28. Januar 2015.
Das Schicksal der Sinti und Roma in der Zeit des Nazi-Terrors stand in diesem Jahr im Mittelpunkt der zentralen Kasseler Gedenkveranstaltung zum nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar). Insgesamt fielen dem Völkermord über 500.000 Sinti und Roma zum Opfer.
Bürgermeister Jürgen Kaiser begrüßte an der Gedenktafel für die Sinti und Roma an der Vorderfront des Rathauses den Vorsitzenden des Hessischen Zentralverbandes der Sinti und Roma Hessen, Adam Strauß, und dankte im Namen der Stadt für diese besondere Geste der Versöhnung.
In seinen Begrüßungsworten wies Kaiser darauf hin, dass die Verunglimpfung der Menschen, die sich selbst Sinti und Roma nennen und die früher herabsetzend als „Zigeuner“ bezeichnet wurden, bereits weit vor der Zeit des nationalsozialistischen Terrors begonnen hatte. Vorurteile, pauschale Verunglimpfungen und Repressalien waren an der Tagesordnung. Da die Vorbehalte in der Bevölkerung weit verbreitet waren, hatten die Nazis nach der Machtergreifung leichtes Spiel bei der weiteren Entrechtung, Ausgrenzung und Verfolgung der Sinti und Roma.
Auch in Kassel gab es an der Wartekuppe ein Sammellager, von dem aus später viele Menschen nach Buchenwald und Auschwitz deportiert werden sollten. Die meisten von ihnen, darunter viele Kinder, kamen um.
Dr. Gunnar Richter von der Gedenkstätte Breitenau zeichnete in seiner anschließenden Gedenkrede in bewegender Weise die Schicksale einzelner Kasseler Sinti nach. Kaum nachzuvollziehen sei aus heutiger Sicht auch der Umstand, dass der Volksgruppe der Sinit und Roma nach dem Ende der Schreckensherrschaft über viele Jahre die Anerkennung als Opfer des Nazi-Terrors verwehrt blieb. Ähnlich wie etwa bei den Euthanasie-Opfern, warteten die Überlebenden in großer Zahl zumeist vergebens auf eine Entschädigung für erlittenes Leid und Unrecht. Viele der Täter blieben unbehelligt – auch das bitter für die Opfer und ihre Angehörigen.
Bürgermeister Kaiser rief abschließend alle Mitbürgerinnen und Mitbürger zu Wachsamkeit auf. Gerade unserer Tage gelte es mit Blick auf die Woche für Woche stattfindenden Demonstrationen, bei denen ganze Bevölkerungsgruppen oder Menschen einer bestimmten Religionszugehörigkeit pauschal mit Vorurteilen und Stigmatisierungen überzogen werden, aktiv Stellung zu beziehen. „Dumpfer Hass, Ignoranz und Intoleranz waren damals und sind heute der Nährboden, auf dem Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung gedeihen.“, so Kaiser. „Und ich hoffe deshalb sehr, dass am kommenden Montag viele Mitbürgerinnen und Mitbürger den Weg zu einer Kundgebung finden, zu der ein breites stadtgesellschaftliches Bündnis aufgerufen hat. Zusammen wollen wir hier vor dem Rathaus zeigen, wofür Kassel steht: für Weltoffenheit, für Toleranz, Demokratie und Mitmenschlichkeit.“
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