Klanghaus und Lernstatt für Kassel - Musikakademie feiert 75jähriges Jubiläum

20. März 2014. Die Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“ blickt 2014 auf das 75. Jahr seit ihrer Gründung zurück. Etwa 180 junge Menschen aus 20 Nationen gehen heute einer Ausbildung zum / zur Instrumental- und Gesangspädagogen /-pädagogin an der traditionsreichen Kasseler Bildungs- und Kultureinrichtung nach. Die Musikakademie ist ein Ort gelingender Integration in Kassel: Viele Studierende ausländischer Herkunft lassen sich auch nach Abschluss ihre Studiums dauerhaft in Kassel und Umgebung nieder. Ohne sie, die zum Beispiel als Lehrkräfte an den Musikschulen der Region arbeiten, könnte das musikalische Bildungsangebot Nordhessens nicht aufrechterhalten werden. Unterrichtet werden die Studierenden durch 50 pädagogisch und künstlerisch hochqualifizierte Dozenten und Dozentinnen. Mit bis fünf Konzerten und Veranstaltungen pro Woche während der Unterrichtszeit ist die Musikakademie auch aus dem städtischen Konzertleben nicht wegzudenken.

Mit ihrem Programm im Jubiläumsjahr schlägt die Musikakademie einen Brücke von den schwierigen Begleitumständen ihrer Gründung 1939 hin zu einer heute an ihr selbst verständlich gelebten Kultur der Offenheit und der Internationalität. Oberbürgermeister Hilgen meint: „75 Jahre Musikakademie sind ein guter Anlass für ein Jubiläum. Die Musikakademie hat durch die an ihr selbstverständlich gelebte Kultur der Toleranz und der interkulturellen Begegnung die Schatten ihrer Gründung hinter sich gelassen und blickt auf eine erfolgreiche Entwicklung vor allem während der vergangenen Jahre zurück. Ich freue mich über das Engagement der Studierenden und Dozentinnen und Dozenten, die das Musikleben unserer Stadt seit vielen Jahren bereichern.“

Musikinteressierte Kasseler Bürgerinnen und Bürger erwartet in diesem Jahr ein vielfältiges Programm mit zahlreichen Veranstaltungen.

Eröffnet wird der Veranstaltungsreigen durch ein „Schweigekonzert“ am Mittwoch, 9. April, um 11 Uhr am Ort des 1939 zerstörten Aschrott- Brunnens vor der Treppe zum Rathaushaupteingang. Studierende und Dozenten der Musikakademie verneigen sich vor den Opfern nationalsozialistischer Gewalt und derer sinnlosen Zerstörungswut.

Am Sonntag, 6. Juli, lädt das Orchester der Musikakademie um 19 Uhr ein zu „maks open air“. Der Rathausinnenhof verwandelt sich an diesem weltmeisterschaftsfreien Tag zur musikalischen Partymeile mit sommerlichen Rhythmen und nicht besonders klassischen Klängen. Wer also eine Verschnaufpause im Fußballfieber genießen will, damit das Daumendrücken für Deutschland nachher noch besser gelingt, dem sei der Besuch dieses Konzerts empfohlen.

Am Mittwoch, 29. Oktober, 19 Uhr, bringen Dozentinnen und Dozenten der Musikakademie in einem Konzert „Entartet - verfemt“ Werke von Komponisten zu Gehör, die zwischen 1939 und 1945 keine Rolle in der Ausbildung spielen durften.

Am Mittwoch, 5. November lädt die Musikakademie dann um 19 Uhr zur Abendveranstaltung „Musik ohne Grenzen“, einem Workshop mit Podiumsdiskussion zur interkulturellen Musikpraxis.

Am Freitag, 21. November, 19 Uhr, Festakt in der Karlskirche

Am Samstag, 22. Dezember erfolgt der Abschluss mit einer Reihe von Wandelkonzerten im Konzertsaal der Musikakademie, im Bürgersaal und der Kirche St. Elisabeth. Chor und Orchester der Musikakademie unter Leitung von Alberto Bertino sowie kurze Programme aller Instrumental- und Gesangsklassen werden die Vielseitigkeit und das hohe Niveau künstlerischer Ausbildung einmal mehr unter Beweis stellen.

Hintergrund:

Seit 2012, mit der Einführung des Bachelorstudiengangs „Instrumental- und Gesangspädagogik“ kann die Musikakademie zum ersten Mal seit ihrer Gründung eigenständig einen vollakademischen und internationalen Studienabschluss vergeben. Gleichzeitig wurde sie durch eine Novellierung des entsprechenden Gesetzes in den Status einer Berufsakademie in Hessen erhoben. Bundesweit einmalig bieten daher die vier Musikakademien in Hessen (neben Kassel Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden) praxisintegrierende Bachelorstudiengänge an, bei dem der frühe Kontakt zur Arbeitswelt an Musikschulen im Vordergrund steht.

Die Absolventinnen und Absolventen der Musikakademie erwartet ein spannendes, in fachlicher Hinsicht anspruchsvolles Berufsfeld. Die musikalischen Bildungsangebote an den öffentlichen oder privaten Musikschulen auch in Nordhessen haben sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt. Im Mittelpunkt steht nicht mehr allein der klassische Einzelunterricht, wie er die Musikschulen über Jahrzehnte prägte. Vielmehr bestehen heute vielfältige Kooperationen von Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen im Bereich des Klassenmusizierens, des Chorsingens oder Musiktheaters für Kinder. Darüber hinaus haben sich auch andere Formen der Zusammenarbeit mit Kindergärten, anderen Bildungs- und Sozialeinrichtungen entwickelt. Lehrkräfte an Musikschulen stehen daher vor großen fachlichen und pädagogischen Herausforderungen. Gesucht werden vielseitige musikalische Persönlichkeiten mit hoher fachlicher und künstlerischer Kompetenz sowie großer pädagogischer Flexibilität, die es verstehen, Menschen unterschiedlichen Alters, kulturellen und sozialen Hintergrunds für Musik und Musizieren zu begeistern.

Um diesem Ziel eines praxis- und berufsfeldorientierten Studienangebot gerecht zu werden und die Studierenden angemessen auf die sie erwartenden Herausforderungen vorzubereiten, wurde mit der Einführung des Bachelorstudiengangs „Instrumental-/Gesangspädagogik“ an der Musikakademie im Jahr 2012 ein Netzwerk mit öffentlichen Musikschulen, dem Deutschen Tonkünstlerverband und anderen Bildungs- und Kulturträgern in Nordhessen ins Leben gerufen.

75 Jahre sind aber auch ein Anlass, den Blick zurück zu richten: Am 01.10.1939 wurde die traditionsreiche Einrichtung aus dem Zusammenschluss zweier privater Konservatorien in Kassel ins Leben gerufen. Auch wenn damals für viele Kulturschaffende und kulturinteressierte Bürgerinnen und Bürger Kassels die Gründung einer Musikakademie in städtischer Trägerschaft endlich dem guten Ruf der professionellen musikalischen Ausbildung in Kassel gerecht wurde, stand die Geburtsstunde der Musikakademie unter der nationalsozialistischen Politik der Gleichschaltung, die auch das Musikleben und die Musikerziehung umfasste.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen beträgt 8 Euro. Einen ermäßigten Eintritt zu 6 Euro erhalten Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Schwerbehinderte gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises.

Kartenverkauf erfolgt an der Abendkasse. Telefonisch können Karten bei der Musikakademie unter 0561 /787 4180, per Fax unter 0561/787 4188 oder per E-Mail unter musikakademie@kassel.de vorbestellt werden.

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