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Hanau, 19. Dezember 2013
Ein Zoo in Steinheim und ein Filmstudio in Großauheim
Hortkinder sammelte Ideen für eine kinderfreundliche Stadt

Sie hätten gerne einen Zoo in Steinheim, ein Footballstadion nur für Kinder, ein Filmstudio, Bolzplätze und eine Kartbahn. Nahor, Max, Stefan, Yunus und Amelie würden Hanau gerne verändern. Als sogenannte „Stadtspieler“ konnten sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Ihre  Ideen fließen in die Datensammlung für die Bewerbung der Stadt Hanau um das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ ein, das UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk vergeben. Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Stadtgestaltung ist ein wichtiger Baustein im Aktionsplan, der im kommenden Jahr verabschiedet werden soll.

Ein Spielplan, der Hanau mit seinen Stadtteilgrenzen zeigt, liegt auf dem Tisch im Hort der Kinderburg Fallbach. Straßen fehlen, der Main, die Kinzig und die Bahnlinien geben Orientierung. „Hier ungefähr wohne ich, in der Hohen Tanne“, sagt Amelie und knetet eifrig die noch harte Bienenwachskugel. Wenn das Material durch die Wärme ihrer Hände geschmeidig geworden ist, soll sie daraus einer Idee Form geben, was ihrer Meinung nach in der Brüder-Grimm-Stadt fehlt. Ein Würfel entsteht, den sie in ihrem Stadtteil platziert. „Ich wünsche mir eine Schule von der ersten bis zur 13. Klasse, damit wir Kinder nach der vierten Klasse nicht auseinandergerissen werden.“

Die fünf zehn- bis elfjährigen Hortkinder, die die Hohe Landesschule und die Heinrich-Böll-Schule besuchen, haben sichtlich Spaß an dem „Stadtspiel“. Andrea  Pillmann von der Stabsstelle Prävention, die als Koordinatorin den Entwicklungsprozess zur Kinderfreundlichen Kommune begleitet, hat drei dieser Brettspiele für Stadtentwicklung und Kreativität zur Verfügung, die sie bereits an Institutionen wie Kirchengemeinden, an interessierte Jugendliche und an den Eigenbetrieb Kindertagesbetreuung ausgeliehen hat. Kinder ab zehn Jahren sind die Zielgruppe. Alle sechs Pilotstädte, die das Siegel anstreben, haben einen Spielplan  samt Aktionskarten erhalten, der an die tatsächlichen Gegebenheiten der jeweiligen Stadt angepasst wurde. Das Spiel geht auf ein  Bildungsprojekt des Vereins für Stadtteilmanagement, Regionalentwicklung und Gemeinwesenarbeit  mit Sitz in Hamburg zurück und dient als Instrument der Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung.

„Unsere Stadt mit ihrem großen Entwicklungspotential braucht den Blick der Kinder, denn sie sind die künftigen Erwachsenen, die hier leben, arbeiten und Familien gründen werden“, sagt Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel. Das sieht auch Amelie so: „Wenn ich als Kind Hanau nicht schön finde, würde ich wegziehen, wenn ich später mal eigene Kinder habe.“ Für Nahor (11) ist ganz klar: „Ohne uns wäre die Stadt dann ziemlich leer, deshalb sollten die Erwachsenen uns fragen und nicht nur machen, was sie wollen.“

An dem „Stadtspiel“ werde deutlich, „welches Potential in Kindern und Jugendlichen schlummert, auf das wir nicht verzichten dürfen“, ist Weiss-Thiel überzeugt. Das Verfahren auf dem Weg zur Kinderfreundlichen Kommune habe  aufgezeigt, „dass wir in Sachen Partizipation noch besser werden können“.  Hanau habe bereits in der  Vergangenheit positive Erfahrungen mit Beteiligungsprojekten gemacht, sei es bei der Gestaltung des Freizeitsparks im Hochgericht, beim Bürgerpark an der Friedrich-Ebert-Anlage oder in der Gärtnerstraße. 60 Kinder bei der jüngsten Planungswerkstatt zum  künftigen Wohngebiet am Venussee belegten das Bedürfnis der jüngeren Generation nach Mitwirkung in der Stadtgestaltung. Die Weiterentwicklung der Stadtteile, die bereits in ersten Workshops mit Bürgerbeteiligung  in Kesselstadt thematisiert worden ist,  soll in Zukunft  verstärkt für Kinder und Jugendliche geöffnet werden. Die Stadtspielerinnen und Stadtspieler in der Kinderburg Fallbach finden ohnehin, „dass in der Innenstadt schon genug passiert“, wie Max (11) meint. In den Stadtteilen fehle es noch an attraktiven Zielen für Ausflüge. Deshalb wünscht er sich in Großauheim ein Filmstudio, „am besten eines, bei dem wir Kinder auch mal als Statisten in Filmen mitspielen dürfen“. 

 

Zum Hintergrund: Die Initiative „Kinderfreundliche Kommune“ wird von UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk getragen. Sie gründeten gemeinsam den Verein „Kinderfreundliche Kommune“, in dessen Verantwortung das Projekt liegt.  Mit der Vereinbarung, die Hanau im August 2012 als erste von sechs Pilotstädten unterschrieben hatte,  bekennt sich die Stadt zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonventionen auf lokaler Ebene. Der Verein wird der Stadt  nach der Vorlage eines Aktionsplanes ein Gütesiegel verleihen, das sie als eine Kommune auszeichnet, die die Rechte von Kindern stärkt und Kinder und Jugendliche an der Stadtentwicklung beteiligt. Pilotstädte sind neben Hanau noch Köln, Regensburg, Wolfsburg, Weil am Rhein und Senftenberg.



Pressekontakt: Stadt Hanau, Andrea Freund, Telefon 06181/295-2488




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Die Stadtspieler Max, Nahor, Stefan, Amelie und Yunus mit ihrem Erzieher Markus Werner. Foto: Stadt Hanau


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