Stellungnahme von OB Dr. Lutz Trümper zur geplanten Hochwasserschutzmaßnahme an der Zollstraße
Echo auf Medienberichte
Nach dem verheerenden Hochwasser 2013, bei dem wir mit allergrößter Mühe und einem enormen Personaleinsatz von bis zu 3000 Menschen in den Spitzenzeiten den Werder glücklicherweise vor einer dramatischen Überschwemmung retten konnten, scheinen die Bilder des vergangenen Jahres heute zunehmend aus dem Gedächtnis zu verschwinden.
Nach dieser Situation habe ich dem Stadtrat im Juli 2013 einen 10-Punkte-Plan mit Maßnahmen für einen besseren Hochwasserschutz vorgelegt. Zu diesen Maßnahmen gehört unter anderem, den Werder auf beiden Seiten - also Zollstraße und Oststraße - so zu verbauen, dass ein Hochwasser das Gebiet auf keinen Fall überschwemmen kann. Diese Maßnahmen sind in Bürgerversammlungen vorgestellt worden und trafen dort auch auf große Zustimmung.
Ab Herbst des vergangenen Jahres haben dann Experten mit Fachplanern entsprechende Arbeiten aufgenommen und hierfür ein Konzept entwickelt. Bis zum Frühjahr dieses Jahres gingen wir stets davon aus, dass die dort vorhandenen Linden in der Zollstraße erhalten werden können und sich die Baumaßnahmen daran orientieren.
Es ist für mich selbstverständlich, dass ohne Not niemand auf die abstruse Idee kommt, einfach 100 Jahre alte Bäume zu fällen. Bauzeit und Kosten sind hierbei keine Argumente für die Entscheidung. Allerdings ist mir dann im Frühjahr dieses Jahres von allen beteiligten Planern und Fachexperten meiner Verwaltung aus Tiefbauamt und Umweltamt eindringlich empfohlen worden, dass die Fällung und die Neupflanzung der Bäume die sinnvollste Lösung ist. Diese Variante ist dann wiederum in einer Bürgerversammlung am 15. Juli 2014 vorgestellt worden. Natürlich gab es in dieser Versammlung auch Stimmen, die den Baumerhalt gefordert haben, allerdings hat die Mehrheit die Präsentation und die Erklärungen dazu akzeptiert.
Ich kann mich als Oberbürgermeister nicht einfach über die fachlichen Argumente meiner Ämter hinwegsetzen und eine Entscheidung aus dem Bauch heraus treffen, die in der Endkonsequenz dazu führen kann, dass bei Sturm einer der dann zuvor durch Wurzelvernichtung und Beschneidung der Baumkrone extrem geschädigten Bäume umfällt und damit die Gefahr besteht, dass Menschen extrem gefährdet und Sachgüter geschädigt werden. Von daher bitte ich um Verständnis, dass die Entscheidung für diese Maßnahme so getroffen werden muss.
Was eine Neupflanzung von Bäumen bewirken kann, verdeutlicht heute eindrucksvoll die Situation in der Hegelstraße.
Abschließend darf ich nochmals daran erinnern, dass die Maßnahmen der Stadt mit dem Verbau von Sandsäcken und dem Einsatz von tausenden Hilfskräften in einer noch günstigen Wettersituation für die Stadt trotzdem einen Finanzbedarf in Höhe von 12 bis 13 Mio. Euro ausgelöst hat. Dies kann man nicht bei jedem zu erwartenden Hochwasser wiederholen. Auch deshalb sind die Hochwasserschutzmaßnahmen ohne Alternative. Niemand konnte bei der Besiedlung und Bebauung des Werders vor über 100 Jahren davon ausgehen, dass mit Hochwassersituationen von 7,50 m und mehr zu rechnen ist.
Dr. Lutz Trümper
Oberbürgermeister der
Landeshauptstadt Magdeburg
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