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Hanau, 16. Oktober 2013
Gerechtigkeitsbrunnen ist ein wichtiges Kleinod der Altstadt
Stadtumbau ermöglicht aufwendige Restaurierungsarbeiten

"Ein wichtiges Kleinod der Hanauer Altstadt wird in den nächsten Wochen restauriert und konserviert", freut sich Oberbürgermeister Claus Kaminsky über den Start der Restaurierungsarbeiten am Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Altstädter Markt. Ein Gerüst, das dieser Tage aufgebaut wurde, gewährleistet dem Restaurator einen sicheren Zugang in luftiger Höhe und dokumentiert gleichzeitig unübersehbar für die Passanten die begonnene Sanierung.

Steinrestaurator und Bildhauer Jens Engelhardt aus Mittelbuchen wird das historische Symbol städtischer Gerichtshoheit vor dem Deutschen Goldschmiedehaus in den nächsten Wochen fachmännisch sichern und Stück um Stück vorhandene Schäden beseitigen. Nachdem der Brunnen aus dem frühen 17. Jahrhundert 1977 letztmalig zum 675-jährigen Altstadtjubiläum aufgearbeitet worden war, hat inzwischen wieder sichtbar der Zahn der Zeit an dem Sandstein genagt: Staunässe, saurer Regen und Vandalismus haben die kunstvolle Steinkonstruktion in Mitleidenschaft gezogen, so dass der Sandstein jetzt gefestigt und durch sogenannte Antragungen ausgebessert werden muss. Damit können die Schadensprozesse am Sandstein aufgehalten und beendet werden.

Möglich wird die Restaurierung durch den Stadtumbau, der im Rahmen von „Kunst und Kultur im öffentlichen Straßenraum“ die notwendigen Gelder in Höhe von 13.500 Euro zur Verfügung stellt.

Bereits im Frühjahr 2013 hatte sich der Verein für Kunst und Kultur in Hanau e.V. um den Gerechtigkeitsbrunnen verdient gemacht. Wie OB Kaminsky erinnert, musste das Symbol der Gerichtsbarkeit Justitia lange Zeit auf ihr Schwert und ihre Waage verzichten, nachdem ihre Insignien gestohlen worden waren. „Dank des Engagements durch den Verein konnten Replikate gefertigt und ihr wieder in die Hand gegeben werden. Zum Zweck der Restaurierung wurden Schwert, Waage und auch das Brunnenrad nun demontiert, sicher eingelagert und werden nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder angebracht", kündigt der OB an.

 

Hintergrundinformationen zum Gerechtigkeitsbrunnen:

Bauzeit: 1610/1611.

Bauherr: Der Rat der Altstadt Hanau.

Material: Sandstein aus Miltenberg am Main.

Baumeister / Steinmetzen: vermutlich Gebrüder Büttner/Büdingen.

Aufgerichtet durch Maurermeister Daniel Fischenich (Vertrag vom 15. Mai 1611 zur "Erneuerung zweier „Brunnen [...] uf dem Markt"). Ursprünglich farbig gefasst durch Malermeister Michel Busch. Um den Brunnen herum standen früher Steinbänke zum Abstellen von Eimern.

Hier soll das beste Trinkwasser der Altstadt gefördert worden sein.

Alljährlich reinigte die Nachbarschaft den Brunnen.

Den Brunnen flankieren zwei kannelierte Säulen mit korinthischen Kapitellen als Auflager eines ganz im Stil der Renaissance mit Medaillons und Diamantierungen verzierten Architravs, das wiederum als Basis der von Löwenfiguren getragenen Wappen der Hanauer Altstadt und der Herren von Hanau-Münzenberg dient. Zwischen diesen wurde die vollplastische Darstellung der Justitia als Symbol kommunaler Gerichtsbarkeit platziert.

1767 wurde auf Geheiß des Erbprinzen Wilhelm das Altstädter Rathaus im Stil des Klassizismus renoviert, die Erker abgeschlagen, das Gebäude verputzt. Der Brunnen wurde (ohne ursprünglich sechseckigen Trog) in der Fassade des Rathauses vermauert.

1928 erfolgte die Rückversetzung auf den Platz als nicht mehr funktionierender Ziehbrunnen. Dabei wurde der neue runde Brunnenring gebaut.

Der Brunnen überdauerte glücklicherweise die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs.

Letztmalige Restaurierung 1977 zum 675-jährigen Altstadtjubiläum (1978).

Quellen: Denkmaltopografie Hanau 2006

Dr. Eckhard Meise über "Zwei Brunnenbauten in Hanau: Fischbrunnen (1605) und Gerechtigkeitsbrunnen (1611)“ in: Neues Magazin für Hanauische Geschichte des Hanauer Geschichtsvereins 1844 e.V. von 2004, S. 3 bis 26.



Pressekontakt: Stadt Hanau, Güzin Langner, Telefon 06181/295-929




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