22. Januar 2014. Die Stadt Kassel hat jetzt einen Auftrag zur wissenschaftlichen Untersuchung der politischen Biographien der drei ehemaligen Kasseler Oberbürgermeister Willi Seidel, Lauritz Lauritzen und Karl Branner vergeben. Mit Ergebnissen ist im Frühjahr 2015 zu rechnen.
Die aus der von J. Flemming und D. Krause-Vilmar 2013 herausgegebenen Veröffentlichung „Kassel in der Moderne“ hervorgehenden offenen Fragen zu den politischen Biographien der drei ehemaligen Oberbürgermeister Seidel, Lauritzen und Branner und insbesondere zu ihren politischen Haltungen in der NS-Zeit haben im vergangenen Jahr ein erhebliches Echo ausgelöst. Dies gilt insbesondere für die Diskussion über den Werdegang des späteren Oberbürgermeisters Branner in den Jahren zwischen 1933 und 1945, eines in den Nachkriegsjahrzehnten bekannten und beliebten Politikers. Vor diesem Hintergrund ist der Stadt Kassel an einer sachlichen Auseinandersetzung und einer besonnenen Bewertung der drei Politikerbiographien gelegen.
Mit der Untersuchung beauftragt wurde die Historikerin Sabine Schneider. Ihr stehen als Wissenschaftlicher Beirat die Professoren Eckart Conze (Marburg), Jens Flemming (Hamburg/Kassel) und Dietfrid Krause-Vilmar (Kassel) zur Seite, die das Forschungsprojekt begleiten und vertiefende eigene Forschungen beisteuern werden.
„Ich habe mich entschieden“, so Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD), „die alles andere als einfache Untersuchung der drei Politikerbiographien in die Hände ausgewiesener Wissenschaftler zu legen.“ Die Stadt erwartet eine fundierte biographische Rekonstruktion auf umfassender Quellengrundlage als Basis einer überzeugenden und konsensfähigen Bewertung. In der Untersuchung soll das Verhältnis Seidels, Lauritzens und Branners zum Nationalsozialismus sowie ihre Rolle in der NS-Zeit untersucht und dabei auch die Frage ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP oder anderen nationalsozialistischen Organisationen geklärt werden. Das Forschungsprojekt bezieht sich aber nicht nur auf die Zeit vor 1945, sondern auch auf den Umgang der drei Politiker mit der NS-Vergangenheit, insbesondere während ihrer Tätigkeit in der Kasseler Kommunalpolitik.
Es sei ein Gebot der Fairness, so übereinstimmend Oberbürgermeister Hilgen und die mit der Untersuchung befassten Wissenschaftler, vor Abschluss der Forschung weder Vorab-Freisprüche noch Vorverurteilungen vorzunehmen. Nur auf der Basis gründlicher Forschung und sachlicher Bewertung sei die ohne jede Frage notwendige stadtgesellschaftliche Diskussion zu führen.
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