Pressemeldung der Stadt Bocholt

Bocholt, 23. Januar 2014

Ausstellung: "Sigmar Seif stand auf Schindlers Liste"

Bürgermeister Peter Nebelo eröffnet mit Benno Simoni Ausstellung im Stadtmuseum

Bocholt (PID) .

„Der Bocholter Sigmar Seif (1913-2009) stand auf ,Schindlers Liste'“ ist der Titel einer Ausstellung im Stadtmuseum. Sie wird am Montag, 27. Januar, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, um 19.30 Uhr durch Bürgermeister Peter Nebelo und Benno Simoni eröffnet.

Der in Berlin wohnende Großcousin von Sigmar Seif hat  mit vielen Informationen zur Ausstellung beigetragen. Ebenso Gast der Eröffnung wird Sallo van Gelder sein. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Aalten, der die Jahre 1943 bis 1945 im Versteck überlebte, hat viele Ritualgegenstände für den Sabbat-Tisch zur Verfügung gestellt. Hier  werden die ermordeten Eltern Salomon und  Regina Seif mit den fünf ermordeten Kindern symbolisch zur Sabbatfeier um einen Tisch versammelt. Allein Sigmar Seif überlebte die Shoah.

Durch eine eher beiläufige Internetrecherche erfuhren Josef Niebur und Hermann Oechtering, dass Sigmar Seif aus Bocholt auf der durch den Film „Schindlers Liste“ bekannten Liste von Oskar und dessen Frau Emilie Schindler gestanden hatte. „Der Rest war Recherche- und Sammlerarbeit, Stöbern in Büchern und viele Anfragen an Zeitzeugen, Archive und Museen.“, so die beiden Lokalhistoriker aus Bocholt. Dem um Hilfe gebetenen Benno Simoni gelang es, mit der in den USA lebenden Tochter Sigmar Seifs Kontakt aufzunehmen und das Hochzeitsfoto ihrer Eltern für die Ausstellung zu erhalten. Sigmar und seiner Frau Rosetta Seif war es im September 1944 gelungen, im Ghetto Theresienstadt zu heiraten.

Familie Seif war 1920, nach der Ausweisung aus dem heutigen Polen, nach Bocholt gekommen. Hier wurde Vater Salomon Kultusbeamter der israelitischen Gemeinde. Der damals siebenjährige Sohn Sigmar besuchte die israelitische Schule am Nordwall 26 und begann dann eine Ausbildung als kaufmännischer Angestellter. Nach der Pogromnacht 1938 floh Sigmar Seif am 29. November  nach Dinxperlo (Niederlande), am 8. Oktober 1939 zählte er zu den ersten Insassen des späteren Judendurchgangslagers Westerbork in Nordholland. Mit einer der letzten Deportationen kam er am  6. September 1944 von dort in das Ghetto Theresienstadt. Hier heiratete er Rosetta Levie, ein Lichtblick in einer ausweglosen Situation. Am 28. September 1944 wurde das Ehepaar weiter in das KZ-Außenlager Golleschau bei Auschwitz geschafft. An dieses Lager erinnerte sich Sigmar Seif 1946: „Ich …  habe Hunger gelitten, Schläge bekommen, sehr schwer in Polen in einem Steinbruch [arbeiten] müssen, sollte bereits beerdigt werden, aber der Wille zum Leben war stärker in mir. ...“  Zusammen mit 81 jüdischen Männern stellten ihn Oskar und Emilie Schindler auf ihre durch den Film „Schindlers Liste“ bekannte Transportliste und ließen die Männer in ihre Firma in Brünnlitz (heute Tschechien) bringen. Hier wurde Sigmar Seif am 10. Mai 1945 durch die Rote Armee befreit. Danach begann er mit Frau Rosetta und den Töchtern Regina und Betty in Rotterdam ein neues Leben. 1953 wanderten sie in die USA aus, wo Sigmar Seif im Jahre 2009 verstarb.

Ein abschließender Kurzvortrag von Josef Niebur und Hermann Oechtering geht dem Leben und Überleben von Sigmar Seif nach.

Die Ausstellung ist bis zum 26. Februar 2014 zu den Öffnungszeiten des Stadtmuseums zu sehen. Das Stadtmuseum ist täglich (außer montags) von 11 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr geöffnet, sowie jederzeit nach Vereinbarung.