Pressemeldung der Stadt Bocholt

Bocholt, 07. November 2013

Kultur: Stilles Gedenken an die Opfer der Progromnacht 1938

9. November ab 19.30 Uhr an der Gedenkstätte Europaplatz

Bocholt (PID) .

Am Samstagabend, 9. November, gedenkt Bocholt der Verbrechen der Pogromnacht 1938. Bürgermeister Peter Nebelo lädt dazu die Bevölkerung um 19.30 Uhr zum stillen Gedenken zur Gedenkstätte für die Synagoge vor dem Haus des Handwerks, Europaplatz 17, ein.

Anschließend werden Hermann Oechtering und Josef Niebur um 20.00 Uhr im Pfarrheim St. Georg unter dem Titel „In der Synagoge war alles total zerstört, man hatte innen regelrecht herumgewütet. Es herrschte ein Durcheinander …“ über die Geschichte der Synagoge in Bocholt und ihrer Verwüstung in der Pogromnacht 1938 sprechen. Zu Beginn wird sich Herbert Behnen an das Geschehen vor 75 Jahren erinnern. Behnen (82) erinnert sich an verwüstete Synagoge. „Als die Bocholter Synagoge verwüstet wurde, war ich siebeneinhalb Jahre alt, also noch ein Kind. Die Geschehnisse, die ich am nächsten Tag beobachten konnte, haben sich mir aber unauslöschlich eingebrannt: Am Tag danach lief ich durch die Nobelstraße, wo ich an der Synagoge vorbeikam. Ich scheute mich, dorthin zu gucken. Trotzdem nahm ich wahr, dass die Eingangstür offen stand und halb aus den Angeln gerissen war. Vor und hinter dem Zaun sah es wüst aus. Schnell lief ich nach Hause, im Magen ein komisches Gefühl.“ So fasst Herbert Behnen, der damals im Haus Nordwall 44 wohnte, seine Erlebnisse nach der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 zusammen.

Der heute 82jährige erinnert sich auch an die Villa Liebreich an der Westend-Kreuzung: „Die Tür der Villa stand offen. Aus den zerstörten Fensterscheiben hingen die Gardinen in Fetzen. Im Vorgarten lagen zerstörte Möbel und Bilder, überall waren zerrissene Papiere verstreut. Ich ging schnell weiter, denn ich hatte Angst“.

Alles hatte für die Bocholter Nazis im Schützenhaus begonnen, wo sie zu einer Feier für die „Opfer der Bewegung“ zusammengekommen waren. Wie ein jüngst im Stadtarchiv gefundenes Urteil von 1948 aussagt, waren 600 Bocholter dorthin befohlen worden. Gegen 22.30 Uhr zogen sie in kleinen Gruppen in die Stadt, ausgerüstet mit einer Skizze, in der alle von Juden bewohnten Häuser eingezeichnet waren. Die Synagoge in der Nobelstraße sollte niedergebrannt werden.

Dies geschah in Bocholt nicht. Karl Hülskamp, der neben der Synagoge wohnte, kam den tobenden Braunen lauthals entgegen und trat das bereits entzündete Feuer aus. Stattdessen wurde das Innere der Synagoge zerstört. Es gab kaum eine Wohnung, in der Juden wohnten, deren Einrichtung nicht zertrümmert wurde. Die Fensterscheiben wurden eingeworfen.

Pressekontakt: Stadt Bocholt - Fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands, Fachbereich Kultur und Bildung, Hans Hüls, Telefon +49 2871 252242, E-Mail: johannes.huels@mail.bocholt.de