"Am Vorabend der Reformation"
Sonderausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg ab 6. November 2014 zu sehen
Bis zum 15. Februar 2015 zeigt das Kulturhistorische Museum Magdeburg die Ausstellung „Am Vorabend der Reformation. Alltag und Frömmigkeit in Mitteldeutschland“. Dafür haben sich die Mühlhäuser Museen (Thüringen), das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig (Sachsen) und das Kulturhistorische Museum Magdeburg (Sachsen-Anhalt) zusammengetan, um zum ersten Mal für Mitteldeutschland in einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt die Zeit unmittelbar vor dem Beginn der Reformation zu beleuchten.
„Mit der Sonderausstellung widmet sich die Landeshauptstadt Magdeburg einmal mehr dem großen Thema des Mittelalters“, so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. „Ich freue mich, dass Magdeburg und Sachsen-Anhalt damit wieder einmal Vorreiter sind, denn die Ausstellung ist die erste große, drei Bundesländer übergreifende Initiative im Rahmen der Reformationsdekade.“
Die Sonderausstellung in Magdeburg präsentiert dabei das religiöse Leben des spätmittelalterlichen Menschen und führt dafür eindrucksvolle Denkmäler der Geschichte und Kultur dieser Epoche zusammen. Prachtvolle Goldschmiedearbeiten, farbenfrohe Tafelgemälde, kunstvoll hergestellte Textilien und anmutige Skulpturen sowie wichtige Urkunden und außergewöhnliche Zeugnisse der spätmittelalterlichen Lebenswelt laden ein zu einer Entdeckungsreise in eine Zeit, bevor die Reformation kam und damit auch die Neuzeit ihren Anfang nahm. Auf ca. 500 Quadratmetern werden ca. 150 Objekte aus Domschätzen, Bibliotheken, Museen und Kirchengemeinden von Bayern bis Berlin gezeigt. Dabei fließen wieder einmal neueste Forschungsergebnisse in die Ausstellung ein.
Die Zeit um 1500 war eine der kirchenfrömmsten Zeiten der deutschen Geschichte: Kirchen füllten sich mit frommen Stiftungen, Wallfahrten fanden regen Zulauf, Andachtsbilder und Heiligenfiguren wurden in Serie hergestellt. Die Ausstellung räumt auch auf mit den populärsten Irrtümern über die Zeit vor der Reformation, nämlich dass es eine Krisenzeit voller kirchlicher Missbräuche und Martin Luthers Bibel die erste deutsche Bibelübersetzung gewesen sei oder dass Ablässe Freikäufe von Sündenstrafen waren. Im Vorfeld des großen Reformationsjubiläums 2017 kann man sich in der Ausstellung in spätmittelalterliche Denkweisen und Praktiken einfühlen sowie ein aus heutiger Sicht zugleich befremdliches und faszinierendes Bild der Lebenswirklichkeit in Mitteldeutschland am Ende des Mittelalters entdecken.
In den mittelalterlich anmutenden historischen Schauräumen im Obergeschoss des Kulturhistorischen Museums Magdeburg kann man ausgesuchte Highlights und Themen finden, die bisher noch nicht gezeigt wurden. Beispielsweise leiht der Domschatz Halberstadt sein „Marienmäntelchen“ aus: ein 67 x 69 cm großes Tuch aus grüner Seide, das über und über mit goldenen und silbernen Applikationen geschmückt ist. Ferner wird die Pilgerreise des Hans von Waltheym thematisiert, die den Hallenser Ratsherrn im Jahr 1474 über die Schweiz bis zur Grotte der hl. Maria Magdalena in der Provençe führte. Sein handschriftlicher Bericht kommt als Leihgabe der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel nach Magdeburg. Große Kunst verheißt auch der Holzschnitt der Entrückung der hl. Maria Magdalena von Lucas Cranach d.Ä. von 1506, der von der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha zur Verfügung gestellt wird. Klein, aber für die Erforschung der spätmittelalterlichen Pilgerwege von großem Wert, sind Neufunde von Pilgerzeichen aus den aktuellen Grabungen im Hafen von Stade, die in Magdeburg erstmals gezeigt werden.
Wer mehr über die Zeit der Reformation und das Leben im Mittelalter erfahren möchte, kann darüber hinaus an elf weiteren Orten des Korrespondenzort-Projektes „Stätten der Frömmigkeit im späten Mittelalter“ authentische Zeugnisse der spätmittelalterlichen Religiösität in Sachsen-Anhalt bereisen.
Kulturhistorisches Museum Magdeburg
Otto-von-Guericke-Str. 68-73
39104 Magdeburg
Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 17 Uhr, Sa/So 10 –18 Uhr
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro
www.khm-magdeburg.de
Ansprechpartnerin
Freya Paschen
Leiterin Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik
Telefon 0391 / 540 35 27
Fax 0391 / 540 35 10
Freya.Paschen@museen.magdeburg.de
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