Mit dem Bildungszentrum die Weichen für morgen stellen
Tümpelgarten profitiert von Erfahrungen der Brüder-Grimm-Schule
Im Tümpelgarten wird auf dem Gelände der derzeitigen Haupt- und Realschule ein Bildungszentrum stehen, in dem Eltern ihre Kinder vom Säuglingsalter bis zum Übergang an eine weiterführende Schule von 7 bis 17 Uhr gut versorgt wissen. „Wir bauen für Bildung“ nennt Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel seinen Plan in dem „aufstrebenden“ Stadtteil Lamboy-Tümpelgarten, in dem der Bedarf nach Ganztagsbetreuung stetig steige. „Wir müssen heute die Weichen für morgen stellen.“ Die neue Hessische Landesregierung habe das ebenfalls erkannt. „Wir nehmen sie beim Wort, dass der Ausbau der Ganztagsangebote an Grundschulen der Schwerpunkt der Landespolitik in den nächsten Jahren sein soll.“
„Wir stehen in der Bildungspolitik vor der großen Herausforderung, dass wir unsere Schullandschaft veränderten gesellschaftlichen Bedingungen anpassen müssen“, betont Weiss-Thiel. Sinkende Schülerzahlen bei gleichzeitig steigender Nachfrage nach Ganztagsbetreuung von den unter Dreijährigen bis zum Grundschulalter sowie die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention mit gleichen Bildungschancen in einem inklusiven Schulsystem erforderten ein radikales Umdenken. In diesem Veränderungsprozess müsse die Stadt ihre Ressourcen bündeln und dabei stets das große Ziel vor Augen behalten, „eine Infrastruktur bereit zu stellen, in der Eltern Beruf und Familie gut vereinbaren können und ihre Kinder bestmögliche Bildungschancen haben“. Damit folge die Stadt Hanau auch der Erkenntnis der pädagogischen Debatten der vergangenen Jahre, dass vor allem eine möglichst frühe Bildung und Förderung der Kinder für eine erfolgreiche Schullaufbahn sorgt.
Wenn 2019 die letzten Haupt- und Realschüler die Tümpelgarten-Schule mit ihrem Abschlusszeugnis verlassen, steht das Bildungszentrum 0 bis 10. „Wir bauen nicht nur ab, sondern vor allem auf: eine Grundschule, baulich und inhaltlich auf Inklusion eingestellt, und eine neue Kindertagestätte, in der Ganztagsbetreuung und Bildung noch enger miteinander verzahnt sind - ein Lern- und ein Lebensort.“
Die Brüder-Grimm-Schule in der Innenstadt mit 240 Kindern und 27 Lehrerinnen erprobt als Referenzprojekt mit Ganztagsangebot von 7.30 bis 15 Uhr sowie anschließender Betreuung im Hort bis 17 Uhr diesen zukunftsweisenden Bildungsansatz seit 2013 in der Praxis. Die Grundschule, der Hort der benachbarten Brüder-Grimm-Kita, die Volkshochschule, die Fachabteilungen Kinder- und Jugendarbeit sowie Erziehungshilfe sind in diesem Konzept eng verzahnt. Lehrerinnen, Erzieherinnen und pädagogische Mitarbeiter würden ein sich gegenseitig befruchtendes Team bilden, berichten unisono Schulleiterin Haide Nolte und Kitaleiterin Andrea Kropac. Der hessische Bildungs- und Erziehungsplan sowie der Entwicklungsplan Kindertagesbetreuung der Stadt Hanau sind ihre gemeinsame Basis. Da jede Profession ihren eigenen Blickwinkel darauf habe, sei es spannend sich darüber austauschen und im Sinne der Kinder auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.
„Eine gute Kommunikation ist die Grundvoraussetzung für das Gelingen des Modellversuchs Referenzschule“, das war Axel Weiss-Thiel von Anfang an wichtig. „Das galt bereits, als die Stadt unserer Schule das Angebot unterbreitet hat“, erinnert sich Haide Nolte. Der Diskussionsbedarf sei groß gewesen. Mehr als drei Monate dauerte der Entscheidungsprozess, bis sich Gesamtkonferenz und Schulkonferenz dafür entschieden, das Experiment zu wagen. Nach den Sommerferien 2013 ging es los. 120 Mädchen und Jungen nutzen derzeit das gemeinsame Ganztagsprogramm. Die Auswahl an Arbeitsgemeinschaften ist durch die Kooperation mit dem Hort und den externen Partnern groß. Sie reicht von Klassikern wie Basketball, Fußball, Kunst und Chor über Naturwissenschaften, Gärtnern und Backen bis zu Selbstverteidigung und Schwarzlicht-Theater. Der Modellversuch ist auf zwei Jahre angelegt. Die Ergebnisse will Axel Weiss-Thiel als „wertvollen Schatz“ für das künftige Bildungszentrum im Tümpelgarten nutzen.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Andrea Freund, Telefon 06181/295-488
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