Landeshauptstadt Magdeburg will Pflege zu Hause stärken
Sozialdezernat plant Maßnahmepaket
Mit über 42 Prozent wird in Magdeburg ein weitaus größerer Anteil pflegebedürftiger Menschen in Heimen gepflegt als in allen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten Sachsen-Anhalts. Das städtische Sozialdezernat will diesem Trend nun mit einem ganzen Maßnahmenbündel entgegenwirken. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit den Pflegekassen, Wohlfahrtsverbänden, privaten Pflegediensten, Wohnungsunternehmen und Projekten Ehrenamtlicher.
„Magdeburg verfügt über ein vergleichsweise gut ausgebautes Hilfesystem in der Pflege“, so der Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit Hans-Werner Brüning. „Kaum eine andere Kommune in Sachsen-Anhalt kann auf einen Sozialen Dienst, ein Zentrales Informationsbüro zum Thema Pflege, eine Beratungsstelle zur Wohnraumanpassung sowie ein Netz von fünf Alten- und Service-Zentren und zehn Offenen Treffs als Basisinfrastruktur für ältere Menschen verweisen.“
Dennoch glauben offensichtlich viele Pflegebedürftige und deren Angehörige nicht an die Möglichkeit einer gesicherten Pflege in der eigenen Wohnung, so dass die Pflege in einem Heim oftmals bevorzugt wird. Auch die seit 2008 bestehende Kooperation der Stadt mit den Pflegekassen im Rahmen der Vernetzten Pflegeberatung hat daran offensichtlich nichts ändern können.
„Bei einer Auslastung der in Magdeburg befindlichen Heime von weit 90 Prozent und unter dem Eindruck von Wartelisten kann jedoch nicht abrupt umgesteuert werden“, meint Hans-Werner Brüning angesichts des geplanten Neubaus zweier Pflegeheime von der städtischen Gesellschaft Wohnungen und Pflege. „Weil die Menschen besser über die Hilfsangebote informiert sein müssen, um ambulante Pflegemöglichkeiten in Erwägung ziehen zu können, beginnen wir unsere Kampagne mit einem neuen Faltblatt, das zum Beispiel auf eine zentrale Rufnummer mit Lotsenfunktion im Bereich der Hilfen im Alter und bei Pflege aufmerksam macht.“
Unter der Telefonnummer 03 91/5 40 40 40 kann man sich ab sofort montags bis freitags von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr über alle entsprechenden Angebote informieren. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Zudem ist das neue Faltblatt im Sozial- und Wohnungsamt, im Rathaus, in den Alten- und Service-Zentren und den Bürgerbüros erhältlich sowie online unter www.magdeburg.de abrufbar.
Zu den Maßnahmen, mit denen eine Trendwende zur Pflege in der eigenen Wohnung oder in kleinen quartiersverbundenen Pflegeeinrichtungen erreicht werden soll, gehört insbesondere auch die Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit, um mehr Menschen vor dem Eintreten der Pflegesituation mit den notwendigen Informationen zu erreichen. In diesem Zusammenhang kommt den Hausärzten eine Schlüsselrolle zu.
Entsprechendes Interesse hat der Beigeordnete auch bei einem Gespräch Ende Mai dieses Jahres mit dem Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts, Martin Wenger, festgestellt. „Wir wollen die Hausärzte für eine Zusammenarbeit gewinnen, blickt Hans-Werner Brüning voraus. „So soll zukünftig Menschen mit Pflegebedarf die Rückkehr in die eigene Wohnung nach einer Krankenhausentlassung durch rechtzeitiges Bereitstellen notwendiger Informationen erleichtert werden.“
Geplant sind zudem spezielle Beratungstage, Pflegekurse und Informationsveranstaltungen in den Alten- und Service-Zentren zu Themen des Alters und des Älterwerdens. Auch der besondere Unterstützungsbedarf für an Demenz erkrankte Menschen und deren Angehörige soll dabei berücksichtigt werden.
„Unsere Ziele erreichen wir nur durch eine intensive Zusammenarbeit mit allen wichtigen Akteuren des Gesundheits- und Sozialwesens in Magdeburg“, gibt sich der Beigeordnete überzeugt. „Dazu ist für das vierte Quartal dieses Jahres die Gründung eines Netzwerkes unter dem Motto ‚Gute Pflege Magdeburg’ geplant. Ein solches Netzwerk benötigt eine entsprechende Koordination. Diese Aufgabe wird zunächst vom Sozial- und Wohnungsamt wahrgenommen.“
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