Stadt Hanau wehrt sich gegen Fluglärmpausen-Modell und stellt neue Lärmmessdaten für Stadtteil Lamboy vor
Die Stadt Hanau unterstützt keine Lärmumverteilung zu Lasten anderer Betroffener und nimmt die zu erwartende stärkere Fluglärmbelastung in Steinheim nicht hin. So lässt sich die Haltung des Magistrats zum Modell der Fluglärmpausen zusammenfassen, die Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtrat Andreas Kowol bei einer Bürger-Informationsveranstaltung in der Kulturhalle Steinheim am Dienstagabend vortrugen. Damit sprachen sie sich gegen den Lärmpausen-Versuch aus, den das hessische Wirtschaftsministerium ab 23. April ein Jahr lang erproben will. Zugleich bekannten sich Kaminsky und Kowol zum hohen wirtschaftlichen Stellenwert des Frankfurter Flughafens für die Region. Dessen Ausbau sei jedoch nur akzeptabel, wenn das seit langem geforderte Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr statt der Fluglärmpausen umgesetzt werde.
OB Kaminsky sagte, wenn der „Dauerkonflikt wegen des Fluglärms nicht ein gutes Stück harmonisiert wird, dann wird die Akzeptanz des Flughafens darunter leiden“. Wer sich in Hanau seit Jahren von Fluglärm belastet fühle, bei dem habe „das Wort Lärmpause wegen des zu erwartenden Ergebnisses einen erheblichen Vertrauensverlust ausgelöst“. Das zeigten ihm Stimmen aus der Bevölkerung.
Kaminsky unterstrich: „Diesen Etikettenschwindel werden wir nicht durchgehen lassen.“ Daher prüfe die Stadt Hanau rechtliche Schritte gegen das Lärmpausen-Modell und arbeite dabei mit dem Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Neu-Isenburg zusammen, wo ebenfalls weitere Lärmbelastung durch den Probebetrieb erwartet werden.
Das bisher von 23 bis 5 Uhr geltende Nachtflugverbot bedeutet für Hanau, dass morgens schon ab etwa 4.45 Uhr Flugzeuge im Landeanflug laut über dem Stadtgebiet vernehmbar sind. Für die Brüder-Grimm-Stadt komme erschwerend hinzu, dass von 5 bis 6 Uhr der größte Teil des nächtlichen Fluglärms stattfinde und somit „den Schlaf vieler Menschen empfindlich stört“. Das sei im Grunde genommen unvereinbar mit der Anforderung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach der Fluglärm nach 5 Uhr nur langsam anschwellen dürfe.
„Durch den Lärmpausenversuch hat Hanau morgens keine Entlastung zu erwarten, dafür abends aber eine zusätzliche Belastung für den Süden der Stadt“, fasste Kowol die wichtigsten zu erwartende Neuerungen durch das Lärmpausen-Modell zusammen. Er fügte hinzu: „Das drückt uns am meisten.“
Grundsätzlich sei es zwar begrüßenswert, wenn sich ein hessischer Wirtschaftsmister „erstmals intensiv damit beschäftigt, wie sich Fluglärm besser verteilen lässt“, meinte Kowol weiter. Aber durch die Lärmpausen starte und lande keine einzige Maschine weniger. Vielmehr würden die Flüge konzentriert und anders in der Rhein-Main-Region verteilt – und das auch zu Lasten Hanaus.
Stadtrat Kowol zog bei der Bürger-Informationsveranstaltung zudem eine Bilanz zu den speziellen Fluglärmmessungen im Stadtteil Lamboy-Tümpelgarten. Auf dem Gelände der Kinderburg Tümpelgarten sammelte eine mobile Messstation des Umwelt- und Nachbarschaftshauses des Forums Flughafen und Region von Juli bis September 2014 Daten. Damit wurde ein Wunsch des Hanauer Ortsbeirates Lamboy-Tümpelgarten erfüllt. Denn mit Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn des Frankfurter Flughafens im Herbst 2011 hatte der Fluglärm in diesem Stadtteil und in Kesselstadt nochmals erheblich zugenommen.
Die Messungen ergaben, dass der sogenannte Schwellenwert von 68 Dezibel im Juli des Vorjahres 26 Mal und im August 22 Mal nicht eingehalten wurde. Zur genaueren Bewertung dieser Ergebnisse will die Stadt nun Gutachter einschalten.
Lamboy-Tümpelgarten wurde als Messstation gewählt, weil bei Westbetrieb des Flughafens die Flugzeuge auf dem Weg zur Nordwest-Landebahn und Südbahn über diesen Stadtteil zur Landung geführt werden. Im langjährigen Mittel herrscht Westbetrieb zu etwa 75 Prozent des Jahres vor.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Joachim Haas-Feldmann, Telefon 06181/295-266
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