Attraktive Lesungen mit Chaussy, Goerz, Tenenbom und Birthler
Fünf Jahre erfolgreiche Kooperation von Stadtbibliothek und LpB
Ottostadt Magdeburg.
Bereits seit mehr als fünf Jahren kooperiert die Stadtbibliothek Magdeburg sehr erfolgreich mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt. Beide Institutionen bieten in den kommenden Wochen mehrere überaus attraktive Veranstaltungen: Am 23. Okt. liest Ulrich Chaussy aus seiner Dokumentation „Oktoberfest. Das Attentat“, am 11. Nov. stellt Anja Goerz ihr Buch „Der Osten ist ein Gefühl. Über die Mauer im Kopf“ vor. Am 17. Nov. erwartet die Stadtbibliothek Tuvia Tenenbom, der aus seinem neuen Buch „Allein unter Juden“ lesen wird und am 2. Dez. wird Marianne Birthler erwartet. Die ehemalige Leiterin der Stasi-Unterlagenbehörde präsentiert ihre Erinnerungen mit dem Titel „Halbes Land. Ganzes Land. Ganzes Leben“.
Rund 25 gemeinsame Veranstaltungen haben die Stadtbibliothek und die Landeszentrale für politische Bildung seit 2009 organisiert. Fast immer wurden dabei historische oder gegenwärtige politische Themen aufgegriffen. Das Spektrum reicht von Krieg und Vertreibung, Anpassung und Widerstand, deutscher Teilung und Widervereinigung bis hin zu Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.
„Die Stadtbibliothek ist nicht nur ein Ort der Begegnung mit Büchern und Medien, sondern auch ein Ort, an dem man den ‚Machern’ dieser Bücher begegnen kann“, so Magdeburgs Beigeordneter für Kultur, Schule und Sport, Dr. Rüdiger Koch. “Mit den Lesungen in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung mischt sich die Bibliothek ein in aktuelle Debatten, so z. B. zum Umgang mit Israel oder der deutschen Teilung. Sie leistet damit einen beachtenswerten Beitrag zu gesellschaftspolitischen Diskursen.“
Zur langjährigen erfolgreichen Kooperation zwischen Stadtbibliothek Magdeburg und Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt gehört auch die regelmäßige Präsentation von Angeboten und Veranstaltungen auf der jährlichen Meile der Demokratie.
Zudem unterstützt die Landeszentrale für politische Bildung in diesem Jahr die Herausgabe der Magdeburger Schriften. Der Jahresband 2014 mit dem Titel „Magdeburg im Ersten Weltkrieg. Eine Stadt an der Heimatfront“ wird im November erscheinen.
„Politische Bildungsarbeit muss die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern suchen“, betont Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung. „Die kontinuierliche und enge Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Magdeburg bietet die ideale Voraussetzung dafür, auch Personen zu erreichen, die den Weg in die Landeszentrale für politische Bildung vielleicht nicht finden oder suchen würden“.
Lesungen in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung:
Donnerstag, 23. Oktober 2014 Stadtbibliothek Magdeburg, Zentralbibliothek, 19.30 Uhr Lesung mit Ulrich Chaussy Oktoberfest. Das Attentat Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt Eintritt frei
Das Attentat auf dem Münchner Oktoberfest vom 26. September 1980, das 13 Tote und mehr als 200 Verletzte forderte, war der blutigste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Ulrich Chaussys Zweifel an dem Ergebnis der Ermittler, es habe sich um die Tat eines labilen Einzelgängers gehandelt, führten ihn zu Jahrzehnten hartnäckiger Recherche, oft gegen die Widerstände der verantwortlichen Behörden. Immer wieder meldeten sich Hinweisgeber und Zeugen bei ihm - bis heute. Sie verstärken den Eindruck, dass die zuständigen Stellen nicht willens waren, konsequente Ermittlungen in der rechtsextremistischen Szene zu führen, eine erschreckende Parallele zu den Ermittlungspannen im Fall der NSU-Morde. Chaussys Recherchen führen zu neuen Erkenntnissen, die erstmals in diesem Buch präsentiert werden.
Ein Lehrstück des investigativen Journalismus und die Geschichte eines der größten deutschen Kriminalfälle.
Dienstag, 11. November 2014 Stadtbibliothek Magdeburg, 19.30 Uhr Lesung mit Anja Goerz Der Osten ist ein Gefühl. Über die Mauer im Kopf In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Eintritt frei
Einmal Ossi, immer Ossi? Auch heute noch ist die Mauer in den Köpfen der Menschen nicht verschwunden. Das erfährt Anja Goerz in ihrer täglichen Arbeit als Radiomoderatorin beim rbb. Deshalb wollte sie es genauer wissen: Warum fühlen sich im Osten sozialisierte Menschen oft so ungerecht behandelt? Stimmen die Behauptungen über das Verdrängen der Ossis von den Spitzen der Universitäten, Gerichte und Kliniken? Waren die Ossi-Frauen wirklich so viel emanzipierter? Haben die Wessis einfach alles plattgemacht und nach ihren Regeln umgebaut?
Porträts von einfachen Menschen und Prominenten
Anja Goerz stellt ganz unterschiedliche Menschen aus der ehemaligen DDR vor. Sie befragte Unbekannte und Prominente wie Inka Bause und Sebastian Krumbiegel von den »Prinzen«. Zu Tage traten traurige und komische, sentimentale und manchmal erschreckende Erinnerungen. In die Porträts ist viel Biografisches eingeflossen, erzählt wird aber auch von Motivationen und Haltungen, Verletzungen und Chancen.
Ein Spitzenkoch hat lange seine Herkunft verschwiegen, um nicht ausgeschlossen zu werden, eine »Nancy« ändert ihren Vornamen bei ersten Begegnungen gerne in »Anna«, um nicht gleich als Ossi abgestempelt zu werden, ein Polizist trauert immer noch um sein verlorenes Land. Und es gibt auch den umgekehrten Blick von West nach Ost. So berichtet etwa Wolfgang Klein über Erlebnisse als ARD-Korrespondent in Ostberlin oder eine ehemalige Bankauszubildende erzählt, wie es war, als sie nach dem Mauerfall das Begrüßungsgeld verteilte.
So unterschiedlich die Erinnerungen der Ostdeutschen sind, so haben sie doch die DDR-Herkunft als starkes Identitätsmerkmal gemeinsam. »Ossi-Sein«, so zeigt sich, ist keine Generationenfrage und keine Frage des Berufs, sehr wohl aber eine des Gefühls.
Anja Goerz, geboren 1968, ist gelernte Fotografin und seit 1989 Radiomoderatorin. Sie ist auf dem nordfriesischen Festland nahe Sylt aufgewachsen. Heute arbeitet sie beim Radiosender radioeins/rbb. Sie lebt mit Mann und Sohn in Falkensee bei Berlin. Sie hat bereits zwei Romane veröffentlicht.
Montag, 17. 11. 2014 Stadtbibliothek Magdeburg, 19.30 Uhr Lesung Tuvia Tenenbom Allein unter Juden Eine Entdeckungsreise durch Israel In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung
Ende 2012 erschien Tuvia Tenenboms furioser Reisebericht „Allein unter Deutschen“, der heftig diskutiert wurde und monatelang auf der Bestsellerliste stand. Nach seiner Deutschland-Tour hat sich Tenenbom 2013 auf Entdeckungsreise durch Israel begeben. Dreißig Jahre nachdem er seine Heimat in Richtung USA verlassen hatte, kehrte er, der Sohn eines Rabbiners, zurück, um sich ein eigenes Bild davon zu machen, wie sich die kulturelle und politische Identität Israels verändert hat.
Dafür ist er wieder kreuz und quer durchs Land gereist: vom Gazastreifen bis zu den Golanhöhen, von Eilat bis zu den Hisbollah-Stellungen im Norden. Und schon bald erkennt er, dass man, um dieses Land wirklich zu verstehen, mit allen sprechen muss: mit Ultraorthodoxen und Atheisten, mit Fundamentalisten jeglicher Couleur, mit Kibbuzniks und Siedlern, Rabbis und Imamen, mit Mystikern und Intellektuellen, Militärs und Geheimagenten, mit israelischen Prominenten und palästinensischen Politikern, mit Journalisten und NGO-Aktivisten u.v.m. Das Ergebnis dieser nicht immer ganz konfliktfrei verlaufenen Begegnungen ist eine ebenso unterhaltsame wie erhellende Erkundung eines Landes der Extreme, wie man sie so noch nie gelesen hat.
Es treten auf: Schimon Peres und Guido Westerwelle, Amos Oz und Fania Oz-Salzberger, PLO-Spionagechef Dschibril al-Radschub und Exbotschafter Avi Primor, Benjamin Netanjahu und Ehud Olmert und viele, viele mehr.
Tuvia Tenenbom wurde 1957 in Tel Aviv geboren, stammt aus einer deutsch-jüdisch-polnischen Familie und lebt seit 1981 in New York. Er studierte unter anderem englische Literatur, angewandte Theaterwissenschaften, Mathematik und Computerwissenschaften sowie rabbinische Studien und Islamwissenschaften, unter anderem an der St. John's University und an der New York University. Er arbeitet als Journalist, Essayist und Dramatiker und schreibt für zahlreiche Zeitungen in den USA, Europa und Israel, darunter für Die Zeit, den italienischen Corriere della Sera und Yedioth Ahronoth aus Israel.
1994 gründete er das Jewish Theater of New York. Le Monde nannte ihn einen »Begründer einer neuen Form des jüdischen Theaters«, die New York Times lobte seine Theaterarbeiten als »unwiderstehlich und faszinierend«, der Corriere della Sera pries ihn »als einen der innovativsten zeitgenössischen Dramatiker«. In der Zeit veröffentlichte Tenenbom zweimal im Monat die Kolumne „Fett wie ein Turnschuh“. „Allein unter Deutschen“ war sein erstes Buch auf Deutsch, es erschien 2011 auf Englisch unter dem Titel „I Sleep in Hitler's Room“.
Dienstag, 2. Dezember Zentralbibliothek, Breiter Weg 109, 19.30 Uhr Lesung Marianne Birthler Halbes Land. Ganzes Land. Ganzes Leben Erinnerungen In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt Eintritt frei
Marianne Birthlers Geschichte ist durch die doppelte Erfahrung des Lebens in der DDR und im wiedervereinten Deutschland gekennzeichnet. Aufgewachsen in Ost-Berlin, setzte sie sich schon als junge Frau für mehr Selbstbestimmung unter den Bedingungen der Diktatur ein. Ihre Haltung führte sie Mitte der achtziger Jahre in die Opposition gegen den SED-Staat und schließlich in das Zentrum der revolutionären Ereignisse von 1989. Als erste Kultusministerin im neuen Bundesland Brandenburg, erste Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und als Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen bewies sie große Unabhängigkeit. Die Autobiographie einer Frau, die die jüngere deutsche Geschichte maßgeblich mitgeprägt hat.
Marianne Birthler, 1948 in Berlin geboren, war von 2000 bis 2011 als Nachfolgerin von Joachim Gauck die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Sie war eine der Akteurinnen der Freiheitsrevolution von 1989, Ministerin in Brandenburg und Vorsitzende der Partei Bündnis 90 / Die Grünen.
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