Am Runden Tisch Struktur für Flüchtlinge schaffen
Stadtrat Weiss-Thiel begrüßte zum Auftakt fast 40 Teilnehmende
Am Runden Tisch Asyl, zu dem Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel erstmals soziale und caritative Institutionen, Kirchengemeinden und Ortsbeiräte eingeladen hatte, wurde bereits die erste Idee geboren: In den Weihnachtsgottesdiensten wollen evangelische und katholische Kirchen die Menschen per Handzettel dazu aufrufen, der Stadt Wohnungen zur Unterbringung von Flüchtlingen zu vermieten. Vor dem Hintergrund weiter steigender Asylbewerberzahlen in Hanau soll gemeinsam eine Struktur geschaffen werden, um die Flüchtlinge bei der Bewältigung ihres Alltags zu unterstützen.
In der Brüder-Grimm-Stadt leben aktuell 260 ausländische Flüchtlinge vor allem aus Ghana, Somalia, Äthiopien, Afghanistan, Iran, Eritrea und Pakistan. Bis Ende des Jahres hat der Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises als zuweisende Behörde Hanau noch 18 weitere Asylbewerber angekündigt. „Unser Ziel ist es, die Menschen dezentral unterzubringen“, betonte Axel Weiss-Thiel vor den etwa 40 Teilnehmenden am ersten Runden Tisch Asyl im großen Lehrsaal der Hauptfeuerwache. Bislang sei dies auch gelungen. Je nachdem ob es sich um Einzelpersonen oder Familien handelt lebten sie in Wohnungen, zwei Wohnheimen oder einem Hotel. Doch mittlerweile seien die Unterbringungsmöglichkeiten nahezu ausgeschöpft.
„Wir müssen unsere sozialen Netze darauf einstellen, in Zukunft mehr Flüchtlinge zu versorgen, nicht nur mit Wohnraum, sondern auch mit Hilfsangeboten, damit sie sich in ihrer neuen Umgebung zurecht finden“, machte der Stadtrat deutlich. „Und das funktioniert nur, wenn wir die Ressourcen aller Akteure bündeln, die Hilfe organisieren.“ Unterstützung fordert er auch von Land und Bund, denn die Kommunen könnten die Kosten alleine nicht schultern. Lediglich 40 bis 45 Prozent würden vom Land Hessen erstattet. „Ich bin gespannt, ob und wie die Kommunen tatsächlich entlastet werden, wenn die neue schwarz-grüne Koalition ihre jüngste Ankündigung wahr machen sollte, die Integration von Migranten stärker als bisher voranzutreiben. Einerseits die Städte und Gemeinden zur Unterbringung zu verpflichten und sie dann andererseits bei der Lösung dieser Aufgabe alleine zu lassen ist keine faire Lastenverteilung.“
Neben der Werbung für Wohnraum für Flüchtlinge, die in den nächsten Tagen durch das Engagement der Hanauer Kirchengemeinden verstärkt wird, haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Runden Tischs darauf verständigt, zunächst alle Aktivitäten für Flüchtlinge zusammenzutragen, sei es auf hauptamtlicher oder ehrenamtlicher Basis. Diese Bestandaufnahme werde dann Grundlage für ein Gesamtkonzept sein, das alle Phasen einer neuen Willkommenskultur umfasst – vom Ankommen in Hanau bis zu langfristigen Integration in die Stadtgesellschaft. Das Diakonische Werk, die Diakonische Flüchtlingshilfe, die Caritas, der Internationale Bund, die Flüchtlingsinitiative Jugendliche ohne Grenzen und die städtische Freiwilligenagentur bilden künftig den Koordinationskreis, aus dem heraus auch ehrenamtliches Engagement gesteuert werden soll. Ein Schwerpunkt dieser Arbeit soll die Unterstützung in der Sprachförderung sein, da es im Asylverfahren keine finanziellen Mittel für staatliche Sprachkurse gibt. Der zweite Fokus richtet sich auf das Rekrutieren von Menschen, die sich als „Lotsen“ durch Behörden und die soziale Infrastruktur zur Verfügung stellen, vergleichbar mit den Stadtteilmüttern, die sich als Vertrauenspersonen und Multiplikatorinnen im Stadtteil Lamboy-Tümpelgarten bewährt haben.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Andrea Freund, Telefon 06181/295-488
|