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Hanau, 04. Dezember 2013
Wolfgang früher und heute
Neue Stadtteil-Chronik von Ilse Werder bei Bürgertreff vorgestellt

„Die Wurzeln aller Entwicklung liegen tief im historischen Waldesdunkel“. Mit diesem poetischen Einstieg beginnt ein neues Buch über Hanaus Stadtteil Wolfgang. Autorin Ilse Werder hat es erstmals beim jüngsten Bürgertreff Wolfgang vorgestellt.  Dabei ging es um die Entwicklung des Stadtteils, insbesondere auch um den Wohnungsbau auf dem ehemaligen Old-Argonner-Kasernengelände.  Oberbürgermeister Claus Kaminsky erinnerte daran, dass es beim Abzug der US-Armee vor fünf Jahren – entgegen heutiger weit verbreiteter Auffassung – noch häufig hieß, so viel zusätzlichen Wohnraum wie auf den Konversionsflächen könne Hanau nicht verkraften.

„Eine Erzählchronik“ nennt Werder ihr 296-seitiges Buch mit dem Titel „Wolfgang - Geschichte, Gegenwart und Ausblick“, herausgegeben vom Wolfgänger Geschichtsverein und erschienen im Hanauer CoCon-Verlag. Das trifft es, denn das reich bebilderte Geschichts- und Geschichtenbuch zeichnet sich durch lebendigen Stil und viele Stellen zum Schmunzeln aus. Etwa die, in der nachzulesen ist, dass 1502 das Wolfgangkloster nach häufigen Beschwerden über das Lotterleben der Mönche „aufgehoben“ und dem Spital in Hanau zugeordnet wurde. Diese Stelle mit der Überschrift „Krawalle, Gelage und Prügel“ hatte sich Werder unter anderem für eine kurze Lesung gewünscht; Vortragende war Ursula Theobald.

Neben einem langen Kapitel über gesellschaftliches Leben sind Militär- und Industriegeschichte beherrschende Themen der Wolfgang-Chronik. Dabei beschäftigt sich Werder ausführlich mit der Königlichen Pulverfabrik.

In diesem Zusammenhang erinnerte sie beim Bürgertreff an die 17 bis 22 jungen Mitarbeiterinnen, die im November 1889 bei einer der häufigen Explosionen ums Leben kamen.   Ihre Namen seien „nicht mehr feststellbar“, schreibt Werder. Für sie Anlass in die Runde zu fragen: „Denkt denn in Wolfgang niemand mehr an sie, diese Opfer der kaiserlichen Kriegsvorbereitung?“ Und sie fügte auffordernd hinzu: „Wolfgänger, lasst euch was einfallen. Ich bin sicher, das schafft ihr auch.“

„Erfreulich“ nannte sie die Zusammenarbeit mit dem Wolfgänger Geschichtsverein über die anderthalb Jahre, in denen die Chronik entstand. Es sei „nötig“ gewesen endlich eine „Gesamtsicht über diesen wechselvollen, wahrhaft dramatischen Ort zu versuchen“. Herausgekommen sei ein Werk „spannender als jeder erdachter Krimi“.

Die aktuelle Konversionsentwicklung in Wolfgang war das zweite bestimmende Thema des Bürgertreffs. Niko Rotschedl von der Lehrhöfer Park GmbH erläuterte, wie das Würzburger Unternehmen bestehende Bauten und Gelände der Old Argonner Kaserne für Wohnzwecke nutzen will. 800 bis 1000 Neubürger werden dort erwartet. Rothschedl sagte, er sei „immer wieder begeistert, wie viele Menschen  sich in Hanau für Konversion interessieren“. In Würzburg sei das nicht so.

OB Kaminsky hob hervor, dass auf dem Old-Argonner-Gelände stattlicher Baumbestand erhalten bleibe. Er erläuterte, dass die Stadt auch intensiv an der Planung für die Nachnutzung des Pioneer- und des Sportsfield-Geländes in Wolfgang arbeite.

Kaminsky kündigte an, dass sich in Wolfgang eine Apotheke ansiedle, womit ein lange gehegter Wunsch der Bevölkerung erfüll werde. Werner Kilschautzky, Leiter des Wolfgänger Bürgertreffs, begrüßte das und fügte hinzu, dass die Postversorgung im Stadtteil dringend zu verbessern sei.



Pressekontakt: Stadt Hanau, Joachim Haas-Feldmann, Telefon 06181/295-266

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