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Hanau, 21. Mai 2014
„Wir hätten es kaum besser planen können“
OB Kaminsky widerspricht Kritik am Grundstücksverkauf „Bäckerinnung“

„Wer heute von Fehlplanung und falsch eingesetztem Steuergeld spricht, beweist damit einen gewissen Dilettantismus in der Bewertung der Faktenlage und historischen Entwicklung,“ reagiert  Oberbürgermeister Claus Kaminsky mit klaren Worten auf die jüngsten Vorwürfe im Zusammenhang mit einem aktuellen Grundstücksgeschäft der Stadt und erinnert daran, dass im vorliegenden Fall eine seit geraumer Zeit ungenutzte städtische Brachfläche endlich einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden und der städtische Haushalt eine beträchtliche Einnahme verbuchen konnte.

Ein Hanauer Geschäftsmann will das städtische Areal an der Friedrich-Ebert-Anlage zu einem Gesamtpreis von 807.000 Euro erwerben. Die Stadtverordneten beschlossen diesen Verkauf am vergangenen Montag immerhin einstimmig bei nur drei Enthaltungen. Im Nachgang zu dieser Entscheidung wurde jedoch Kritik am vermeintlich zu niedrigen Verkaufspreis laut.

„Es zeugt von fachlicher Unkenntnis, wenn man Bodenrichtwerte und Preise für bebaute Grundstücke miteinander vergleichen will“, attestiert Manfred Gutberlet, Leiter des Fachbereichs Grundstücke und Logistik, der von dem früheren Stadtrat Dr. Ralf –Rainer Piesold aufgestellten Rechnung, dass sie „Äpfel und Birnen miteinander vergleicht“. Wer sich die Grundlagen des Kaufvertrages von November 2005 genau anschaue, so der städtische Fachmann, könne auf Anhieb nachvollziehen, dass seinerzeit bei der Kaufpreisfindung der Gebäudewert und der Bodenwert getrennt ausgewiesen wurden. Betrachte man die Bewertung für den Bodenwert, werde deutlich, dass dieser auf ähnlichem Niveau wie heute lag.

Die Chronologie der Ereignisse zeigt nach den Worten von Oberbürgermeister Kaminsky darüber hinaus deutlich, dass die Kritik an den Haaren herbeigezogen ist, denn am Anfang aller Überlegungen vor mehr als zehn Jahren habe schließlich nicht eine Vermarktung des Grundstücks der Bäckerinnung gestanden , sondern der dringend erforderliche Neubau einer Hauptfeuerwache. Diese Notwendigkeit sei damals unstrittig gewesen. In Frage gekommen seien dafür  zwei Standorte, die Entscheidung fiel nach reiflicher Überlegung für den bisherigen Platz in der Steinheimer Straße.

Um den notwendigen Platzbedarf für die Feuerwehr sicherzustellen, habe man unter dieser Voraussetzung das benachbarte Grundstück der Bäckerinnung zwingend gebraucht. In der Abwägung der wirtschaftlichen Aspekte sei dieser Ankauf inklusive eines Abrisses des bestehenden Gebäudes berücksichtigt worden. Der Alternativ-Standort Cranachstraße habe zudem den Nachteil aufgewiesen, dass die Fläche mit 8.300 m² um rund 3.000 m² kleiner als der Standort Steinheimer Tor gewesen sei. Die Umgebungsbebauung hätte zudem keine Erweiterung zugelassen. Dies hätte nicht nur zu immensen Mehrkosten für Tiefgarage und Mehrgeschossbebauung geführt, sondern auch den Zeitaufwand im Betrieb unnötig erhöht. Allein für Grundstücks- und Abbruchkosten, Tiefgarage und überfahrbaren Lagerraum sahen die Planungen 3,8 Millionen Euro vor. Die Experten der Feuerwehr hielten den Standort Cranachstraße unter diesen Umständen für ungeeignet. Im Herbst 2005 habe die Stadtverordnetenversammlung schließlich die Entscheidung zugunsten der Steinheimer Straße getroffen.

„Wir haben dann aber einen guten Standort für einen besseren aufgegeben“, erinnert Kaminsky daran, dass sich die neue Option im Stadtteil Lamboy auf dem früheren Hutier-Gelände erst knapp zwei Jahre später aufgetan hat. Aus heutiger Sicht sei es sogar als glücklicher Umstand zu bezeichnen, dass man mit dem Bau der neuen Hauptfeuerwache noch nicht begonnen habe, als im Frühsommer 2007 der geplante Abzug der Amerikaner bekannt wurde. Sonst wäre die positive Entwicklung, die dadurch möglich wurde, nicht vorstellbar, so der OB und verweist darauf, dass heute auf dem ehemals militärisch genutzten Gelände nicht nur die Hanauer Feuerwehr ein neues zeitgemäßes Domizil gefunden hat, sondern darüber hinaus auch Platz für ein Gefahrenabwehrzentrum geschaffen werden konnte.

Darüber hinaus wurden in der sich daraus ergebenden Konstellation weitere wichtige Impulse für die Stadtentwicklung gegeben. „Wenn wir schon das „Was-wäre-wenn“-Spiel spielen, dann bitte aber mit allen Facetten“, so der OB, und verweist auf die positive Strahlkraft der Wohnbebauung der Deutschen Reihenhaus AG auf dem früheren Bepo-Gelände, das als Alternativ-Standort für die Feuerwache unter wirtschaftlichen sowie feuerwehrtechnischen Gesichtspunkten verworfen worden war. Ähnliches gelte für den alten Standort an der Steinheimer Straße, wo das auf dem früheren Feuerwehr-Gelände untergebrachte Kinopolis-Parkhaus im vergangenen Jahr Parkgebühren in Höhe von 155.000 Euro erwirtschaftet habe. „Ganz zu schweigen von den Einnahmen bei der Grund-und Gewerbesteuer, die durch die Ansiedlung von Kinopolis in den städtischen Haushalt fließen.“

Gerade auch unter städtebaulichen Aspekten müsse man heute „froh und zufrieden“ über den zeitlichen Ablauf der Ereignisse sein, so der OB. Man stelle sich kurz vor, die Stadt hätte das Gebäude seinerzeit nicht erworben und abgerissen, dann stünde heute „an einer höchst exponierten Stelle am Stadteingang ein Mahnmal des Zerfalls“, denn für einen privaten Investor wäre Kauf und Abriss wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen. „So haben wir letztlich die Voraussetzungen geschaffen, dass wir eine optisch ansprechende Lösung bekommen können, die an dieser Stelle hervorragend mit den bisherigen Nutzern wie Parkhaus GmbH und Kinopolis korrespondiert.“

„Ich bedauere es auch, dass wir das Areal nicht schon früher wirtschaftlich verwerten konnten“, nimmt Oberbürgermeister Claus Kaminsky schließlich nach eigenen Worten eher amüsiert zur Kenntnis, dass sich mit dem früheren Wirtschaftsdezernent Piesold jetzt ausgerechnet jener Verantwortliche zum Kritiker macht, der eine lohnende Vermarktung lange in der Hand gehabt hätte, ohne diese tatsächlich realisieren zu können. „Das hätte uns in der Tat Zinsverluste erspart“, kommentiert Kaminsky und ergänzt abschließend, dass dies aber die Freude über den positiven Abschluss zum jetzigen Zeitpunkt nicht schmälern könne.



Pressekontakt: Stadt Hanau, Güzin Langner, Telefon 06181/295-929

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