09. Dezember 2015. Ein von dem Künstler Dr. Horst Hoheisel entworfenes Mahnmal mit dem Titel „Gleis 13/14 – Das Gedächtnis der Gleise“ ist am Mittwoch, 9. Dezember, im Kulturbahnhof Kassel als Ort des Gedenkens von Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Dr. Klaus Vornhusen, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für das Land Hessen, sowie Dr. Gunnar Richter, dem Leiter der Gedenkstätte Breitenau, eingeweiht worden. Es erinnert an die von dort in den Jahren 1941 und 1942 in Ghettos und Vernichtungslager deportierten etwa 2500 Menschen und besteht aus 1007 Namen von Kasseler Juden, die auf 120 Metern neuverlegter Schienenstrecke eingraviert sind, sowie aus einer Gedenktafel.
Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Kassel hatte im Januar 2014 angeregt, dass an dem ehemaligen Abfahrtsgleis der Züge eine angemessene Gestaltung zum Gedenken an die Deportationen erfolgen sollte. Mit dem von Dr. Hoheisel gestalteten Kunstwerk, das mit Unterstützung der Deutschen Bahn AG und der Förderung durch die Kasseler Sparkasse, die Henschel GmbH, Volkswagen Osnabrück und durch die Volkswagen Akademie Kassel realisiert werden konnte, soll nun an dem historischen Ort der deportierten und ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer gedacht werden. In drei Sonderzügen waren sie vom Gleis 13 am damaligen Kasseler Hauptbahnhof in das jüdische Ghetto von Riga, in das Konzentrationslager Majdanek, das Vernichtungslager Sobibor und in das Ghetto und KZ Theresienstadt deportiert worden.
Oberbürgermeister Hilgen bedankte sich bei den Wegbereitern und Mitgestaltern für die Realisierung des Projektes, das daran mitwirke, die Erinnerung an das Leid der im Nationalsozialismus deportierten Kasseler Mitbürger, an das Grauen dieser dunklen Zeiten wach zu halten. „Unser Dank richtet sich vor allem an den Künstler Dr. Horst Hoheisel sowie an die Gedenkstätte Breitenau. Die Stadt hat gern für dieses Projekt die Koordination übernommen und auch ihren Beitrag aus Mitteln des Kulturetats geleistet, damit das Mahnmal heute eingeweiht werden kann“, sagte er.
„Alle Opfer haben das Recht auf die Erinnerung an ihren Namen, an ihre Identität, ihr Schicksal“, erklärte Dr. Horst Hoheisel. „Dieses Gleis zur Erinnerung an die ‚Entgleisung‘ aller menschlichen Normen durch die Nationalsozialisten wird nie mehr befahren werden. Es ist jetzt ein Ort der Erinnerung. Die in die Schienen gravierten Namen sind so groß, dass man sie beim Abschreiten des Bahnsteigs gut lesen kann.“ „Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland ist und bleibt außerordentlich wichtig. Und es ist gut, dass gerade junge Leute, Auszubildende verschiedener Unternehmen, durch ihre Mitarbeit an dem Projekt auch das Nachdenken über das Thema Deportation in die Zukunft tragen. Ich bin der Stadt Kassel und den Partner dieses Projekts daher dankbar für ihr vorbildliches Engagement. Die Deutsche Bahn verbindet mit dem Gedenken das Engagement gegen jegliche Form von Hass und Gewalt", so Dr. Klaus Vornhusen
Dr. Gunnar Richter, Leiter der Gedenkstätte Breitenau: „Mit dem neugeschaffenen Denkmal von Horst Hoheisel ist ein eindrucksvoller Gedenkort entstanden, der an die deportierten und ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer erinnert. Wir wünschen uns, dass dieses Mahnmal von vielen Menschen als Ort der Erinnerung und des Gedenkens wahrgenommen und angenommen wird. Gleichzeitig möchten wir mit dem Blick auf die Geschichte auch dazu auffordern, gegenwärtigen Entwicklungen von Ausgrenzung, Diskriminierung, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten und sich aktiv für Menschenwürde, Gleichberechtigung, Toleranz und gegenseitige Achtung einzusetzen."
Zahlreiche Auszubildende und ihre Ausbilder, die an der Umsetzung des Kunstwerks mitwirkten, nahmen an der Veranstaltungen teil. Beteiligt waren Auszubildende der Deutschen Bahn am Verlegen der Gleise, von VW am Programmieren der Schrift, der Firma Henschel bei den Fräsarbeiten.
(3987 Zeichen)
Stadt Kassel
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Rathaus / Obere Königsstraße 8
34112 Kassel
Telefon: 0561 / 787-1231 oder 0561 / 787-1232
Telefax: 0561 / 787-87
E-Mail: presse@kassel.de
Pressesprecher Ingo Happel-Emrich
Pressesprecherin Petra Bohnenkamp
Kassel und die Region im Internet: www.kassel.de
Die Stadtverwaltung im Internet: www.stadt-kassel.de
Die Pressestelle der documenta-Stadt Kassel ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie auch Mitteilungen weiterer Pressestellen abonnieren, Ihr Interessenprofil verwalten oder sich ganz aus dem Verteiler löschen.