20. Verlegung von Stolpersteinen erinnert an Bewohner der Pfeifferschen Stiftungen
Erinnerungsmale werden am kommenden Montag verlegt
Ottostadt Magdeburg.
Zum 20. Mal werden in Magdeburg Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus gesetzt. Der Arbeitskreis „Stolpersteine für Magdeburg" verlegt am kommenden Montag (21. Juli) um 14.00 Uhr insgesamt 27 neue Stolpersteine an der Pfeifferstraße 3 und 5-7. Interessierte Magdeburgerinnen und Magdeburger sind eingeladen, an den Einweihungen teilzunehmen und der Opfer zu gedenken.
„Mit den neuen Stolpersteinen erinnern wir an 26 geistig und körperlich behinderte Bewohner der Pfeifferschen Stiftungen, die während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden", so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. „Wir gedenken damit ehemaliger Mitbürger und setzen ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen der Nazidiktatur in unserer Stadt."
Die 27 Stolpesteine (26 je Person und ein zusätzlicher Stein mit einer Erklärung) werden am kommenden Montag verlegt. Der erste Teil der Verlegung beginnt um 14.00 Uhr an der Pfeifferstraße 3 und erinnert an Karl Ernst Erich Adler (ermordet mit 46 Jahren), Albert Fritz Arent (ermordet mit 29 Jahren), Otto Baehr (ermordet mit 34 Jahren), Richard Brauer (ermordet mit 58 Jahren), Franz Braun (ermordet mit 52 Jahren), Walter Emil Eilfeld (ermordet mit 16 Jahren), Otto Elsner (ermordet mit 26 Jahren), Hermann Fey (ermordet mit 32 Jahren), Bruno Franz (ermordet mit 32 Jahren), Erich Emil Fricke (ermordet mit 39 Jahren), Friedrich Carl Gössner (ermordet mit 40 Jahren), August Hermann Gutewort (ermordet mit 75 Jahren) und Guido Hesse (ermordet mit 52 Jahren).
Der zweite Teil der Stolpersteinverlegung findet an der Pfeifferstraße 5–7 (Haus „Bethanien“) statt und erinnert an Otto Hüttepohl (ermordet mit 29 Jahren), Willy Keil (ermordet mit 36 Jahren), Bernhard Kunze (ermordet mit 22 Jahren), Friedrich Otto Litte (ermordet mit 52 Jahren), Pankraz Möser (Alter unbekannt), Rudolf Moser (ermordet mit 34 Jahren), Bernhard Quappe (ermordet mit 39 Jahren), Erich Rasch (ermordet mit 20 Jahren), Paul Roboldt (ermordet mit 37 Jahren), Emil Rulff (ermordet mit 32 Jahren), Hermann Sack (ermordet mit 38 Jahren), August Walter Schiedung (ermordet mit 35 Jahren) und Alfred Ullrich (ermordet mit 32 Jahren).
Die 26 geistig und zum Teil körperlich behinderten Männer wurden aufgrund eines Befehls von Hitler ermordet, der im Oktober 1939 befohlen hatte, dass „nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken (...) der Gnadentod gewährt werden kann“. Die Magdeburger hatten mehr als zehn Jahre im Haus „Bethanien“ der Pfeifferschen Stiftungen gelebt, bevor sie am 19. Februar 1941 zunächst nach Altscherbitz gebracht wurden. Am 18. April 1941 wurden sie in Bernburg mit Gas ermordet.
Mit der Verlegung der neuen Stolpersteine steigt die Gesamtzahl dieser Erinnerungsmale im Stadtgebiet auf nunmehr 372. In die Messingoberfläche sind die Namen und biografischen Daten der Opfer, der Zeitpunkt der Deportation und der Deportationsort eingraviert. Seit 1997 setzt der Kölner Künstler Gunter Demnig diese zehn mal zehn Zentimeter großen Betonquader mit eingelassener Messingplatte in den Boden vor ehemalige Wohnhäuser und Wirkungsstätten von Opfern des Nationalsozialismus.
Finanziert werden die Erinnerungsmale ausschließlich durch Spenden. „Die Bereitschaft, mit Spenden die Patenschaft für die Stolpersteine zu übernehmen, verdient Dank und Anerkennung. Je mehr Menschen dieses Projekt mit einer Spende unterstützen, umso mehr Steine können weiterhin verlegt werden", wirbt Dr. Lutz Trümper gleichzeitig auch für die künftige Unterstützung in der Bürgerschaft.
Ein Stein kostet 120 Euro. Hinzu kommen 25 Euro für die Dokumentation in einem „Magdeburger Gedenkbuch“, das möglichst viele Angaben über Leben und Schicksal der ermordeten Menschen aufnimmt. Das Buch wird zusammengetragen von Vereinen, Initiativen, Schulklassen sowie Einzelpersonen und widmet sich der Spurensuche nach dem Lebensweg der Ermordeten.
Spenden für künftige Verlegungsaktionen von Stolpersteinen können auf folgendes Konto überwiesen bzw. eingezahlt werden: Kontoinhaber: Landeshauptstadt Magdeburg, IBAN: DE02 8105 3272 0014 0001 01, BIC: NOLADE21MDG, Verwendungszweck: 37 99 43 11/Stolpersteine
Für Fragen und weitere Informationen zu den Stolpersteinen stehen die Mitarbeiter des Kulturbüros der Stadtverwaltung unter der Rufnummer 03 91/5 40 21 34 zur Verfügung.
Hintergrundinformationen
Der Magdeburger Stadtrat hat 2005 auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beschlossen, sich der Möglichkeit des Erinnerns und Gedenkens durch so genannte Stolpersteine vor Hauseingängen und auf Gehwegen anzuschließen, von denen es mehr als 35.000 in über 750 Städten und Gemeinden in Deutschland und anderen Ländern Europas gibt.
Einen regelmäßig aktualisierten Stadtplan mit den Verlegeorten der Stolpersteine und weitere Informationen sind im Internet unter www.magdeburg.de/stolpersteine zu finden.
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