03. November 2015. Höhepunkt im Veranstaltungsprogramm der Musikakademie während des Wintersemesters 2015/16 ist die Reihe „MEDIA IN VITA – die Musik und der Tod“. Von Donnerstag, 12. November, bis Sonntag, 22. November, steht jeden Abend um 19 Uhr ein außergewöhnliches Angebot auf dem Programm. Musikalisch werden die Dozentinnen und Dozenten mit den Studierenden einen großen Bogen von der Musik des 17. Jahrhunderts bis hin zur Popular- und Weltmusik schlagen.
„Wir haben große Hochachtung vor dem dafür erforderlichen Engagement der Studierenden, aber natürlich auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Musikakademie“, zeigt sich Dorothée Rhiemeier, Leiterin des Kulturamts der Stadt Kassel beeindruckt. „Besonders erfreulich ist aus unserer Sicht, dass die Musikakademie wiederum neue Veranstaltungsorte gewonnen hat und sich auf diese Weise als wichtiger Konzertveranstalter in Kassel präsentiert“. Akademiedirektor Dr. Peter Gries ist gespannt: „So viele unterschiedliche Konzerte und Veranstaltungen in nur wenigen Tagen – das gab es an der Musikakademie noch nie.“ Ermöglicht wird diese Reihe durch die Unterstützung von Fmaks, der Fördergesellschaft der Musikakademie Kassel „Louis Spohr“ e.V.
„Media in vita in morte sumus“ – der Textanfang dieses frühen gregorianischen Chorals besagt: Über den Tod nachzudenken, geschieht niemals losgelöst von einer Hinwendung zum Leben. Der Tod beziehungsweise die Todeserwartung, Todesangst oder sogar -sehnsucht der Lebenden beschäftigt die Menschen seit jeher – auch in der Musik. Seit Erfindung der Notenschrift überliefert die Musikgeschichte Sterbegesänge, Trauermusiken, Totentänze oder Trauermärsche. Es ist davon auszugehen, dass auch vor diesem Zeitpunkt Menschen ihrer Trauer in Tönen und Klängen Ausdruck verliehen, denn Musik ist bis heute Bestandteil jedes Beerdigungsrituals.
Der Eintritt zu den Veranstaltungen beträgt 8 Euro. Einen ermäßigten Eintritt von 6 Euro erhalten Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Schwerbehinderte gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises. Der Erwerb eines Konzertpasses (30 Euro, ermäßigt 25 Euro) berechtigt zum Besuch von mindestens vier Veranstaltungen.
Karten gibt es an der Abendkasse. Telefonisch können Karten bei der Musikakademie unter 0561 / 787 4180 vorbestellt werden, per Fax unter 0561/787 4188 oder per E-Mail an musikakademie@kassel.de. Veranstaltungen:
Eröffnet wird die Reihe am Donnerstag, 12. November, um 19 Uhr im Konzertsaal der Musikakademie. Elena Padva spricht über die jüdische Sicht auf den Tod unter dem Titel „Wir schaufeln ein Grab in den Wolken, da liegt man nicht eng. Dazu erklingt Musik von Maurice Ravel und Ernest Bloch mit den Akademiedozenten Michaela Krusche (Mezzosporan), Peter Gries (Viola), Shanji Quan (Klavier) sowie als Gast Akiko Hikita (Klavier). Außerdem lesen Maren Klingebiel und Heidi de Vries Texte jüdischer Autoren wie zum Beispiel Nelly Sachs und Rose Ausländer.
Die zweite Veranstaltung „… und ihre Seele wird im Guten wohnen“ findet am Freitag, 13. November, 19 Uhr in der Kirche Sankt Elisabeth statt. Auf dem Programm steht geistliche Musik für Bariton und Orgel von Johannes Brahms, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Clara Schumann und anderen. Akademiedozent Reinhard Ardelt, der seit gut einem Jahr das neue Ausbildungsfach Orgel an der Musikakademie unterrichtet, musiziert gemeinsam mit Bernd Bachmann, Bariton.
Auch die folgende Veranstaltung am Samstag, 14. November, findet um 18 Uhr in der Kirche Sankt Elisabeth statt. Studierende der Klassen von Dr. Peter Gries und Reinhard Ardelt spielen die Orgel während der Heiligen Messe. Ergänzend zur Orgel erklingen Viola und Orchester in der Trauermusik von Paul Hindemith, der das Stück während seines Exils 1936 aus Anlass des Todes von König Georg V. in nur einer Nacht schrieb.
Studierende unter der Leitung von Akademiedozent Dr. Albert Kaul laden am Sonntag, 15. November, um 17 Uhr zu einer „Musik der Kulturen“ in das Museum für Sepulkralkultur. Unter den 150 Studierenden der Musikakademie sind mehr als zwanzig Nationen vertreten. Auf dem Programm des Konzerts steht Trauermusik aus ihren Heimatländern, die von Studierenden nicht nur einstudiert, sondern auch für das Konzert arrangiert wurde. Erläuterungen zu den Texten und Anlässen sind Bestandteil des Abends.
Der nächste Termin, Montag, 16. November, 19 Uhr, führt zwar zurück in die Kirche Sankt Elisabeth und den europäischen Kulturkreis, knüpft aber thematisch an die „Musik der Kulturen“ an. Unter der Leitung von Professor Gregor Hollmann, seit 30 Jahren Dozent für Cembalo und Generalbassspiel an der Musikakademie, haben Studierende des Gesangs und verschiedener Instrumente Werke des 17. und 18. Jahrhunderts einstudiert, in denen es vor allem um die Trauer der Hinterbliebenen geht. Folgerichtig lautet der Titel des Abends „Der besungene Tod – Lamentations et tombeaux“, also Trauergesänge und „Grabmäler aus Musik“. Spätestens seit der aufsehenerregenden Wiedererstaufführung der Oper „Almira“ von Ruggiero Fedeli 2013 sind die Akademieprojekte unter der Leitung von Professor Hollmann mehr als nur ein Geheimtipp. An diesem Abend erklingen Werke von Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann oder Jean-Henri d’Anglebert.
Vornehmlich letzte Werke stehen auf dem Programm des Dozentenkonzerts „in morte sumus“ am Dienstag, 17. November, 19 Uhr im Konzertsaal der Musikakademie am Karlsplatz. Ruth Altrock (Alt), Vera Weht (Klavier) und Boris Tesic (Gitarre) sind mit Werken von unter anderem Robert Schumann zu erleben. Bereichert wird das Konzert durch einen Ausflug in Genres außerhalb der klassischen Musik: Akademiedozent Sven Pollkötter (Schlagzeug) spielt Frank Zappa. Besonders gespannt wird die Uraufführung vom diesjährigen Paul-Hindemith-Stipendiaten Frank Gerhardt erwartet. Gemeinsam mit Michael Kravtchin (Klavier) führt er sein jüngstes Werk „Grasgeflügel“ auf, das in Südfrankreich entstand. Durch den Abend führt Doktor Oliver Fürbeth, der auch gemeinsam mit Vera Weht das Programm zusammengestellt hat.
Zu einer weiteren Uraufführung lädt die Musikakademie am Mittwoch, 18. November, um 18 Uhr in den Bürgersaal im Rathaus. Professor Sebastian Schmitt (Violine), Primarius des bekannten Mandelring-Quartetts, wird die Komposition für Violine allein von Dr. Albert Kaul spielen. In ihrem Mittelpunkt steht eine wahre Begebenheit aus dem 1. Weltkrieg. Ein junger deutscher Soldat kam bei dem mutigen Versuch, einen verletzten „Feind“ aus dem Gefechtsfeuer zu retten, selbst zu Tode. Dementsprechend lautet der Titel des Abends „Humanität im Angesicht des Todes“, wozu Dr. Stephan Schwenke, Leiter des Stadtarchivs und promovierter Militärhistoriker, referiert.
Bachfreunde kommen auch auf ihre Kosten: Um „Verschlüsselte Sprache und verborgener Klang der Ciacona von Johann Sebastian Bach“ geht es am Donnerstag, 19. November, 19 Uhr im Museum für Sepulkralkultur. Die bekannte Geigerin und Bachforscherin, Professorin Helga Thoene, aus Düsseldorf wird Einblick in ihre Forschungen zu diesem Werk geben, das ohne jeden Zweifel zu den wichtigsten der Musik für Violine allein zählt. Seit Jahrhunderten fasziniert die Größe und Erhabenheit der Ciacona nicht nur Geigerinnen und Geiger. Auch Bearbeitungen für andere Instrumente gibt es unter anderem von Johannes Brahms oder Ferruccio Busoni für Klavier. Helga Thoene hat den theologischen und ideellen Hintergrund dieser Musik beleuchtet und stellt in Kassel ebenso unvermutete wie bahnbrechende Erkenntnisse vor. Zu einem besonderen Erlebnis verspricht der Abend aber auch dank Solistin Tianwa Yang zu werden – die Weltklasse-Geigerin und mit einem Echo-Klassik-Preis ausgezeichnete „Interpretin des Jahres 2015“ unterrichtet seit drei Jahren an der Musikakademie.
Die Frage „Vermächtnis – was bleibt?“ stellt Peter Noelke von der Freimaurerloge Goethe zur Bruderliebe e.V. am Freitag, 20. November, 19 Uhr im Konzertsaal der Musikakademie. Dimitri Schostakowitschs Sonate für Viola und Klavier, opus 147, kann als ein solches Vermächtnis gesehen werden. Kurz vor seinem Tod widmete sich der Komponist noch einmal der Duo-Sonate und einem Instrument, eben der Viola, für die er bisher noch nichts geschrieben hatte. Professorin Karin Wolf (Viola), Bratschistin des bekannten Verdi-Quartetts und seit 2013 Lehrbeauftragte der Musikakademie, und Vera Weht (Klavier) werden das Werk interpretieren. Die Moderation des Abends übernimmt Doktor Oliver Fürbeth. Auch andere Komponisten schätzten übrigens den sonoren und warmen Klang der Viola für ihre letzten Werke. Béla Bartóks letzte Komposition ist sein Konzert für Viola und Orchester – aber auch der letzte Kontrapunkt der unvollendet gebliebenen „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach bricht absichtlich oder unabsichtlich nach dem Themeneinsatz der Viola ab.
Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet der Kantatengottesdienst am Sonntag, 22. November, um 10 Uhr in der Karlskirche. Unter der Leitung von Professor Gregor Hollmann führen Studierende sowie Dozentinnen und Dozenten der Musikakademie gemeinsam eine der ersten Kantaten Johann Sebastians Bach auf: „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“, auch bekannt als „Actus tragicus“. Die Predigt hält Pfarrerin Inge Böhle.
Informationen zu den Künstlern und Programmen finden Sie auch unter www.musikakademie-kassel.de.
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