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Magdeburg, 16. Juni 2015
Landeshauptstadt trauert um Ehrenbürger Igor Belikow
OB sendet Kondolenzschreiben

Mit tiefer Betroffenheit hat die Landeshauptstadt Magdeburg die Nachricht vom Tod Igor Belikows aufgenommen. Nach schriftlichen Informationen der Ukrainischen Botschaft in Berlin verstarb der Magdeburger Ehrenbürger Ende des vergangenen Monats. Igor Belikow rettete mit seinem Mantel am 13. März 1969 dem damals vierjährigen Mädchen Kathrin Lehmann das Leben, als dieses aus dem 5. Stock des Wohnhauses Wilhelm-Pieck-Allee 24 (heute Ernst-Reuter-Allee) 22 Meter in die Tiefe stürzte.

 

„Im Namen der Landeshauptstadt Magdeburg spreche ich den Angehörigen und Freunden Igor Belikows mein aufrichtiges Beileid aus", so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. „Magdeburg trauert nicht nur um einen Lebensretter und Ehrenbürger, sondern um einen Sympathieträger. Der stets bescheidene und freundliche Igor Belikow hatte Magdeburg in sein Herz geschlossen und war gern in unserer Stadt. Wir werden seine lebensrettende Tat niemals vergessen und sein Andenken in Ehren halten.“

 

Einzelheiten zum Todestag und -ort sind der Stadtverwaltung bislang nicht bekannt. Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper wird über die Botschaft der Ukraine ein Kondolenzschreiben an die Hinterbliebenen schicken.

 

Igor Alexejewitsch Belikow wurde am 26. Februar 1941 in Charkow geboren. Er war Jagdflieger, Oberst der sowjetischen Streitkräfte und ab Mitte der 1960er Jahre als Fliegeroffizier bei den sowjetischen Luftstreitkräften in Zerbst stationiert. Während eines Aufenthaltes in Magdeburg rettete der Hauptmann am 13. März 1969 dem damals vierjährigen Mädchen Kathrin Lehmann das Leben, als dieses aus dem 5. Stock des Wohnhauses Wilhelm-Pieck-Allee 24 (heute Ernst-Reuter-Allee) 22 Meter in die Tiefe stürzte. Geistesgegenwärtig breitete er seinen Uniformmantel aus und fing das Kind auf. Igor Belikow wurde über Nacht zum Helden, wies diesen Status aber stets von sich.

 

1970 kehrte er in die Sowjetunion zurück, absolvierte die Militärakademie der Luftstreitkräfte „J. A. Gagarin“, diente im Kaukasus, auf der Krim, in Afghanistan, im Ural, in der ČSSR und in der Ukraine. Bis 1988 leitete er das Bergungskommando für die aus dem All heimkehrenden sowjetischen Raumschiffe in Kasachstan.

 

Am 9. Juni 1977 beschloss die Stadtverordnetenversammlung Magdeburg, ihm anlässlich des 60. Jahrestages der Oktoberrevolution das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Die Lebensrettungsmedaille hatte er bereits am 27. März 1969 aus den Händen des damaligen Oberbürgermeisters Werner Herzig erhalten.

 

 

Erst 14 Jahre nach seiner Rettungstat, im Februar 1983, war Igor Belikow wieder zu einem kurzen Aufenthalt in Magdeburg. Ein dienstlicher Auftrag hatte den nunmehrigen Oberstleutnant der sowjetischen Luftstreitkräfte in die DDR geführt. Er traf dabei auch Kathrin Lehmann und bekam auf einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung offiziell die Ehrenbürgerurkunde überreicht.

 

Bei einem weiteren Besuch zwei Jahre später erhielt er in Berlin den Vaterländischen Verdienstorden der DDR. In Magdeburg trug er sich am 10. Mai 1985 in das Ehrenbuch der Stadtverordnetenversammlung und auf Seite 1 des neu angelegten Goldenen Buches der Stadt ein. Er besichtigte die zwei Jahre zuvor von dem Magdeburger Bildhauer Heinrich Apel geschaffene Bronzeplastik zur Erinnerung an seine Rettungstat gegenüber vom Ort des einstigen Geschehens und traf den Künstler persönlich.

 

Im Oktober 1989 besuchte er erneut Magdeburg, diesmal begleitet von einem Team, das einen Dokumentarfilm über ihn drehte. Zum damaligen Zeitpunkt war Igor Belikow Stabschef eines Luftkommandos in Georgien. Bei seinem nächsten Besuch in Magdeburg, im Juli 1994, kam er bereits als Pensionär, denn 1991 war er aus der Armee verabschiedet worden. Seither wohnte er mit seiner Familie in Lugansk in der Ukraine.

 

Nach der Deutschen Einheit wurde die Ehrenbürgerschaft von Igor Belikow durch den Stadtrat (Stadtverordnetenversammlung) bestätigt. Den entsprechenden Beschluss fassten die Stadträte am 15. November 1990.

 

Vier weitere Besuche in Magdeburg folgten auf Einladung der Landeshauptstadt im Mai 1995 anlässlich des 50. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges und im Juni 1999 anlässlich des 30. Jahrestages seiner Rettungstat. Dieser Aufenthalt vor 16 Jahren gab auch den Anstoß für dringend benötigte Hilfslieferungen aus Magdeburg für ein Krankenhaus in Lugansk, in dem Belikow stundenweise als Verantwortlicher für Zivil- und Katastrophenschutz arbeitete.

 

Die beiden jüngsten Besuche von Igor Belikow waren im Juni 2002 sowie im Oktober 2005 anlässlich des 1200. Stadtjubiläums. Während seines letzten Besuches vom 1. bis 10. Oktober 2005 wurde er von seiner Frau und seinen Enkelkindern begleitet. Er nahm unter anderem an der Festveranstaltung zum 15. Jahrestag der Deutschen Einheit in der Johanniskirche und an der Eröffnung des Hundertwasserhauses teil, traf Schüler des Ökumenischen Domgymnasiums, bestieg gemeinsam mit Familie Lehmann einen Turm des Domes und besichtigte die Feuerwache Süd und das Städtische Klinikum. Bei fast allen Besuchen war Igor Belikow immer rund zehn Tage in Magdeburg.



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