Stadt Kassel veranstaltete Fachtag zur Auseinandersetzung mit radikalem Islamismus

19. Februar 2015. Wie erreicht man Jugendliche, die aus Perspektivlosigkeit und ohne privaten Halt Gefahr laufen, von der extremistischen Ansicht radikaler Islamisten verführt zu werden? Ein Fachtag zur Auseinandersetzung mit diesem Thema fand jetzt auf Initiative des Zukunftsbüros der Stadt Kassel im Rathaus statt. Rund 200 Beschäftigte aus Jugendhilfe, Schulen und Kasseler Beratungsstellen informierten sich dabei über präventive Handlungsstrategien für die pädagogische Praxis.

Bei der Veranstaltung wurde deutlich, dass radikaler Islamismus nicht nur ein Problem von Muslimen oder Migranten ist. Besonders Jugendliche ohne Perspektiven und Halt in ihrem direkten Umfeld lassen sich für den radikalen Islamismus begeistern. Auch Konvertiten, denen grundlegendes Wissen zum Islam fehlt, lassen sich verführen.

Auch sind es nicht nur die radikalisierten und ausreisewilligen Extremisten, die Sorge bereiten. Es sind vielmehr die politischen Strategien, die durch religiös begründeten Extremismus dazu führen, dass Einflüsse auf das demokratische Gemeinwesen ausgeübt werden, um ein gleichberechtigtes Nebeneinander verschiedener Lebensentwürfe zu verhindern.

Eine offensive Auseinandersetzung mit radikalisierungsgefährdeten Jugendlichen ist aus Sicht der Veranstalter entscheidend. Jugendliche, die sich von islamistischen Strömungen beeinflussen lassen, haben häufig Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen gemacht, die ernst genommen werden müssen. Salafistische Gruppen setzen genau an diesen Punkten an und nutzen sie zur Auflehnung gegen demokratische Strukturen und für ihre verbrecherischen Zwecke.

Während der Veranstaltung wurden Arbeitsgruppen zur interdisziplinären Fallbearbeitung angeboten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich über ihre Erfahrungen austauschen, die Herangehensweisen anderer Institutionen kennenlernen und hierdurch Sicherheit im Umgang mit radikalisierungsgefährdeten Jugendlichen gewinnen.

Kooperationspartner bei der Veranstaltung waren die kommunale Kinder- und Jugendförderung, die Geschäftsstelle des Präventionsrats, das Staatliche Schulamt, die Abteilung Prävention der Polizei sowie das lokale Netzwerk gegen Gewalt.

Ein Islam- und Erziehungswissenschaftler von der Beratungsstelle Hessen des Vereins Violence Prevention Network - einem bundesweit agierenden anerkannten Träger der Kinder- und Jugendhilfe - stellte die Hintergründe zu salafistischen Strömungen und den Verlauf einer Radikalisierung vor.

Der Salafismus ist die am schnellsten wachsende islamistische Strömung in Deutschland und spricht besonders Jugendliche an. Bisher ist in keiner Kasseler Schule oder Jugendzentrum offensiv von salafistischen Gruppierungen geworben worden. Dennoch ist Islamismus und Salafismus auch bei Jugendlichen ein präsentes Thema, mit dem sich Sozialarbeit und Schule befassen muss. Auch aus Kassel sind bereits Schüler und Schülerinnen nach Syrien ausgereist.

Die Beratungsstelle ist Bestandteil des hessischen Präventionsnetzwerks gegen Salafismus und wird finanziert durch das Hessische Ministerium des Innern und für Sport. Ein Schwerpunkt der Beratungsstelle ist die Information und Wissenserweiterung für Jugendliche und Fachpersonal über interreligiöse und interkulturelle Zusammenhänge. In Kassel begleiten Mitarbeiter der Beratungsstelle betroffene Eltern und unterstützen ausstiegswillige Jugendliche.

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