pauschale erhält, entsteht eine Deckungslücke, die bei steigenden Zuweisungszahlen „natürlich ebenfalls größer wird“. Der Landkreis erhält pro Asylbewerber pro Monat 407 Euro an Erstattung vom Land. „Die tatsächlichen Kosten sind allerdings weitaus höher“, betont Selbert.

 

 

Da viele Flüchtlinge eine medizinische Versorgung benötigen, sei es besonders problematisch, dass das Land erst ab einer Summe von 10.226 Euro pro Jahr die Kosten für die gesundheitliche Betreuung und Versorgung eines Asylbewerbers erstatte.

 

Seit 2009 habe der Landkreis über 6,2 Mio. Euro an Eigenmitteln für die Betreuung der Asylbewerberinnen und Asylbewerber übernommen. Für 2013 rechnet Selbert mit weiteren zwei Mio. Euro an notwendigen Deckungsmitteln aus dem Kreishaushalt. „Da die Zuweisungszahlen zumindest mittelfristig nicht weniger werden, wird die Kostenbelastung für den Kreis in den nächsten Jahren noch  weiter steigen“, ist sich die Vizelandrätin sicher. Die moralische und politische Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland, Flüchtlinge aus den Krisenregionen der Welt aufzunehmen, sei selbstverständlich. Selbert fordert daher mehr finanzielle Verantwortungsübernahme vom Land und vom Bund: „Die Kommunen dürfen mit der steigenden Kostenbelastung aber nicht wie bislang weitgehend alleine gelassen werden“.

 

Ein besonderer Dank gelte allen Beteiligten der verschiedenen Unterstützerkreise für die vom Kreis betriebenen Gemeinschaftsunterkünfte. „Wir sind sehr froh über diese gelebte Solidarität, die zeigt, dass eine große Bereitschaft in der Bevölkerung besteht, sich um Menschen zu kümmern, die in ihren Heimatländern vielfach unvorstellbaren Repressalien und Verfolgungen ausgesetzt sind“, bekräftigt Selbert.



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn

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LANDKREIS KASSEL
Pressesprecher
Harald Kühlborn
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